Samstag, 25. Januar 2020

Infrastruktur-Anlagen Noch meiden Versicherer Investments auf hoher See

Laufend Wind, laufend Erlöse: Der Nordsee-Windpark "Meerwind Süd/Ost" bei Helgoland zieht das Interesse der Investoren an. Die 80 Turbinen mit einer installierten Gesamtleistung von 288 Megawatt können bis zu 360.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ob deutsche Versicherer dafür bieten, ist unklar. Ein direktes Investment in Offshore-Windparks meiden sie bislang

2. Teil: Abwasser, Wind, Sonne - Allianz und Münchner Rück sind wählerisch

Doch selbst kapitalkräftige Versicherer wie die Allianz sind wählerisch: Stimmt das Risiko-Rendite-Profil eines möglichen Infrastruktur-Investments nicht, lässt der Versicherer die Hände davon, wie eine Sprecherin gegenüber manager magazin online versichert.

Ob das auch für den aktuell zum Verkauf stehenden Offshore-Windpark "Meerwind Süd/Ost" gilt, wollte die Sprecherin nicht sagen noch Gerüchte zu einem möglichen Gebot des Versicherungsriesen kommentieren. "Wir kommentieren Spekulationen zu möglichen Deals nicht." Auch die Meag, die Kapitalanlagegesellschaft der Münchener Rück und dessen Erstversicherer Ergo, wollte entsprechende Gerüchte nicht kommentieren.

Insiderkreisen verlautet allerdings bereits, dass die Allianz wohl nicht für das Projekt bieten wird. Der 2014 ans Netz gegangene erste deutsche Windpark auf hoher See war ausschließlich mit privatem Kapital finanziert worden. Seine Eigentümer, darunter der US-Finanzinvestor Blackstone, erhoffen sich durch den Verkauf rund 1,6 Milliarden Euro.

Dabei gelten die beiden Versicherungsriesen in der Branche durchaus als Schrittmacher bei Investments in Erneuerbare Energien und Infrastruktur. Unter den deutschen Versicherern stehen sie allein für rund drei Viertel der Investitionen in diesen Bereichen.

Rund 2,5 Milliarden Euro hat die Allianz-Versicherungsgruppe bislang in 57 Wind- und 7 Solarparks investiert und zählt damit nach eigenen Angaben zu den größten Investoren in Europa. Weitere drei Milliarden Euro stecken in klassischen Infrastrukturinvestments.

Zuletzt kaufte die Allianz als Teil eines Konsortiums die deutsche Autobahn-Raststättenkette Tank und Rast und finanziert ebenso die Sanierung und den künftigen Betrieb der Londoner Abwasserkanäle. Damit machen diese Investments in Summe aber immer noch weniger als 1 Prozent der gesamten Kapitalanlagen von rund 650 Milliarden Euro aus.

Die Meag investiert seit 2010 in Erneuerbare Energien, seit 2012 auch in Infrastruktur-Projekte, um die langfristigen Zahlungsverbindlichkeiten im Kerngeschäft der Versicherung von Munich Re zu bedecken. Rund zwei Milliarden Euro sind so vor allem in Photovoltaikanlagen, On-Shore-Windanlagen sowie ein Pumpspeicherkraftwerk investiert, teilt die Meag auf Anfrage mit.

Man darf gespannt sein, wer beim Bieterprozess zum Verkauf des ersten deutschen Windparks auf hoher See noch seinen Hut in den Ring wirft. Deutsche Versicherer werden wohl nicht dazugehören, noch scheint ihnen ein Investment auf hoher See wohl zu riskant.

Dem Vernehmen nach sollen aber Infrastruktur-Investoren wie Macquarie aus Australien und Borealis aus Kanada interessiert sein. Laut Reuters würden zudem Offerten von chinesischen Investoren erwartet, die nicht nur hierzulande immer stärker gute Anlagemöglichkeiten suchen und finden.

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