Samstag, 24. August 2019

Insolvenzen in Deutschland Creditreform erwartet erstmals wieder Anstieg der Firmenpleiten

Insolvenzen in Deutschland gehen weiter zurück

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wird nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in diesem Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt wieder steigen. Insgesamt erwarten die Experten rund 20.000 Firmenpleiten, ein Plus von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zuletzt hatte die Zahl der Insolvenzen in Deutschland 2009 zugenommen.

Ausschlaggebend für die erwartete Trendwende sei die Entwicklung in der exportorientierten deutschen Industrie, die inzwischen spürbar unter den Folgen des Handelskrieges zwischen den USA und China und anderen Wirtschaftsturbulenzen wie dem Brexit leide. Der deutsche Binnenmarkt und die darauf konzentrierten Branchen wie der Bau und der Handel florierten dagegen weiterhin.

Trotz des sich abschwächenden Wirtschaftswachstums ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im ersten Halbjahr jedoch noch einmal leicht gesunken. Insgesamt meldeten zwischen Januar und Juni nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunft Creditreform rund 9900 Unternehmen Insolvenz an. Dies bedeute einen leichten Rückgang um 0,4 Prozent verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, berichteten die Experten am Dienstag. Ein Jahr zuvor waren es im 1. Halbjahr 9940 Insolvenzen. Es ist der geringste Rückgang in diesem Jahrzehnt, hieß es.

Einen Anstieg der Insolvenzen registrierte Creditreform jedoch im Mittelstand bei Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25. und 50 Millionen Euro. Auch bei kleineren Unternehmen mit einem Umsatz bis zu fünf Millionen Euro nahm die Zahl der Insolvenzen zu. Fast die Hälfte der Insolvenzfälle bei Unternehmen machten jedoch ältere Unternehmen aus, die über zehn Jahre alt sind. Hier registrierte die Wirtschaftsauskunft ein Plus von 1,8 Prozent. Kleinstunternehmen mit einem Umsatz von unter 100.000 Euro haben mit immerhin noch 30 Prozent ebenfalls einen großen Anteil am Insolvenzgeschehen.

Die Zahl der durch Insolvenzen bedrohten Jobs stieg Creditreform zufolge deutlich an: Mit rund 120.000 gefährdeten Stellen lag sie um gut 11 Prozent über dem Vorjahresniveau. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt einige Großinsolvenzen - etwa beim Modehändler Gerry Weber oder der Fluggesellschaft Germania, berichtete Creditreform. Die Schäden für die Gläubiger schätzte die Wirtschaftsauskunftei auf und 14,6 Milliarden Euro.


Lesen Sie auch:
Was von der deutschen Windkraftindustrie bleibt
Jamie Olivers Restaurant-Imperium droht Insolvenz
Insolvenz von Bree, Habitat und Co.


Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbereichen. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich nahm die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr laut Creditreform bereits wieder spürbar zu. Im Handel und am Bau waren die Zahlen dagegen weiter rückläufig. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank im ersten Halbjahr um 2,6 Prozent auf 33.400 Fälle. Insgesamt registrierten die Wirtschaftsforscher 54.300 Insolvenzfälle über alle Bereiche in Deutschland.

akn/rtr/afpdpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung