Deutsche Firmen rüsten auf Industrie 4.0 - Digitalisierung ja, aber richtig

Automatisierung ohne Ende: Kühe werden inzwischen schon von Robotern gemolken

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Ein Koffer, das war mal ein Behältnis, in dem man auf Reisen sein Hab und Gut verstaute, um es dann mühsam von A nach B zu schleppen. Das ist lange her. Heutzutage ist ein Koffer ein hochtechnologisches Gerät, mit Internetanschluss, GPS-Tracking-Möglichkeit, Entfernungsalarm (falls sich das gute Stück mal "selbstständig macht"), Ladestation für das Smartphone und vielem mehr. Jedenfalls wenn man sich für ein Produkt aus der Kategorie "Smart Luggage" entscheidet.

Das Beispiel steht sinnbildlich für die fortschreitende Digitalisierung der Welt, der sich auch Unternehmen nicht verschließen können. Und das gilt längst nicht nur für die Produktentwicklung, in der der Fantasie und dem Erfindungsreichtum aufgrund der sich immer weiter entwickelnden technischen Möglichkeiten offensichtlich kaum mehr Grenzen gesetzt sind.

Sei es im Kundenservice samt Social-Media-Aktivitäten, sei es in der Optimierung interner Prozesse, sei es bei den Schnittstellen zu Geschäftspartnern oder Lieferanten, sei es bei der Vertriebssteuerung - das Schlagwort Industrie 4.0 ist in aller Munde. Kaum eine Firma kommt heute noch um das Thema Digitalisierung herum.

Unternehmen gehen den Wandel bereitwillig an

Im Gegenteil: Viele auch kleine und mittelständische Unternehmen gehen die Integration technischer Möglichkeiten inzwischen bereitwillig an. Denn in der Regel sind damit auch in irgendeiner Weise Effizienzverbesserungen verbunden, was sich am Ende wiederum positiv in den Geschäftszahlen niederschlägt. Außerdem droht Unternehmen, die sich dem Fortschritt verschließen, ein empfindlicher Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

Das wissen selbstverständlich auch die Firmenchefs: Gut 50 Prozent der Mittelständler in Deutschland sieht Veränderungs- und Modernisierungsbedarf in ihrer Branche, wie eine repräsentative Befragung mittelständischer Unternehmen ergab. 4 von 10 Unternehmern haben bereits disruptive Veränderungen in ihrer Branche durch neue Wettbewerber erlebt.

Ansatzpunkte für den Einsatz der modernen Technik gibt es dabei viele - und zum Teil an Orten, wo man sie nicht unmittelbar vermuten würde. Selbst in der Milchwirtschaft beispielsweise kommen inzwischen automatisierte Melksysteme - vulgo: Melkroboter - zum Einsatz, die mit Ultraschall, Lasertechnik und optischen Sensoren die Milch aus den Kühen holen. Manuelle Eingriffe sind dabei inzwischen überhaupt nicht mehr nötig.

Ein anderes Beispiel aus der Praxis: Das italienische Unternehmen Digicopy fungierte lange als Hersteller von Druckvorlagen an der Schnittstelle zwischen beispielsweise Verlagen und Druckereien. Dank moderner Technik wandern die Aufträge aber heute vom Kunden direkt zur Druckerei - Repro-Firmen wie Digicopy hat das einen Großteil ihrer Geschäftsgrundlage entzogen. Dass Digicopy heute noch gut im Geschäft ist, hat mit einem erfolgreichen digitalen Wandel zu tun.

Clevere Italiener, effiziente Müllabfuhr, frustrierte Telekom-Kunden

Die Italiener waren flexibel: Sie bieten nun mit 3-D-Druckern den Aufbau plastischer Modelle aus digitalen Vorlagen an. Kunden sind beispielsweise Architekten, die ihre Gebäude- oder Landschaftspläne auf diese Weise aus dem Rechner in die Realität holen können. So hat Digicopy mit moderner Technik ein neues Geschäftsfeld aufgebaut und sich seine Zukunft gesichert.

Oder die Firma HLS Entsorgungslogistik in Passau. Das Unternehmen hat sich eines sehr speziellen Problems angenommen, und zwar in einer Branche, die nicht zu denen gehört, die einem als erstes in den Sinn kommen, wenn es um Digitalisierung geht: Die Rede ist von der Müllabfuhr.

HLS hat erkannt, dass bei Müllentsorgungsbetrieben viel Zeit und Geld verloren geht, weil neue Fahrer oft lange brauchen, um sich in ihre Touren und deren Eigenheiten einzufinden. Die Lösung: Eine spezielle Plattform von HLS, mit der sich die Touren optimal planen lassen, und die den Fahrern auch alle notwendigen Zusatzinfos liefert (wie zum Beispiel: Wo genau stehen die Mülltonnen? Auf welche Weise müssen bestimmte Adressen angefahren werden?).

All dies sind Beispiele, die Schule machen. "Gerade im vergangenen Jahr hat der Mittelstand zu einem großen Sprung nach vorne angesetzt, was die Akzeptanz der digitalen Transformation betrifft", sagte kürzlich Mario Ohoven, Präsident des Mittelstandsverbandes BVMW, der Zeitschrift Acquisa. Immerhin hätten bereits vier von fünf Klein- und Mittelbetrieben erste Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Und rund 80 Prozent der Unternehmen seien bereit, in diesem Jahr noch stärker in die Digitalisierung zu investieren, so Ohoven.

Einige schießen über das Ziel hinaus

Allerdings gibt es auch Beispiele dafür, dass die Digitalisierung - bei aller Euphorie - Risiken für Firmen bergen kann, wenn sie falsch betrieben wird. Besonders gut lässt sich das etwa bei verschiedenen Telekom-Anbietern beobachtet, die naturgemäß regelmäßig einer vergleichsweise großen Anzahl an Kunden gerecht werden müssen.

Sprachcomputer am Telefon, Avatare im Internet, vielstufige FAQs auf der Website und vieles mehr - diese Firmen haben ihren Kundenservice inzwischen häufig so stark aufgerüstet, dass sie damit über das Ziel hinausschießen. Der Kunde sitzt dann mitunter minutenlang vor dem Computer, auf der Suche nach der Antwort auf eine einfache Frage - und bleibt am Ende doch erfolglos. Und wenn er versucht, mit dem Unternehmen persönlich Kontakt aufzunehmen, geht der Frust oft erst richtig los - der modernen Call-Center-Kommunikationstechnologie sei Dank.

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Das Beispiel zeigt: Auch beim Thema Digitalisierung gilt nicht einfach: Je mehr, desto besser. Wichtig sind vielmehr das richtige Augenmaß und vor allem Fachleute, die die Digitalisierungsprozesse in die Hand nehmen.

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