Dienstag, 2. Juni 2020

Iata-Studie zu Flugpreisen Airlines sehen Ticketpreisanstieg um mehr als 50 Prozent

Spärliches Passagieraufkommen: Fluggäste beim Einchecken am Wiener Flughafen Schwechat
lmut Fohringer/APA/dpa
Spärliches Passagieraufkommen: Fluggäste beim Einchecken am Wiener Flughafen Schwechat

Der Luftfahrtverband Iata warnt Konsumenten angesichts der Corona-Krise vor massiven Turbulenzen bei den Flugpreisen. Da viele Luftfahrtgesellschaften nach der Krise bemüht sein dürften, den Flugbetrieb schnell wieder hochzufahren, bei den Passagiere allerdings noch vielerorts Zurückhaltung herrschen dürfte, rechnet der Dachverband der internationalen Fluggesellschaften zunächst mit Überkapazitäten und damit einhergehend einer deutlichen Verbilligung von Flugtickets, wie die BBC am Mittwoch berichtete.

Sollten die Fluglinien verpflichtet werden, den Mittelsitz freizuhalten, dürfte sich die Entwicklung allerdings - wenn sich die Passagierzahlen wieder erholt haben - umkehren. Die Airlines sähen sich dann längerfristig zu massiven Preiserhöhungen gezwungen, so Iata. Eine Entwicklung, die der Verband allerdings frühestens 2021 erwartet. Iata warnte in diesem Zusammenhang vor Preiserhöhungen von "mindestens 50 Prozent".

Wie die BBC unter Berufung auf den Branchenverband weiter berichtet, könnten womöglich nur 4 von insgesamt 122 Airlines, die die Iata für ihre Untersuchung ausgewählt hatte, unter entsprechenden Auflagen wirtschaftlich auf Dauer überleben. Welche Fluggesellschaften für die Untersuchung ausgewählt worden waren, wurde allerdings nicht kommuniziert. Genau zu erfassen, wer unter den neuen Vorschriften profitabel operieren können werde, sei schwer. Aber: "Es wird eine sehr viel kleinere Industrie sein", so Iata-Chief-Economist Brian Pearce.

Debatte um freien Mittelsitz

Der Branchenverband, der in seiner Kommunikation die Interessen der Airlines vertritt, wehrt sich vehement gegen eine entsprechende Auflage, den Mittelsitz freizuhalten, da er dies für keine wirksame Schutzmaßnahme hält. Ein Vorgehen, das auch Ryanair-Chef Michael O'Leary kürzlich als "idiotisch" kritisiert hatte.

Die Iata plädiert stattdessen für eine Vielzahl anderer Maßnahmen zum Schutz der Passagiere. So schlägt der Dachverband neben einer Maskenpflicht und einem Fieber-Screening von Reisenden sowie Flug- und Flughafenpersonal neue, reduzierte Bewegungsvorschriften an Bord, ein interaktionsreduzierendes Catering, eine häufigere und intensivere Reinigung der Flugzeuge und einen kontaktärmeren Check-in- und Deboarding-Prozess vor. Auch Covid-19-Tests oder mögliche Immunitätsausweise könnten möglicherweise in das Prozedere einbezogen werden, heißt es.

Die Luftfahrtbranche kämpft in der Krise mit einem Einbruch der Passagierzahlen in bislang ungekanntem Ausmaß. So fiel der Umsatz pro Passagierkilometeralleine im März gegenüber dem Vorjahr laut Iata um 52,9 Prozent. Zum Vergleich: Nach den Anschlägen vom 11. September hatte der Rückgang "nur" 19 Prozent betragen. Das Passagiervolumen fiel im März saisonal angepasst auf Werte von 2006 zurück. Eine Entwicklung, angesichts derer eine Vielzahl von Airlines mittlerweile Tausende von Mitarbeitern entlassen haben und um ihr Überleben kämpfen.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung