Dienstag, 25. Juni 2019

Tech-Firmen entern Immobilien-Branche Makler gegen Start-ups - der digitale Häuserkampf

Heiß umkämpft: Die Digitalisierung schreitet auch am Immobilienmarkt voran - mit Gewinnern und Verlierern

2. Teil: Proptech-Boom kommt bereits ins Stocken

Dank neuer Technologie, so die Botschaft, wollten diese Firmen das Maklergeschäft nicht nur moderner, sondern auch effizienter und damit günstiger betreiben. Dadurch bekam gleichzeitig eine Entwicklung zusätzlichen Schub, die in Branchenkreisen bereits seit Längerem unter dem Stichwort Proptech bekannt ist. Das Kurzwort setzt sich zusammen aus Property, also Immobilie, und Technology.

Gemeint sind Firmen, die per Digitalisierung und neuer Technik die verschiedensten Bereiche der Immobilienwirtschaft umkrempeln wollen, so, wie es die "Fintechs" am Geld- und Finanzmarkt vorhaben.

Crowdfunding, Vermarktung, Prozessoptimierung, Objektbewertung, Mietersuche - der Immobilienverband ZIA zählt in Deutschland inzwischen weit mehr als 100 solcher Proptech-Firmen, die auf den unterschiedlichsten Gebieten des Immobiliengeschäftes tätig sind. Von Mellins Moovin über McMakler bis hin zu faceyourbase. Auch Deutschlands größtes Immobilienportal Immobilienscout24 ist, wenn man so will, ein Proptech-Unternehmen der ersten Stunde.

Newcomer holen sich blutige Nase

Doch inzwischen wird immer klarer: Während laufend neue Namen hinzukommen, verschwinden mittlerweile ebenso regelmäßig auch Proptech-Start-ups wieder von der Bildfläche. Besonders aufmerksam beobachtet wurde beispielsweise, als Anfang 2016 das Start-up Vendomo seinen Rückhalt verlor. Denn die Herren, die den Daumen über dem jungen Unternehmen senkten, waren keine geringeren als die Brüder Samwer von Deutschlands prominentester Web-Firmenschmiede Rocket Internet.

Das Beispiel passt gut: Vendomo war genau eine der Plattformen, die nach Einführung des Bestellerprinzips zum Angriff auf die Maklerzunft angesetzt wurden. Dutzende vergleichbare Neugründungen habe es seit Mitte 2015 gegeben, sagen Beobachter. Mindestens die Hälfte davon sei heute schon wieder verschwunden. Und wer noch übrig ist, habe oftmals zunächst den Mund zu voll genommen und inzwischen sein Geschäftskonzept der Wirklichkeit anpassen müssen.

Eine Entwicklung, die Fachleuten zufolge noch nicht beendet ist. "Bei den Online-Vermarktungsplattformen rechne ich mit einer dramatischen Marktbereinigung in den kommenden Quartalen", sagt etwa Thomas Beyerle vom Immobiliendienstleister Catella. "Ein Grund ist die Übermacht bestehender Player wie Immobilienscout oder Immonet. Ein anderer die Enge des Marktes, an dem es einfach zu wenig Objekte für so viele Marktteilnehmer gibt."

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