Montag, 24. Februar 2020

Chiphersteller mit Kurssprung Infineon profitabler als erwartet - Aktie steigt zweistellig

Ein Angestellter bei Infineon kontrolliert einen sogenannten Wafer

Kursrally trotz Umsatzrückgang: Der Chiphersteller Infineon hat die weiter angespannte Marktlage zum Start in das neue Geschäftsjahr zu spüren bekommen, erfreute die Anleger aber mit einer höheren Profitabilität. Umsatz und operatives Ergebnis waren im ersten Quartal (per Ende Dezember) im Vergleich zum Vorquartal wie erwartet deutlich rückläufig, wie der Dax -Konzern am Mittwoch in Neubiberg bei München mitteilte. Mit einer operativen Marge von 15,5 Prozent übertraf der Halbleiterspezialist aber sowohl die eigenen Erwartungen als auch jene der Analysten. Die Marge profitierte aber von einem Einmaleffekt. Ohne diesen hätte sie nur 13,6 Prozent betragen.

An der Börse kamen die Nachrichten sehr gut an. Die Aktie von Infineon Börsen-Chart zeigen lag am Mittag als Dax-Spitzenreiter rund 10 Prozent im Plus.

Konzernchef Reinhard Ploss sprach von schwierigen Bedingungen in einem saisonal bedingt typischerweise schwächeren Auftaktquartal. Das so genannte Segmentergebnis sei dank Einsparungen und Sondereffekten etwas besser ausgefallen als erwartet. Zudem sehe der Chiphersteller in einzelnen Bereichen wie dem Server-Geschäft Anzeichen der Besserung. Ungeachtet dessen räumte Ploss ein, dass mit einer breiten Erholung der Nachfrage nicht vor der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres zu rechnen sei.

Gute Kostenkontrolle bei rückläufigem Umsatz

Im Auftaktquartal sank das Segmentergebnis zum Vorquartal um 5 Prozent auf 297 Millionen Euro, der Umsatz ging um 7 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 210 Millionen Euro und damit 30 Prozent mehr als ein Quartal zuvor. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum waren alle Kennzahlen deutlich rückläufig.

Analysten bewerteten das Zahlenwerk des Chipherstellers differenziert. So lobte etwa Alexander Duval von der US-Investmentbank Goldman Sachs die gute Kostenkontrolle, verwies aber auch darauf, dass die Prognose für das zweite Quartal etwas schwächer als gedacht ausfalle. David Mulholland von der Schweizer Großbank UBS befand, dass die Erwartungen für das erste Quartal relativ gedämpft gewesen seien, nun aber erfüllt wurden. Er sieht Infineon auf Kurs.

ATV und PMM: Sparten für Autoindustrie und mobile Endgeräte schwächeln

Im ersten Quartal hatte Infineon sowohl im Geschäft mit Chips für die Autoindustrie (ATV) als auch in der PMM-Sparte, in der das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets gebündelt ist, mit klar rückläufigen Zahlen zu kämpfen. Vor allem die Automotive-Sparte ist für Infineon von großer Bedeutung, sie trägt den Löwenanteil zum Umsatz bei. Immer mehr Chips und Sensoren werden in Fahrzeugen verbaut. Doch die anhaltend maue Autokonjunktur und eine geringere Nachfrage bereitet auch dem Chiphersteller seit einiger Zeit Probleme. Ungeachtet dessen sei die Elektromobilität mittel- und langfristig ein bedeutender Wachstumstreiber für Infineon, sagte Ploss.

Während es im Geschäft mit Chips für die Industrie (IPC) ähnlich schwach wie in den anderen beiden Sparten lief, hielt sich der Erlösrückgang in der Sparte mit Chips für digitale Sicherheitslösungen (DSS) in überschaubaren Grenzen.

Übernahme von Wolfspeed gescheitert

Für das zweite Quartal geht Infineon von einem Umsatzplus von 5 Prozent (plus oder minus zwei Prozentpunkte) zum Vorquartal sowie einer Segmentergebnis-Marge von etwa 14 Prozent in der Mitte der Umsatzspanne aus. Voraussetzung dafür sei aber, dass der Ausbruch des Coronavirus keine signifikante negative Wirkung auf die Geschäftsentwicklung habe, hieß es. "Wir beobachten die Entwicklung des Coronavirus sehr genau", sagte Ploss. Bislang seien für Infineon keine Geschäftseinbußen zu sehen. Weitere Folgen und wirtschaftliche Entwicklungen seien aber schwer vorhersehbar. Der chinesische Markt ist für Infineon von großer Bedeutung.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Infineon. Demnach erwartet der Konzern weiter ein Umsatzplus von 3 bis 7 Prozent sowie eine Segmentergebnis-Marge von rund 16 Prozent.

Mit Blick auf die geplante Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor geht Infineon nun davon aus, dass der Vollzug etwas länger dauert. Er soll gegen Ende des laufenden zweiten oder Anfang des dritten Geschäftsquartals vermeldet werden. Bislang hatte der Konzern damit gerechnet, dass die noch fehlende Freigabe der Wettbewerbshüter Ende 2019 oder Anfang 2020 erfolgen sollte.

Die Gespräche mit den US- und chinesischen Behörden liefen gut und konstruktiv, betonte Ploss, der sich weiterhin zuversichtlich zeigte. "Wir kommen voran", sagte der Konzernlenker. Der längere Zeitraum der Gespräche treffe Infineon nicht unerwartet. Bereits im Herbst hatte die EU grünes Licht für den Zukauf in Höhe von 9 Milliarden Euro gegeben. In der Vergangenheit war die angepeilte Übernahme des US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed am Veto der Behörden gescheitert.

rei/dpa/Reuters

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