Mittwoch, 27. Mai 2020

Aktie mit Kurssprung Infineon erhält letzte Zusage - größte Übernahme der Firmengeschichte ist perfekt

Infineon ist am Ziel: Für rund neun Milliarden Euro darf der deutsche Halbleiterhersteller seinen US-Konkurrenten Cypress übernehmen

Der Chiphersteller Infineon hat endgültig grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor erhalten. Alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen lägen nun vor, teilte der Dax-Konzern am Dienstag in Neubiberg bei München mit. Der Abschluss des Deals soll in den kommenden fünf Geschäftstagen erfolgen, hieß es weiter. Mit einem Volumen von neun Milliarden Euro ist die Cypress-Übernahme die größte in der Unternehmensgeschichte der früheren Siemens-Tochter.

Die Infineon-Aktie Börsen-Chart zeigen lag am Mittag in einem ohnehin freundlichen Branchenumfeld rund 6,5 Prozent im Plus. Im laufenden Jahr haben die Papiere im Zuge der Marktturbulenzen allerdings rund ein Viertel an Wert verloren. Auf längere Sicht sieht es mit einem Zuwachs von rund einem Drittel in den vergangenen fünf Jahren besser aus.

Bereits im vergangenen Sommer hatte Infineon die Cypress-Übernahme angekündigt. Seitdem zog sich die Freigabe der Behörden aber hin. Was bislang noch fehlte, war die Zustimmung aus China. Die liegt jetzt vor und somit ist der letzte mögliche Stolperstein aus dem Weg geräumt. In Industriekreisen war ohnehin davon ausgegangen worden, dass die chinesischen Behörden den Deal nicht mehr auf den letzten Metern ausbremsen werden. In China macht Infineon einen bedeutenden Teil seines Umsatzes, der dortige Markt ist für den Konzern von großer Bedeutung. Die EU hatte bereits im Herbst zugestimmt.

Größte Hürde waren die US-Behörden

Die größte Hürde hatte Infineon dann im März übersprungen. Damals genehmigte die US-Behörde CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) nach einer monatelangen Hängepartie die Transaktion. Entgegen anders lautender Marktgerüchte sahen die US-Amerikaner keine ungelösten nationalen Sicherheitsbedenken im Hinblick auf den Zusammenschluss. Zuvor stand im Raum, dass der Cypress-Zukauf in den Vereinigten Staaten auf Widerstand stößt und US-Präsident Donald Trump die Übernahme untersagen könnte.

Unternehmenschef Reinhard Ploss will mit den Kaliforniern an Bord unter die Top Ten der Halbleiterhersteller weltweit aufsteigen, bei Chips für die Autoindustrie sieht der Manager Infineon künftig sogar als Nummer eins. Von der Übernahme verspricht sich der Konzern zudem einen deutlich größeren Fußabdruck in den USA und will perspektivisch wieder zum hohen Wachstum der Vergangenheit zurückkehren.

Auch Infineon musste Prognose streichen

Derzeit sind die Neubiberger aber wie die gesamte Branche erheblich von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie betroffen. Erst Ende März hatte Infineon seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr aufgrund der hohen Unsicherheiten in der Corona-Krise zurückgezogen. Bereits vor Ausbruch der Pandemie hatte der Konzern die anhaltende Schwäche der Automärkte zu spüren bekommen. Ploss hatte unabhängig davon aber immer wieder betont, dass die langfristigen Wachstumstreiber wie Elektromobilität, Internet der Dinge oder Erneuerbare Energien intakt blieben.

Mit Cypress Semiconductor kommt nun ein zentraler Baustein hinzu, mit dem Infineon die Weiterentwicklung des Unternehmens vorantreiben und sein Portfolio erweitern kann. Infineon setzt unter anderem große Hoffnungen auf die "Connectivity"-Komponenten von Cypress - elektronische Bauteile für vernetzte Geräte und Maschinen, die untereinander kommunizieren.

Überall auf Begeisterung gestoßen waren die Übernahmepläne indes nicht. So hatten sich einige Aktionäre bis zuletzt skeptisch gezeigt und unter anderem den hohen Preis kritisiert.

mg/dpa-afx

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