Dienstag, 10. Dezember 2019

Von Infineon bis Deutsche Telekom Wie Amerikas Huawei-Bann die deutsche Wirtschaft trifft

Huawei und die Alternativen: Wer den Weltmarkt für mobile Netze aufteilt
AP

Nicht nur Google Börsen-Chart zeigen muss auf Geheiß des US-Präsidenten Geschäfte mit dem chinesischen Konzern Huawei einstellen. Bis zum deutschen Chiphersteller Infineon Börsen-Chart zeigen reicht das Dekret Donald Trumps, der den weltweit führenden Hersteller von Telekommunikationstechnik auf eine Schwarze Liste gesetzt hat.

Die Infineon-Aktie Börsen-Chart zeigen sackte am Montag zeitweise um bis zu 6 Prozent ab, nachdem der japanische Wirtschaftsdienst "Nikkei" von einem Lieferstopp zwischen Infineon und Huawei geschrieben hatte. Am Mittag stellte der Dax-Konzern klar: Ganz so dramatisch ist es nicht.

Lediglich Waren mit Ursprungsland USA fielen unter das Exportverbot, an das man sich selbstredend halte. "Aktuell unterliegt die überwiegende Mehrheit der Produkte, die Infineon an Huawei liefert, nicht den gesetzlichen Beschränkungen der US-Exportkontrolle", heißt es in dem Statement - also beispielsweise aus deutscher Produktion. "Somit werden diese Lieferungen fortgesetzt."

Infineon könnte demnach sogar zum Gewinner des Huawei-Banns werden: Als Lieferersatz für US-Chiphersteller, die nicht so schnell außerhalb der USA legal für den chinesischen Großkunden produzieren können. Der Fall erinnert an den Huawei-Wettbewerber ZTE, der vor einem Jahr noch härter von Trump attackiert wurde und fast in die Knie gegangen wäre - einige US-Lieferanten traf es jedoch ebenfalls empfindlich, und die Sanktionen wurden schnell wieder aufgehoben.

Huawei tönt selbstbewusst, man sei für alle Fälle gewappnet und daher immun gegen Druck aus Amerika. Unklar ist bislang, wie viel Substanz hinter solchen Aussagen steht.

Das bisherige Huawei-Geschäft von Infineon ist für sich genommen nicht allzu groß. Auf knapp hundert Millionen Dollar Jahresumsatz beziffert "Nikkei" das Volumen. Zum Vergleich: Infineon kam im vergangenen Geschäftsjahr auf gut sieben Milliarden Dollar, Huawei auf mehr als 100 Milliarden Dollar.


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Wirklich heikel ist Trumps Angriff auf Huawei jedoch für die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen. Der Bonner Konzern ist traditionell Großkunde von Huawei für die Ausrüstung des Mobilfunknetzes - und setzt, ebenso wie die Wettbewerber Vodafone Börsen-Chart zeigen und Telefónica Börsen-Chart zeigen, auch für das künftige 5G-Netz auf die als technisch führend geltenden Chinesen. Die kurz vor dem Ende stehende Auktion deutscher 5G-Frequenzen hat allein die Telekom schon rund zwei Milliarden Euro gekostet - da darf der Ausbau später nicht allzu teuer werden.

Laut manchen Telekommunikationsmanagern würde ein Verzicht auf Huawei das Netz der Zukunft um zwei Jahre zurückwerfen. "Im Moment gibt es keinen Grund, mit Huawei nicht zusammenzuarbeiten", erklärte Telekom-Chef Tim Höttges im Februar. Dass sich die deutsche, ebenso wie die meisten anderen europäischen Regierungen dem US-Druck auf Ausschluss Huaweis widersetzte, ist ein Erfolg für die Branche.

Inzwischen äußert sich die Telekom jedoch vorsichtiger. "Bereits heute verfolgen wir eine Multi-Vendor-Strategie für die verwendeten Netzwerkelemente, setzen also auf mehrere Hersteller", erklärt ein Konzernsprecher. Er nennt Ericsson Börsen-Chart zeigen, Nokia Börsen-Chart zeigen, Cisco Börsen-Chart zeigen und Huawei - in dieser Reihenfolge. Außerdem "bewerten wir derzeit unsere Beschaffungsstrategie neu". Wenn die Geschäftsbeziehung mit Huawei in Washington unhaltbar würde, könnte der Weltmarktführer aus China plötzlich doch nicht mehr unverzichtbar sein.

Die Telekom verweist darauf, dass ihre wichtigste Tochter T-Mobile US ohnehin keine Technik aus China einsetze und dies auch nicht plane. Die Fusion mit dem Wettbewerber Sprint ist das zentrale Vorhaben für den wichtigsten Gewinnbringer des deutschen Konzerns.

An diesem Montag erklärte die Washingtoner Aufsichtsbehörde FCC nach etlichen Zugeständnissen, sie habe keine Einwände mehr gegen den Deal. Laut früheren Medienberichten hatten die USA unter anderem einen "freiwilligen" Verzicht der Telekom auf Huawei-Technik gefordert, um den politischen Widerstand zu brechen.

Am Montag war davon zunächst keine Rede. Die USA nutzten die Verhandlungen jedoch, um Zusagen für einen besseren Ausbau ihres eigenen 5G-Netzes - vor allem im unprofitabel zu erschließenden ländlichen Raum - herauszuhandeln.

Das deutsche und europäische 5G-Netz hingegen dürfte leiden, wenn die eigentlich eingeplante Huawei-Technik nicht zum Einsatz kommen kann.

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte am Montag, man prüfe derzeit die Auswirkungen des amerikanischen Huawei-Banns für deutsche Firmen. "Bisher sehe ich noch keine Notwendigkeit, da jetzt etwas zu unternehmen", erklärte eine Sprecherin. "Klar ist, dass wir generell sagen, dass wir exterritoriale Wirkungen von nationalen Gesetzen ablehnen." Ein US-Verbot für Handel mit einer chinesischen Firma solle also auf das Gebiet der USA beschränkt bleiben, und nicht deutsche Firmen in Deutschland treffen.

Diese Haltung hatte das Ministerium auch schon im Fall der US-Sanktionen gegen Iran und Kuba vertreten, die von den europäischen Staaten abgelehnt werden. Die Europäer haben Wege ersonnen, um ihren Unternehmen die von den USA verbotenen Geschäfte doch noch zu ermöglichen. In diesem Fall blieb die Wirkung jedoch schwach: Die Drohungen der USA wiegen für die Konzerne mehr.

mit Material von reuters

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