Donnerstag, 14. November 2019

Wer die Anleger gut informiert Vonovia siegt im härtesten Test der deutschen Finanzkommunikation

Investors' Darling 2019 - die Preisträger (v.l.n.r): Dana Unger (Kion), Antje Kelbert (Kion), Andrea Wentscher (BASF), Thomas Fritsche (Jenoptik), Constantin Birnstiel (Merck), Christian Warns (TAKKT), Helene von Roeder (Vonovia), Benjamin Bühler (TAKKT), Ronald Köhler (Covestro), André Simon (Lanxess), Michael Schneider (Norma Group), Michael Klaus (Metzler), Olaf Holzkämper (Cewe), Henning Zülch (HHL Leipzig), Sven Oliver Clausen (manager magazin), Markus Georgi (Fresenius)
Bert Bostelmann für manager magazin
Investors' Darling 2019 - die Preisträger (v.l.n.r): Dana Unger (Kion), Antje Kelbert (Kion), Andrea Wentscher (BASF), Thomas Fritsche (Jenoptik), Constantin Birnstiel (Merck), Christian Warns (TAKKT), Helene von Roeder (Vonovia), Benjamin Bühler (TAKKT), Ronald Köhler (Covestro), André Simon (Lanxess), Michael Schneider (Norma Group), Michael Klaus (Metzler), Olaf Holzkämper (Cewe), Henning Zülch (HHL Leipzig), Sven Oliver Clausen (manager magazin), Markus Georgi (Fresenius)

"Investors' Darling 2019" ist Helene von Roeder, Finanzvorständin bei Deutschlands größtem Wohnungsvermieter Vonovia in Bochum. Dieser Titel ehrt das Unternehmen, das von allen 160 Mitgliedern in Dax, MDax und SDax Investoren und Öffentlichkeit am besten über sein Geschäft informiert.

Gemeinsam mit Vorstandschef Rolf Buch hat von Roeder seit ihrem Start im Mai 2018 die zuvor bereits überzeugende Finanzkommunikation von Vonovia Börsen-Chart zeigen nochmals verbessert. Dabei muss die ehemalige Investmentbankerin zwischen den stark auseinanderklaffenden Erwartungen von Aktionären an steigende Mieteinnahmen und dem Wunsch von Mietern und Politik nach bezahlbaren Wohnungen vermitteln.

Basis der Auszeichnung und des Rankings ist eine umfangreiche Analyse, die das Team um Ökonomieprofessor Henning Zülch von der HHL Leipzig Graduate School of Management seit 2014 für das manager magazin erstellt. Mehr als 20 Mitarbeiter bewerten nach einem umfangreichen Kriterienkatalog das Reporting (Geschäftsbericht, Halbjahresbericht) und die Investor-Relations-Arbeit (unter anderem Internetseite und Präsentation).

Finanzkommunikation von 160 Dax-Mitgliedern im Härtetest

Die Bearbeitung der mehr als 300 Datenfelder erfordert 15 bis 20 Stunden Arbeit pro Titel. Dazu kommt eine Umfrage bei Aktienanalysten und Fondsmanagern sowie eine Auswertung der Kursentwicklung im Branchenvergleich. Abschließend durchlaufen die Ergebnisse einen letzten Qualitätscheck bei der Jurysitzung.

Entscheidend für die Bewertung ist, wie detailliert ein Unternehmen seine Strategie vermittelt und wie konkret und überzeugend es über Ertrags-, Finanz- und Risikolage berichtet. Das Reporting geht mit einem Gewicht von 40 Prozent in die Analyse ein, Investor Relations folgt mit 30 Prozent (je 15 Prozent für Präsentationen und die digitale Kommunikation, die aufgewertet wurde). Der Kapitalmarktauftritt fließt zu 30 Prozent ein (10 Prozent Aktienkursperformance, 20 Prozent Perception Study). Erstmals wurde auch die Kommunikation zur Corporate Social Responsibility (CSR) benotet.

Am Dienstag, den 17. September wurden in Frankfurt die diesjährigen Gewinner prämiert.

Die Gewinner im S-Dax: Jenoptik, Cewe und Takkt

Den dritten Rang des Vorjahres verteidigte die Takkt AG, der Versandhändler für Geschäftsausstattung. Dass die Stuttgarter ihre Position halten konnten, ist um so bemerkenswerter, weil die Kursentwicklung der Aktie seit dem Hoch vom März 2018 keinen Rückenwind für die Bewertung gab. Außerdem schrumpft die Zahl der Aktienanalysten, die über kleinere Börsentitel berichten, weil Fondsgesellschaften und andere Kunden der Banken auf Grund von EU-Vorschriften das Research nicht mehr durch Handelsprovisionen subventionieren dürfen, sondern direkt dafür bezahlen müssten. Takkt setzt auf die starke Einbindung der Vorstandsmitglieder in den Dialog mit Analysten und Investoren, um trotz der erschwerten Bedingungen die Aufmerksamkeit des Kapitalmarkts zu gewinnen.

Zweiter ist der Fotodienstleister Cewe aus Oldenburg. Herausragend ist hier der Halbjahresbericht, der zu den besten überhaupt gehört.

Der Sieger im SDax hat etwas geschafft, was zuvor noch keinem Unternehmen aus diesem Index gelungen war: Jenoptik steht auf dem dritten Platz im Gesamtranking, hat also die Bronzemedaille im gesamten Wettbewerb errungen. Das größte Unternehmen seines Heimatbundeslands Thüringen hat sich gewandelt von einem Konglomerat zu einem Spezialisten für Photonik. Das Technologieunternehmen errang auch den ersten Platz im TecDax, der seit diesem Jahr nicht mehr gesondert prämiert wird, weil die Deutsche Börse dort seit 2018 überwiegend Mitglieder der anderen Indizes Dax, MDax und SDax führt.

Die Besten im MDax: Lanxess, Kion, Norma

Dritter im MDax ist die Norma Group aus Maintal bei Frankfurt. Der Spezialist für Verbindungstechnik sticht seit Jahren aus der Masse hervor mit seiner sehr guten Bewertung in unserem Wettbewerb. Zuletzt ist der Aktienkurs stark unter Druck geraten, denn die Norma hat viele Kunden aus der Autoindustrie und spürt die Sorgen der Branche. Doch auch in turbulenten Zeiten bleibt das Unternehmen transparent und offen, wie unsere Analysten von der Handelshochschule Leipzig festgestellt haben.

Der zweite Rang geht an ein weiteres Unternehmen, das ebenso wie Norma vor wenigen Jahren noch im Besitz von Private-Equity-Fonds war: die Kion Group mit Sitz in Frankfurt. Kion ist weltweit der zweitgrößte Hersteller von Flurförder-Fahrzeugen, also zum Beispiel Gabelstaplern. Wachstumstreiber sind zwei starke Trends: der E-Commerce und die Automatisierung von Warenlagern. Einst gehörte das Geschäft zu Linde. Heute steht Kion in unserem Ranking deutlich weiter oben als die ehemalige Konzernmutter.

Sieger im MDax ist der Vorjahres-Gesamtsieger, der 2019 den zweiten Platz insgesamt belegt und damit eine Spitzenposition verteidigt: das Chemieunternehmen Lanxess aus Köln. Die Stärke der Lanxess AG bleibt die Darstellung ihrer Finanzkennzahlen, speziell der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Sehr gut bewertet ist auch die CSR-Berichterstattung im Geschäftsbericht. Außerdem verfügt die ehemalige Tochter des Chemiekonzerns Bayer über eine der fünf besten Investor-Relations-Präsentationen des Rankings. Die Arbeit der IR-Abteilung wird auch von Investoren und Analysten gelobt.

Die Sieger im Dax: Vonovia, Covestro, Merck

Dritter im Dax ist ein Chemie- und Pharmakonzern, der 2017 sogar das Gesamtranking anführte: das Familienunternehmen Merck aus Darmstadt. Trotz der weiterhin dominanten Stellung des Eigentümerclans kümmert sich das Investor-Relations-Team vorbildlich um die Minderheitsaktionäre: Es hat sogar die insgesamt beste Bewertung in der Analysten- und Investorenumfrage. Der Erfolg des Unternehmens wird die Gesamtsiegerin Helene von Roeder ebenfalls freuen, denn sie sitzt bei Merck im Aufsichtsrat.

Zweitplatzierter im Leitindex ist eine weitere ehemalige Bayer-Tochter: Covestro. Im Herbst 2014 trennte sich Bayer von der Kunststoff-Sparte. Für das Kommunikationsteam bedeutete das die Aufgabe, die Marke Covestro bekannt zu machen - bei Kunden und natürlich auch bei Anlegern. Das ist gelungen: Seit März 2018 ist das Unternehmen Mitglied im Leitindex Dax. Und gehört dort zur Spitzengruppe, was die Finanzkommunikation betrifft.

Den Sonderpreis für die beste Digitale Kommunikation hat wie schon im Vorjahr die BASF erreicht. Die Sonderpreise für Strategiereporting und CSR-Berichterstattung gewann die Deutsche Telekom. Das Langfrist-Ranking für die beste Durchschnittsnote über drei Jahre führt der Gesundheitskonzern Fresenius an.

Den Artikel zur Preisträgerin Helene von Roeder mit der Rangliste für den Dax 30 sowie den Top- und Flopp-Five für MDax und SDax lesen Sie auf manager magazin premium.

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