Dienstag, 23. Juli 2019

Aktie stürzt auf Dreijahrestief Infineon besorgt sich frisches Geld für Cypress-Übernahme

Infineon-Logo: Der Chipkonzern braucht Geld für die größte Übernahme seiner Unternehmensgeschichte

Der Chiphersteller Infineon hat sich einen Teil der benötigen Milliarden für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor durch eine Kapitalerhöhung besorgt. Es seien knapp 113 Millionen neue Aktien zu je 13,70 Euro in einem beschleunigten Verfahren bei institutionellen Investoren platziert worden, teilte der Dax-Konzern in der Nacht zum Dienstag mit.

Das ist ein Abschlag von rund 4,6 Prozent zum Schlusskurs vom Montag und belastet damit die Aktie. Kurz nach der Eröffnung verlor das Papier Börsen-Chart zeigen rund 6 Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs vom Montag und stürzt damit auf den tiefsten Stand seit Juli 2016. Vor Kosten und Provisionen nahm Infineon mit der Kapitalerhöhung 1,55 Milliarden Euro ein.

Infineon hatte Anfang Juni den Kauf des Konkurrenten Cypress Semiconductor für neun Milliarden Euro angekündigt - es wäre die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Reinhard Ploss will Infineon mit dem Deal in die "Top 10 der Halbleiterhersteller weltweit" führen. Bei Chips für die Autoindustrie sieht er Infineon sogar auf dem Sprung an die Weltspitze.

Aktie hat in zwölf Monaten bereits 42 Prozent an Wert verloren

Analysten und Aktionären reagierten verhalten auf den Schritt, der in einer für Halbleiterunternehmen schwierigen Zeit erfolgt. So steht die Branche angesichts sich eintrübender Konjunkturperspektiven, der Flaute der Autoindustrie und des Zollstreits zwischen den USA und China unter Druck. Analysten hatten daher zwar den strategischen Sinn der Cypress-Übernahme durchaus gelobt, den Kaufpreis aber teils als sehr hoch bezeichnet.

Seit der Bekanntgabe des Deals haben die Papiere denn auch ihren Abwärtstrend fortgesetzt und mehr als 10 Prozent verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten notieren sie als einer der schwächsten Dax-Werte rund 42 Prozent im Minus. Ein Grund für das Minus seit der Übernahme ist die Ankündigung, rund 30 Prozent des Kaufpreises - also rund 2,7 Milliarden Euro - über Eigenkapital finanzieren zu wollen.

Damit will sich Infineon trotz des hohen Kaufpreises eine gute Bonitätsnote bei den Ratingagenturen sichern, um auch künftig billig an Fremdkapital zu kommen. Von den rund 2,7 Milliarden Euro hat sich Infineon durch die Ausgabe der neuen Aktien schon mal fast 60 Prozent des benötigten Eigenkapitals geholt. Weitere Möglichkeiten, um Eigenkapital zu generieren, sind zum Beispiel die Ausgabe von Pflichtwandelanleihen oder das Ansammeln von Gewinnen.

mg/dpa-afx

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