Fotostrecke

Fußball: Die internationalsten Clubs Europas

Foto: Getty Images

Viertelfinale der Champions League So wollen Europas Top-Klubs zu Big Business werden

Die Viertelfinals der Champions League ab diesem Dienstag sind die perfekte Bühne für Europas Top-Klubs, um ihr Geschäft zu internationalisieren. Denn dort ist der größte Umsatzschub zu erwarten.
Von Holger Rehm

Borussia Dortmund fuhr in der Sommerpause nach China. Der Hamburger SV, der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und der FC Schalke 04 unterschrieben jüngst Vereinbarungen mit chinesischen Super-League-Clubs. Und auf übergeordneter Ebene schlossen die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die deutsche Politik (Bundesregierung und Bundesinnenministerium (BMI)) eine fünfjährige Vereinbarung mit dem chinesischen Bildungsministerium und dem chinesischen Fußballverband.

Viele der Internationalisierungsbemühungen der deutschen Fußballclubs konzentrierten sich in den vergangenen Monaten auf China. Seit die DFL eine Internationalisierungsoffensive einläutete und DFL Geschäftsführer Christian Seifert den Clubs die Wichtigkeit des Themas immer wieder gebetsmühlenartig eintrichtert, hat die Bundesliga mit ihren China-Aktivitäten eine neue Stufe ihrer Internationalisierungsbestrebungen erreicht.

Dabei lässt sich jedoch nur schwierig einschätzen, wo die Bundesliga mit ihren Internationalisierungsbemühungen im europäischen Vergleich genau steht. Die Agentur Advant hat daher die europäischen Top-Ligen aus Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich untersucht. Bei der Studie, die bereits zum dritten Mal erscheint, wurden 98 Clubs analysiert. Fünf verschiedene Internationalisierungskategorien wurden dabei herangezogen, die mit unterschiedlichen Faktoren gewichtet wurden.

2. Platz verteidigt

Um das Endergebnis vorwegzunehmen: Die Premier League hat von allen fünf Top-Ligen Europas die stärkste internationale Ausrichtung. Dahinter konnte die Bundesliga den Verfolgerplatz vor der spanischen La Liga Santander verteidigen, es folgen die italienische Serie A und die französische Ligue 1.

Nur der FC Bayern in den Top 10

Unter allen 98 Clubs ist der FC Barcelona bei der diesjährigen Abfrage der internationalste Club. Sein Liga-Rivale Real Madrid liegt auf Platz zwei. Dahinter folgt ein englisches Trio: Manchester City, der FC Chelsea sowie Manchester United, das 2014 noch den ersten Platz belegt hatte.

Die englische Premier League dominiert dabei mit insgesamt fünf Vertretern die Top 10. Der einzige deutsche Club in den Top 10, der FC Bayern München, rangiert mit etwas Abstand an sechster Stelle, hat sich jedoch gegenüber 2014 um immerhin drei Plätze verbessert. Juventus, einziger italienischer Club in den Top 10, verdrängte seinen nationalen Konkurrenten AC Mailand. Der französische Club Paris Saint-Germain bleibt der einzige Vertreter seines Landes in den Top 10.

Als zweitbester deutscher Club belegt Borussia Dortmund Platz 15, der FC Schalke 04 wird auf dem 20. Rang gelistet. Komplettiert werden die deutschen Top 5 vom VfL Wolfsburg (23. Platz) und von Borussia Mönchengladbach (26. Platz). Aus deutscher Sicht erwähnenswert ist zudem, dass Aufsteiger RB Leipzig in seiner ersten Bundesliga-Spielzeit den achten und europaweit den 33. Rang belegt.

Kategorie 1: Internationale Partner

So international sind Europas Top-5-Ligen

Platz Liga Gesamtpunkte
1. Premier League 711
2. Bundesliga 451
3. Primera Division 437
4. Serie A 354
5. Ligue1 308
Die Gesamtpunktzahl ergibt sich aus fünf Kategorien, die unterschiedlich gewichtet wurden. Siehe dazu Studiendesign und Methodik
Quelle: Advant, SPONSORs
SPONSORs 4/17

Interessant wird es beim Blick auf die einzelnen Kategorien. Im Bereich der internationalen Sponsorenvermarktung (Kategorie "Partnerschaften") setzen fast alle Top-10-Clubs vorwiegend auf Sponsoren, die nicht im eigenen Land beheimatet sind. Im Schnitt schließen die Top-10-Clubs auf den drei höchsten Ebenen Kooperationen zu 74 Prozent mit ausländischen Unternehmen ab. Die Spitzenwerte der englischen Clubs übersteigen in dieser Kategorie die 90-Prozent-Marke.

Ausnahmen im Top-10-Ranking bilden einzig der FC Bayern München (40 Prozent) und Juventus Turin (45 Prozent). Der deutsche und der italienische Rekordmeister liegen in dieser Kategorie daher lediglich auf dem 23. Platz (FC Bayern) und dem 18. Platz (Juventus). Zumindest im Falle des FC Bayern München dürfte die vergleichsweise starke nationale Sponsorenausrichtung mit der hiesigen Wirtschaftskraft zu begründen sein, die in Europa ihresgleichen sucht. So befinden sich im Sponsorenportfolio der Bayern immerhin deutsche Global Player wie Adidas , Audi , Deutsche Telekom , Allianz , DHL oder SAP .

In der Bundesliga verfügt der VfL Wolfsburg laut Ranking über die internationalste Sponsorenstruktur (48 Prozent) und ist damit deutlich internationaler aufgestellt als andere Bundesliga-Clubs (Durchschnittswert: 20 Prozent, gesunken um fünf Prozent). Demgegenüber liegt der Wert in der Premier League bei nahezu 50 Prozent und in der spanischen La Liga bei fast 35 Prozent.

Kategorie 2: Internationale Homepage

In der Kategorie "Vereinshomepage" sind im Vergleich zur Untersuchung von 2014 lediglich geringe Änderungen festzustellen. Nach wie vor bietet Manchester City seinen weltweiten Fans mit 13 Versionen die meisten Sprachen für seine Website an. Die Bundesliga belegt in dieser Kategorie ligaübergreifend den Spitzenplatz und kann durchschnittlich 2,9 Sprachversionen pro Club vorweisen. Dahinter folgen die Premier League und die spanische Primera Division mit je 2,7 Sprachversionen pro Club.

Auffällig ist weiterhin, dass wie bereits 2014 fast die Hälfte der untersuchten Clubs ihre offizielle Homepage nur in der eigenen Landessprache zur Verfügung stellt. Zudem wird deutlich, dass die Top-10-Clubs dieser Kategorie in den vergangenen zwei Jahren kaum neue Sprachversionen hinzugefügt haben.

Kategorie 3: Internationale Nationalspieler

Auch der Zusammenstellung des Spielerkaders kommt bei der Internationalisierung eine wichtige Rolle zu. Die Advant-Studie legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Zahl der internationalen A-Nationalspieler eines Clubs, da diese in ihrer jeweiligen Heimat über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen.

Den Spitzenwert aller Clubs erreicht dabei der englische Tabellenführer FC Chelsea. Der Hauptstadtclub hat mit 73 Prozent den höchsten Anteil ausländischer A-Nationalspieler. Zum Vergleich: In der Bundesliga hat Borussia Dortmund mit 45 Prozent den höchsten Anteil ausländischer A-Nationalspieler, gefolgt vom FC Bayern München (44 Prozent).

Ligaübergreifend hat die englische Premier League den höchsten Anteil an A-Nationalspielern (46 Prozent), gefolgt von der Bundesliga (32 Prozent), die diesen Wert seit 2014 um fünf Prozent steigern konnte.

Kategorie 4: Internationale Facebook-Fans

Studiendesign und Methodik

Das zweite große Thema neben der Internationalisierung, das die Bundesliga derzeit verstärkt im Fokus hat,sind sämtliche Bestrebungen in den digitalen Medien. Um im Ausland die Zahl der Fans auszubauen, werden Digitalisierung und Internationalisierung von vielen Clubs mittlerweile geschickt miteinander verknüpft. Die meisten Clubs haben erkannt, dass sich über die clubeigenen Social-Media-Kanäle vortrefflich mit den eigenen Anhängern im Ausland kommunizieren lässt und dass die weltweite Community mit den neusten Informationen über Spieler und den Club versorgt werden kann.

Sicherlich lässt sich darüber streiten, mit welchen Hilfsmitteln sich Fans bei Facebook, Follower bei Twitter oder Anhänger anderer sozialer Medien anwerben und -häufen lassen. Das Ranking gibt dennoch ein Gefühl, in welcher Größenordnung sich die internationalen Clubs in den sozialen Medien mittlerweile bewegen.

Mit über 90 Millionen ausländischen Facebook-Fans belegen die spanischen Top-Clubs FC Barcelona und Real Madrid die ersten beiden Plätze - und liegen damit weit vor dem besten deutschen Club in dieser Kategorie. Der FC Bayern München konnte die Zahl seiner ausländischen Facebook- Fans seit 2014 laut Studie um 125 Prozent steigern und liegt mit über 37 Millionen ausländischen Facebook-Fans derzeit auf Rang fünf. Andere deutsche Clubs wie Borussia Dortmund (13 Millionen internationale Facebook-Fans / Platz 12), Bayer 04 Leverkusen (2,4 Millionen / Platz 23) oder der FC Schalke 04 (2,3 Millionen / Platz 24) haben im Vergleich zu den anderen europäischen Top-Clubs noch deutliches Verbesserungspotenzial.

Beeindruckend: Die Top-10-Clubs der Gesamtrangliste kommen im Schnitt auf 47 Millionen ausländische Facebook-Follower. Die übrigen Clubs ab Platz elf haben hingegen im Schnitt lediglich 1,4 Millionen ausländische Facebook-Fans. Allein der FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United und der FC Chelsea haben, wie bereits 2014, in Summe mehr Fans als die übrigen 94 Clubs. Ungeachtet dessen konnten die Bundesliga-Clubs die Zahl ihrer ausländischen Facebook-Fans seit 2014 verdoppeln.

Kategorie 5: Reisen ins Ausland

Bei der Kategorie "Trainingslager" gab es folgendes Ergebnis: Neun Clubs der Top 10 unternahmen eine Reise über die europäischen Grenzen hinaus. Lediglich der FC Barcelona blieb in Europa und veranstaltete auch seine Freundschaftsspiele in Übersee. Insgesamt unternahmen im vergangenen Jahr 30 der 98 Clubs Reisen außerhalb Europas, darunter sieben deutsche. Dabei ist zu beachten, dass die Bundesliga mit der Winterpause im Vergleich zu den anderen Ligen eigentlich ein relativ großes Zeitfenster zur Durchführung von Auslandsreisen hat.

Potenziale: Social Media und Sponsoren

Abschließend lässt sich sagen, dass die Bundesliga im europäischen Liga-Vergleich mit dem zweiten Rang gut aufgestellt ist. Einzelne Clubs, so haben die Studienersteller jedoch herausgefunden, haben allerdings in verschiedenen Bereichen "noch großes Verbesserungspotenzial".

Insbesondere im Bereich der internationalen "Partnerschaften" sieht die Studie noch Potenzial für die Bundesliga-Clubs, deren Anteil internationaler Sponsoren bei 20 Prozent liegt und damit ausbaufähig ist. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Facebook- Fans. Die Bundesliga-Clubs kommen auf durchschnittlich 3,2 Millionen ausländische Fans, die englischen und spanischen Clubs hingegen auf durchschnittlich mehr als zehn Millionen.

Allein die Zahl der Facebook-Fans sowie die Sponsoren-Werte zeigen, dass sich die englische Premier League und ihre Clubs in den nächsten Jahren in diesem Ranking kaum einholen lassen. Für die Bundesliga dürfte es wichtiger sein, ihren zweiten Platz - insbesondere gegenüber der Primera Division - zu verteidigen. Die Zeichen der Zeit haben die DFL und die meisten Clubs auf alle Fälle erkannt. Die Kooperation mit Chinas Fußball war dabei ein Weg in die richtige Richtung und damit hat die DFL wiederum gezeigt, dass sie ihren eigenen (Bundesliga-) Weg geht.

Der obige Text stammt aus SPONSORs, dem führenden deutschsprachigen Anbieter von Informationen aus dem Sportbusiness.

Mehr lesen über