Im Schatten von Corona Deutschland bekommt ein neues Kohlekraftwerk

Die Corona-Pandemie beherrscht unsere Nachrichten. Zugleich fallen in der Wirtschaft wichtige Entscheidungen, die wenig oder nichts mit Covid-19 zu tun haben. Damit Sie nichts verpassen, was Sie wissen müssen, sammeln wir diese hier.
Uniper-Kraftwerk Datteln 4 (im Hochlaufbetrieb im Januar)

Uniper-Kraftwerk Datteln 4 (im Hochlaufbetrieb im Januar)

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Für Samstag (30. Mai) hat der Energiekonzern Uniper die kommerzielle Inbetriebnahme seines Kraftwerks Datteln 4 im Ruhrgebiet angekündigt. Es ist ein symbolträchtiger Schritt: Erstmals seit fünf Jahren geht in Deutschland ein neues Kohlekraftwerk ans Netz - und das nach dem zu Jahresbeginn besiegelten Kohleausstieg.

Neben den Irrungen und Wirrungen der Klimaschutzdebatte steht der Bau auch für Deutschlands Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Großprojekten. Unipers früherer Mutterkonzern Eon hatte den Grundstein schon 2007 gelegt, die Eröffnung war für 2011 geplant. Gerichtsurteile, Genehmigungsprobleme und teure Baumängel kamen dazwischen. Großkunden wie die Deutsche Bahn wollten die vertraglich vereinbarte Stromlieferung aus Datteln schon nicht mehr - nun kommt sie aber doch.

Volkswagen-Abgassteuerung "objektiv sittenwidrig"

In den USA zurückgekaufte Diesel-Volkswagen (Bild von 2018)

In den USA zurückgekaufte Diesel-Volkswagen (Bild von 2018)

Foto: Lucy Nicholson/ REUTERS

Kaum hat Volkswagen ein großes juristisches Problem abgehakt, kommt ein Rückschlag bei einem noch größeren juristischen Problem. Der Bundesgerichtshof stellte am Montag (25. Mai) klar, dass Käufer der Autos mit der im Diesel-Skandal berühmt gewordenen Schummel-Software grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz haben. Das Verhalten des Konzerns sei "objektiv als sittenwidrig zu qualifizieren". Erst Ende April hatte Volkswagen sich mit mehr als 200.000 Klägern in einem Sammelprozess auf einen Vergleich geeinigt und daher gehofft, sich hierzulande deutlich günstiger aus der Affäre zu ziehen als in den USA.

Volkswagen-Führung bleibt straffrei

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Vorstandschef Herbert Diess

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Vorstandschef Herbert Diess

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der Diesel-Skandal ist vorbei! Nicht ganz natürlich, der Imageschaden und die Folgen für die deutsche Autoindustrie werden bleiben. Aber schon vor Corona war das bald fünf Jahre alte Drama um den Abgasbetrug in den Hintergrund gerückt. Und aus Sicht der Volkswagen-Führung kann wirklich ein Haken gesetzt werden: Wie das manager magazin am Dienstag (19. Mai) meldete, werden die Verfahren wegen Marktmanipulation gegen Vorstandschef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eingestellt. Die Geldauflage von zusammen neun Millionen Euro werden sie verschmerzen können.

Keine Freizügigkeit bei den Briten, kommt auch nicht wieder

Britischer Premierminister Boris Johnson

Britischer Premierminister Boris Johnson

Foto: FRANK AUGSTEIN / AFP

Freizügigkeit? Davon kann in Corona-Zeiten sowieso keine Rede sein. Der Beschluss des britischen Parlaments vom Montag (18. Mai) weist aber weit darüber hinaus. Demnach endet die grundsätzliche Bewegungsfreiheit von EU-Bürgern im Vereinigten Königreich mit dem vereinbarten Austritt zum Jahreswechsel 2020/2021. Bis dahin wäre eigentlich noch Zeit, einen geregelten Brexit zu vereinbaren. Doch im Schatten von Corona verhaken sich die Unterhändler aus London und Brüssel. Es mehren sich die Zeiten, dass die britische Regierung die Gelegenheit für einen harten Brexit sieht, weil die wirtschaftlichen Folgen gar nicht mehr groß auffallen.

Durchbruch beim Superakku?

Tesla-Gigafactory in Nevada

Tesla-Gigafactory in Nevada

Foto: REUTERS

Tesla ist immer für aufsehenerregende Nachrichten gut. Bei all dem Lärm um Elon Musks Ignoranz gegenüber behördliche Corona-Anordnungen ging jedoch etwas unter, was den Nimbus des Elektroautopioniers stärken und sogar entscheidend für die Entwicklung der Technik sein könnte: Laut mehreren Berichten hat der US-Hersteller den Durchbruch bei einer neuen Generation von Batteriezellen geschafft. Leistungsfähiger, längere Lebensdauer, niedrigere Produktionskosten, Verzicht auf den schwierigen Rohstoff Kobalt - es gibt fast nur Vorteile. E-Autos könnten preislich mit Benzinern konkurrieren. Größter Nachteil: Die deutsche Konkurrenz hat so etwas nicht im Angebot.

Deutsche Werften fusionieren

Lürssen-Werft Blohm + Voss in Hamburg

Lürssen-Werft Blohm + Voss in Hamburg

Foto: Peter Neumann/Luerssen

Auch das hätte in normalen Zeiten die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse beherrscht: Die einstmals große deutsche Schiffbauindustrie vereint sich. Zumindest fusionieren die Rüstungssparten der Lürssen-Werft und der German Naval Yards, wie in der Nacht zum Donnerstag (14. Mai) bekannt wurde. Im Januar hatte ein Milliardenauftrag der Deutschen Marine zum Bau von Fregatten an die niederländische Damen-Werft ein Fanal gesendet: Der Bund steht als Auftragsgarant für die Arbeitsplätze im Norden nicht mehr unbedingt zur Verfügung. Thyssenkrupp als dritter großer Player in der Branche ist zunächst noch außen vor.

Richter gegen Richter: Karlsruhe attackiert Luxemburg

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg

Foto: Arne Immanuel Bänsch/ DPA

Die Europäische Zentralbank kann noch relativ gelassen zur Kenntnis nehmen, was das Bundesverfassungsgericht am Dienstag (5. Mai) über ihre Anleihekäufe in der vorigen Krise geurteilt hat: dass die Teilnahme der Bundesbank daran nämlich bis auf weitere Klärung verfassungswidrig sei. Zunächst scheint die Wirkung des historischen Urteils eher politischer und juristischer als wirtschaftlicher Natur zu sein.

Ein frontaler Angriff ist es auf die europäische Rechtsordnung und die Richterkollegen vom Europäischen Gerichtshof. Doch dies dürfte auch die Wirtschaft noch beschäftigen. Der Stresstest Corona hat ohnehin freigelegt, wie wenig Zusammenhalt hinter den europäischen Institutionen steht.

Wirecards Freibrief ist ein vernichtendes Urteil

Wirecard-Chef Markus Braun

Wirecard-Chef Markus Braun

Foto: DPA

"Spätestens" am Mittwoch (22. April) sollte der Sonderbericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG vorliegen, um Zweifel an den Bilanzen des Zahlungsdienstleisters Wirecard auszuräumen. Das war schon eine Verschiebung des ursprünglich im März geplanten Termins, unter Verweis auf Corona. Doch am Mittwochabend vertröstete der Dax-Konzern auf den kommenden Montag: Erst am 27. April würden die Ergebnisse gemeldet. Bisher sei "nichts Substanzielles" herausgekommen, was eine nachträgliche Korrektur der Geschäftsberichte für die Vorjahre nötig machen würde.

Und als der Bericht dann endlich erscheint, wird nach genauer Lektüre klar, dass die KPMG-Prüfer mitnichten einen Freibrief geschrieben haben.

Keine Dax-Konzernchefin mehr

SAP-Chef Christian Klein mit Noch-Kollegin Jennifer Morgan (Bild vom Januar)

SAP-Chef Christian Klein mit Noch-Kollegin Jennifer Morgan (Bild vom Januar)

Foto: Uwe Anspach / dpa

Jennifer Morgan war die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Künftig gibt es keine mehr, denn am Montagabend (20. April) setzte SAP  die 49-jährige Amerikanerin Jennifer Morgan nach einem halben Jahr als Co-Chefin vor die Tür. Ihr Kollege Christian Klein soll den wertvollsten deutschen Konzern alleine führen. In der Corona-Krise habe sich gezeigt, dass die in Walldorf tradierte Doppelspitze doch nicht das Richtige sei - so zumindest die offizielle Begründung des abrupten Wechsels.

Berliner Großflughafen bekommt Freigabe vom Tüv

Das BER-Gelände Ende März

Das BER-Gelände Ende März

Foto: Tino Schöning / dpa-Zentralbild / dpa

Der Berliner Großflughafen BER ist anderen Airports derzeit so ähnlich wie noch nie: Normaler Flugbetrieb findet ja nirgends statt. Am Montag (20. April) hat der BER aber einen Durchbruch erreicht, um wirklich so normal zu werden wie die anderen: Alle Sicherheitsanlagen im Terminal seien vom Tüv abgenommen, berichtete Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem Sonderausschuss des brandenburgischen Landtags. Damit stehe der baurechtlichen Freigabe für die Eröffnung nichts mehr im Weg. "Es gibt für die Inbetriebnahme am 31. Oktober 2020 keine Risiken."

Schon vor acht Jahren war die feierliche Eröffnung angesetzt, scheiterte aber am behördlichen Veto gegen die Brandschutzanlage. Seitdem ist der Flughafen zum Sinnbild des Scheiterns deutscher Großprojekte geworden.

Libra startet neuen Angriff auf das Geldsystem

Libra-Logo

Libra-Logo

Foto: Fabrice Coffrini / AFP

Die von Facebook  gegründete Libra Association wagt einen neuen Entwurf für ihre geplante Digitalwährung Libra. Am Donnerstag (16. April) gab die Stiftung ein zweites "White Paper" heraus, das in entscheidenden Punkten vom ursprünglichen Entwurf abweicht, und beantragte offiziell eine Lizenz der Schweizer Finanzaufsicht Finma. Statt einer einzigen universellen Währung, die an einen globalen Währungskorb gekoppelt wäre, soll es nun auch Libra-Einheiten geben, die an einzelne nationale Währungen gebunden sind, wie beispielsweise Libra-Euro.

Im vergangenen Jahr hatte das Projekt heftigen Gegenwind von Politik und Zentralbanken erfahren, die eine Destabilisierung des Finanzsystems fürchten. Der Großteil der Partner aus Finanzindustrie und Silicon Valley war im Herbst aus dem Konsortium ausgestiegen.

Staat kann leichter in Firmenübernahmen eingreifen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Es war ein großer Aufreger in der deutschen Wirtschaftspolitik des Jahres 2018: die antichinesische Mauer, mit der Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen zweiten "Fall Kuka" nach dem Verkauf des deutschen Roboterbauers nach China verhindern wollte. Seitdem wurde viel an der Industriepolitik herumgewerkelt, am Mittwoch (8. April) brachte Altmaier aber seinen Entwurf für ein neues Außenwirtschaftsgesetz durchs Kabinett.

Demnach kann der Staat Übernahmen durch ausländische Firmen in Branchen der "kritischen Infrastruktur" strenger prüfen und leichter verhindern. Während die Prüfung läuft, gelten die Deals demnach als "schwebend unwirksam".

Tesla-Werk Grünheide: Ameisen und Fledermäuse werden umgesiedelt

Die letzte Kiefer auf dem Baugelände der künftigen Tesla-Fabrik

Die letzte Kiefer auf dem Baugelände der künftigen Tesla-Fabrik

Foto: Patrick Pleul / dpa-Zentralbild / ZB

Tesla hat zwar aus Angst vor dem Coronavirus seine amerikanischen Angestellten aus Deutschland zurückbeordert - die Vorarbeiten für die geplante Fabrik im brandenburgischen Grünheide schreiten aber weit voran. Deutsche Naturschützer helfen kräftig mit. Am Dienstag (7. April) siedelten sie den letzten Ameisenhaufen vom Baugelände um, am selben Tag verließen Fledermäuse den letzten Baum auf dem schon wüstenähnlichen Grundstück, der nun auch gefällt werden kann.

Genehmigt ist der Bau noch lange nicht, Mitte März wurde wegen des Coronavirus eine öffentliche Anhörung der 361 Einwendungen abgesagt.

Größter Zukauf in der Geschichte von Infineon

Infineon-Logo auf einem Wafer im Showroom des Unternehmens

Infineon-Logo auf einem Wafer im Showroom des Unternehmens

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der Chipkonzern Infineon darf die größte Übernahme der Konzerngeschichte angehen. Der geplante Kauf des US-Chipherstellers Cypress für neun Milliarden Euro wurde nach den US-Behörden auch von den Chinesen gebilligt, teilte Infineon am Dienstag (7. April) mit. Der Deal werde in den kommenden Tagen abgeschlossen. Dadurch will der Dax-Konzern sich als weltgrößter Chipausrüster für die Autoindustrie etablieren.

Der heimliche E-Auto-Boom

Tesla in Berliner Showroom (Bild von November 2019)

Tesla in Berliner Showroom (Bild von November 2019)

Foto: Sören Stache / zb / dpa

Die Lage der Autoindustrie ist dramatisch, keine Frage. Um 37,7 Prozent ist die Zahl der Neuzulassungen im März 2020 gegenüber März 2019 geschrumpft, teilt das Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag (3. April) mit - immerhin nicht um mehr als 80 Prozent, wie in einigen anderen europäischen Ländern.

Nur als Fußnote läuft die Tatsache, dass der viel beschworene und nie materialisierte Boom der Elektroautos plötzlich doch da ist. Ihr Anteil an den Neuzulassungen stieg von mageren 2,5 auf 9,2 Prozent; noch keine norwegischen Verhältnisse, aber durchaus beachtlich - zumal die E-Mobile auch in absoluten Zahlen stark zulegten. Erstmals wurden mehr als 10.000 davon in einem Monat verkauft. Alleine das Tesla Model 3 kam auf 2034 Neuzulassungen, der e-Golf von Volkswagen auf 1524 (der Tesla-Herausforderer VW ID3 ist noch nicht auf dem Markt).

Deutsche Telekom auf dem Weg zur Nummer eins in Amerika

Telekom-Chef Tim Höttges (schon hoffnungsfroh auf der Bilanz-Pressekonferenz im Februar)

Telekom-Chef Tim Höttges (schon hoffnungsfroh auf der Bilanz-Pressekonferenz im Februar)

Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Deutsche Telekom hat ihr langersehntes Ziel erreicht: Die Fusion der Tochter T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint wurde am Mittwoch (1. April) nach der kartellrechtlichen Freigabe formell angemeldet. Telekom-Chef Tim Höttges spricht von einem "Deal fürs Lehrbuch". Die Sprint-Aktionäre bekommen aus Bonn Aktien im Wert von 31 Milliarden Dollar - die für den Plan, den deutschen Staatskonzern zur Nummer eins  in Amerika zu machen, nötigen Investitionen kommen noch obendrauf.

Mieter bekommen Rechtsanspruch auf Ladestationen

Piktogramm auf einem Parkplatz mit Ladesäule für Elektroautos

Piktogramm auf einem Parkplatz mit Ladesäule für Elektroautos

Foto: Jan Woitas / dpa

Dieses Gesetzesvorhaben könnte für Wohnungsvermieter Zusatzkosten bringen - oder gleich für die ganze Hausgemeinschaft: Am Montag (23. März) hat das Kabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen, laut dem Mieter und Wohnungseigentümer Rechtsanspruch auf den Einbau einer Elektroauto-Ladestation bekommen sollen.

Insgesamt sollen bauliche Maßnahmen einzelner, die im gesamtgesellschaftlichen Interesse liegen, künftig erleichtert werden, erklärte das Justizministerium. Damit soll auch der barrierefreie Umbau von Mietwohnungen, der individuelle Einbruchsschutz oder der Einbau von Glasfaseranschlüssen einfacher möglich sein. Der Bundestag muss dem Entwurf noch zustimmen.

Softbank plant Abverkauf im Ausmaß von bis zu 38 Milliarden Euro

Softbank-Chef Masayoshi Son

Softbank-Chef Masayoshi Son

Foto: Kazuhiro NOGI / AFP

Imperium im Ausverkauf: Der japanische Softbank-Konzern will sich von Beteiligungen im Wert von bis zu 38 Milliarden Euro trennen. Die Verkäufe noch nicht näher benannter Firmen sollen den Rückkauf eines Großteils der Aktien finanzieren, hieß es in der Ankündigung vom Montag (23. März). Konzernchef Masayoshi Son beugt sich anscheinend dem Druck des aktivistischen Investors Elliott, der mehr finanzielle Disziplin fordert. Bereits in der vergangenen Woche war laut mehreren Medienberichten bekannt geworden, dass Softbank Milliardeninvestitionen in die angeschlagene Tochter Wework abblase.

In den vergangenen Jahren hatte Son mit Softbank und dem angeschlossenen "Vision Fund" maßgeblich dafür gesorgt, die Bewertungen von Tech-Unternehmen in die Höhe zu treiben. manager magazin hatte das Wirken des "Herrn der Blasen" kritisch begleitet. Für Start-ups weltweit wird die Aussicht auf einen lukrativen Exit trüber - auch ohne Corona.

Volkswagen braucht neuen Kopf für Software-Offensive

Martin Hofmann

Martin Hofmann

Foto: Volkswagen

Die "Zeit für einen neuen Lebensabschnitt" könnte günstiger gewählt sein. Seinen Abgang inmitten der Corona-Krise zu verkünden, falle ihm nicht leicht, schrieb Volkswagens IT-Chef Martin Hofmann den Beschäftigten am Montag (23. März). Er wolle sich demnächst auf Persönliches und Privates konzentrieren. Nicht nur wegen Corona ist der Zeitpunkt kritisch: Volkswagen hat heftige Anlaufschwierigkeiten in seiner Elektro-Offensive.

Mit dem Massenmodell ID.3 sollte auch der Aufbau eines eigenständig entwickelten Betriebssystems starten, um die Zukunft der deutschen Autoindustrie unabhängig von den Silicon-Valley-Riesen zu gestalten. Nach Informationen von manager magazin erwägt auch Daimler, sich dem Volkswagen-Projekt anzuschließen - das läuft aber bisher überhaupt nicht rund, und jetzt wird auch noch ein neuer IT-Chef gebraucht.

Thyssenkrupp bekommt eine ordentliche Chefin

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Beim angeschlagenen Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp bleibt die Vorstandsvorsitzende Martina Merz länger als geplant im Amt. Die Managerin soll den Ruhr-Konzern mindestens die nächsten drei Jahre führen, wie Thyssenkrupp am Freitag (20. März) mitteilte. Merz (57) stand bislang nur vorübergehend an der Vorstandsspitze. Jetzt soll sie mit Wirkung zum 1. April 2020 für drei Jahre zur ordentlichen Vorstandschefin bestellt werden.

Merz war im vergangenen Oktober vom Aufsichtsrat für ein Jahr in den Vorstand entsandt worden und wollte wieder in das Kontrollgremium zurückkehren. Ihr Aufsichtsratsmandat wird sie nun niederlegen. Ein Porträt von Martina Merz finden Sie hier: Allein unter Memmen 

Joe Kaeser ordnet seinen Abgang

Siemens-Chef Joe Kaeser, Nachfolger Roland Busch

Siemens-Chef Joe Kaeser, Nachfolger Roland Busch

Foto: REUTERS/Andreas Gebert

Am Donnerstag (19. März) hatte auch Siemens im Schatten von Corona die Weichen für die künftige Führung gestellt: Der langjährige CEO Joe Kaeser bekommt einen geordneten Abgang, erst im kommenden Jahr soll ihn Roland Busch beerben. Zuvor schied die Spitze der vor dem Börsengang stehenden Tochter Siemens Energy im Streit mit Kaeser. Lesen Sie hier unsere Analyse: Wie es zum Beben an der Siemens-Spitze kam .

Das erste Cum-Ex-Strafurteil

Saal des Bonner Landgerichts

Saal des Bonner Landgerichts

Foto: Thilo Schmülgen / Reuters

Vom "größten Steuerraub der deutschen Geschichte" sprach Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker. Das Bonner Landgericht hat am Mittwoch (18. März) das bundesweit erste Urteil in einem Strafprozess um Cum-Ex-Aktiengeschäfte gesprochen. Die zwei angeklagten britischen Aktienhändler bekamen milde Strafen, weder Ankläger noch Richter sahen in ihnen die "Taktgeber".

Ernster ist das Urteil daher für etliche andere am Cum-Ex-Skandal beteiligte Banker, Berater und Wirtschaftsprüfer - und für die Banken selbst. In Bonn traf es vor allem die Hamburger Privatbank M.M. Warburg , die zur Erstattung von 176 Millionen Euro Steuern verdonnert wurde (und gleich in Revision ging). Maximale Fallhöhe vermittelte "Bloomberg": "Eine Privatbank, die die Nazis überlebte, könnte vom deutschen Steuerskandal gebrochen werden." Viele unabhängige Privatbanken gibt es ja nicht mehr.

Heidelberger Druckmaschinen wagt "Befreiungsschlag"

Produktion von Heideldruck in Wiesloch

Produktion von Heideldruck in Wiesloch

Foto: Uwe Anspach/dpa

Einen radikalen Umbau verkündete die Heidelberger Druckmaschinen AG am Mittwoch (18. März). Um die Kosten zu senken und die Profitabilität zu verbessern, will das Unternehmen unter anderem verlustbringende Produkte einstellen und bis zu 2000 Stellen weltweit abbauen. Heidelberger Druck wage den "Befreiungsschlag", sagte Vorstandsvorsitzender Rainer Hundsdörfer in einer Telefonkonferenz. Der Fokus soll künftig auf das Kerngeschäft Verpackungsdruck mit Schwerpunkt auf Digitalisierung liegen. Das kommende Geschäftsjahr werde ein "Übergangsjahr", in dem unter dem Strich nochmals ein Verlust anfallen könnte.

Continental schreibt auch ohne Corona Milliardenverlust

Baustelle der neuen Continental-Zentrale in Hannover

Baustelle der neuen Continental-Zentrale in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Vom schlechtesten Ergebnis seit zehn Jahren in einem "stark rückläufigen Marktumfeld" berichtete der Dax-Konzern Continental am Donnerstag (5. März). Doch halt, es ging gar nicht um Corona. Vielmehr entstand der Milliardenverlust im Jahr 2019, und das nun verschärfte Sparprogramm, dem bis zu 20.000 Jobs zum Opfer fallen könnten, war auch schon im Gang. Die tiefrote Bilanz erinnert daran, dass die deutsche Autoindustrie, besonders das traditionelle Geschäft der Zulieferer, ohnehin schon im Rückwärtsgang beschleunigte, als die Corona-Krise auch noch über sie kam.

Deutschlands Biotech-Konzern Nr.1 verkauft sich

Qiagen-Zentrale in Hilden

Qiagen-Zentrale in Hilden

Foto: DPA

Qiagen ist derzeit extrem gefragt. Das Biotech-Unternehmen aus dem rheinischen Hilden stellt millionenfach die Corona-Tests her, von denen der Kampf gegen die Pandemie und die künftige Rückkehr der Weltwirtschaft zur Normalität abhängen. Ein Übernahmekandidat war das Unternehmen jedoch schon lange, und zufällig näherte es sich zu Beginn der Corona-Krise mit dem langzeitigen Interessenten Thermo Fisher in den Preisvorstellungen an. Am Dienstag (3. März) wurde das Angebot zu einem Firmenwert von 10,4 Milliarden Euro öffentlich.

Im Vorjahr hatte Qiagen mehrfach seine Ziele verfehlt, schließlich warf Dauerchef Peer Schatz, der einst den Dax-Aufstieg fest eingeplant hatte, die Brocken hin. Sein Interims-Nachfolger Thierry Bernard wurde erst Mitte März fest berufen. Die Übernahme ist der Not geschuldet. Ironischerweise verschwindet die Not, während die Übernahme läuft.

Aus für das Erdgasauto

Zapfpistole an einer Tankstelle für Erdgasautos

Zapfpistole an einer Tankstelle für Erdgasautos

Foto: DPA

"Wenn wir die Mobilitätswende und die Umweltziele ernst nehmen, müssen wir uns auf den batterieelektrischen Antrieb konzentrieren" - das klingt nicht allzu kontrovers. Volkswagens Entwicklungsvorstand Frank Welsch bestätigte jedoch in einem "Handelsblatt"-Interview  vom Montag (2. März), dass der Konzern alle Alternativen konsequent fallen lässt. Sein Boss Herbert Diess hatte das vor Führungskräften bereits angekündigt.

Volkswagen will keine Energie mehr in die Entwicklung von Wasserstoffautos mit Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe stecken - diese Nischen bleiben Wettbewerbern überlassen. Der Beschluss bedeutet aber auch das Aus für Erdgasautos, wenn die aktuell auf den Markt kommende Generation ausläuft. Denn da hängt fast alles vom Volkswagen-Konzern ab, der die Technik bisher vorantrieb. Sie kommt dann weder als Übergangslösung infrage, um Arbeitsplätze an Verbrennungsmotoren zu sichern, noch als Plan B, falls der geplante Siegeszug der E-Autos doch nicht gelingt.

ak/cr/Nachrichtenagenturen
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