Montag, 19. August 2019

Tech-Firmen entern Immobilien-Branche Makler gegen Start-ups - der digitale Häuserkampf

Heiß umkämpft: Die Digitalisierung schreitet auch am Immobilienmarkt voran - mit Gewinnern und Verlierern

4. Teil: Der Gegenschlag der Makler gegen Immobilienscout24

Laut Jensch gibt es bereits eine Reihe von technologischen Lösungen, mit denen die Makler ihre Arbeit verbessern und effizienter machen können, und zwar beispielsweise sowohl in der Prozessoptimierung als auch in der Objektvermarktung. Ein "Enabler"-Segment, auf das mittlerweile auch die Samwers mit ihrem Investment in Goodlord, einem Technologie-Anbieter für Wohnungsgesellschaften, setzen.

Andere Beispiele für dieses Segment sind laut IVD-Geschäftsführerin die Software "Ogulo", die es ermöglicht, Fotos von noch bewohnten Wohnungen zu retuschieren und damit zu optimieren. Wer möchte schließlich einem potenziellen Nachmieter eine unaufgeräumte Garderobe oder herumliegende Spielsachen präsentieren?

Ebenso hilfreich, so Jensch: "Casavi". Das Tech-Unternehmen mit Sitz in München ermögliche es Immobilienmaklern und -verwaltern, ihren Kundenservice online zu verbessern, etwa, indem Mietern eigene Accounts eingerichtet werden, über die sie in wichtige Unterlagen einsehen sowie in Foren miteinander kommunizieren können.

Objekte sollen zuerst auf IVD-Plattform erscheinen

Auch Matching-Plattformen, die die Auswahl von Mietern durch Vorsortierung anhand bestimmter Parameter erleichtern sollen, findet die Verbandschefin gut. "Das funktioniert und nimmt den Maklern Arbeit ab", sagt Jensch.

Seinen größten Coup in Sachen Digitalisierung plant der IVD allerdings unter eigenem Namen: Mit IVD24 hat der Verband seine eigene Immobilienplattform gestartet, in direkter Konkurrenz zu Platzhirschen wie vor allem Immobilienscout24.

Alle Verbandsmitglieder sollen ihre Objekte einpflegen, und zwar - so der besondere Kniff - sieben Tage, bevor sie sie auf anderen Kanälen offerieren. So will der IVD bis zum Jahresende bis zu 100.000 Offerten auf die Plattform bekommen - und die Marktmacht der etablierten Player über kurz oder lang brechen.

Denn diese Marktmacht wurde den Immobilienmaklern in letzter Zeit mehr und mehr ein Dorn im Auge. Beobachtern zufolge drehte vor allem Branchenprimus Immoscout24 allzu sehr an der Preisschraube - bis es den Maklern zu bunt wurde, und sie mit IVD24 zum Gegenschlag ausholten. Man darf gespannt sein, wie dieser Teil des digitalen Häuserkampfes zwischen Maklern und Tech-Firmen ausgehen wird.

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