Dienstag, 25. Juni 2019

Tech-Firmen entern Immobilien-Branche Makler gegen Start-ups - der digitale Häuserkampf

Heiß umkämpft: Die Digitalisierung schreitet auch am Immobilienmarkt voran - mit Gewinnern und Verlierern

3. Teil: Digitalisierung - Chance für die Großen, Gefahr für die Kleinen

Auch eine Studie, die Catella bereits vor einigen Monaten zum Thema Proptech erstellt hat, kommt zu keinem erfreulichen Ergebnis für die junge Branche. Zwar seien beispielsweise 2015 weltweit immerhin 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) in Proptech-Firmen investiert worden. Fast die Hälfte des Kuchens entfällt aber auf die USA, gefolgt von China mit etwa einem Viertel.

Lediglich 4 Prozent der globalen Proptech-Investitionen dagegen finden in Europa statt, so Catella. Und davon wiederum der weitaus größte Teil in Großbritannien, also vor allem in London.

Proptech befinde sich in Europa noch weitgehend in der Experimentierphase, so das Fazit von Catella. In manchen Ländern sei es noch gar nicht angekommen. Nichtsdestotrotz sollte man sich innerhalb der Immobilienbranche allerdings intensiver mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, so die Experten.

Makler in Zugzwang

Ähnlich sieht es Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter beim Verband ZIA und Deutschland-Geschäftsführer beim Immobilien-Entwickler OVG. "Für größere, etablierte Maklerhäuser stellt die Digitalisierung eine Riesenchance dar", sagt er. "Sie können damit beispielsweise ihre Abläufe verbessern und ihre Vermarktung optimieren." Für zahllose Einzelkämpfer dagegen, die es in der Immobilienmaklerszene landauf landab nach wie vor gibt, könnten die neuen Technologien aber auch eine Bedrohung darstellen, meint Rodeck. Denn sie hätten oftmals ein geringeres Angebot und daher weniger Einsatzmöglichkeiten für digitale Lösungen.

Die Weckrufe werden in der Branche durchaus ernst genommen. Jedenfalls beim Immobilienverband IVD, der etwa 4500 deutsche Immobilienmakler vertritt und damit Sprachrohr für den größten Teil dieses Berufszweigs ist. Zwar sehen die Makler derzeit keine ernsthafte Bedrohung im aktuellen Proptech-Boom. Sie wissen jedoch: Dem Vormarsch neuer Technologien sollte niemand lediglich vom Spielfeldrand zuschauen.

"Unsere Branche ist wie alle anderen auch von der Digitalisierung betroffen", sagt IVD-Bundesgeschäftsführerin Sun Jensch im Gespräch mit manager magazin online. "Wir wissen, dass es in vielen Bereichen noch viel Luft nach oben gibt, und tun als Verband viel dafür, dass sich das ändert."

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