Mit dem Rücken zur Wand Huawei-Gründer keilt gegen Trump - und macht sich lustig

In einem seiner sehr seltenen Interviews gibt sich Huawei-Gründer Ren Zhengfei kämpferisch. Die US-Sanktionen könnten Huaweis Vorsprung schaden, räumt der Milliardär ein. Doch der Konzern wisse sich zu wehren. Huawei und seine Technik würden trotz Trumps Attacken überleben, sagt Ren selbstbewusst. Er greift Trump frontal an, macht sich gar lustig über den US-Präsidenten. Das zeigt auch, wie ernst die Lage für Huawei ist.
Ren Zhengfei im Bloomberg-Interview

Ren Zhengfei im Bloomberg-Interview

Foto: Screenshot TV Bloomberg

In einem Interview mit TV Bloomberg  hat Huawei-Chef Ren Zhengfei (74) eingeräumt, dass die von US-Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen den chinesischen Technologiekonzern empfindlich treffen würden. Der weltweit größte Netzwerk-Ausrüster und zweitgrößte Handyhersteller sieht sich gegenüber den unmittelbaren Wettbewerbern Ericsson oder Nokia gut zwei Jahre im Vorsprung. Dieser könne jetzt zusammenschmelzen, räumt Zhengfein im Interview ein.

Das Unternehmen werde jedoch versuchen, seinen Vorsprung bei Smartphones und dem schnellen Übertragungsstandard 5G zu halten - durch den verstärkten Ausbau einer eigenen Chipversorgung und Entwicklung einer eigenen Betriebssoftware.

Nachdem die USA am 17. Mai Huawei auf die schwarze Liste gesetzt haben, ist es US-Unternehmen verboten, Geschäfte mit dem chinesischen Technologiekonzern zu tätigen. Doch auch andere Unternehmen wie Infineon kündigten an, die Zusammenarbeit zurückzufahren oder vorerst ganz einzustellen.

"Ich habe die Technologie von morgen gestohlen. Die USA haben sie aber nicht"

Die USA verdächtigen Huawei der Spionage für China. Beweise dafür lieferte die US-Regierung bislang nicht. Zugleich drängen die USA andere Länder, Huawei von den Netzen für den künftigen superschnellen Mobilfunk-Standard fernzuhalten. In dem Interview weist Ren diese Vorwürfe zurück.

Auch den nicht belegten Verdacht des Technologie-Diebstahls kontert der Firmengründer angriffslustig: "Ich habe die Technologie von morgen gestohlen. Die USA habe diese Technologien gar nicht. Wenn wir zurücklägen, hätte Trump keinen Grund, uns so heftig zu attackieren."

Angesichts der US-Sanktionen gegen den chinesischen Rivalen ZTE scheint sich Huawei bereits seit Mitte 2018 auf gleichartige Angriffe vorzubereiten und soll Chips und andere wichtige Komponenten gebunkert haben, so dass der Geschäftsbetrieb bis zum Herbst zumindestens gesichert ist, schreibt Bloomberg.

Tatsächlich aber dürften die Auswirkungen des Embargos im Detail noch gar nicht einzuschätzen und zu überblicken sein. Manche Experten befürchten, das Verbot könnte die weltweite Einführung von 5G empfindlich verzögern und damit auch einen Standard untergraben, der als Voraussetzung etwa für das autonome Fahren und Roboterautos gilt.

Besonders hart dürfte Huawei wohl treffen, dass der britische Chiphersteller ARM jedwede Zusammenarbeit eingestellt hat. Die Chip-Architekturen von ARM bilden die Basis der Prozessoren in nahezu allen heutigen Smartphones und Tablets - auch bei Huaweis Chips aus eigener Entwicklung.

"Ich finde Trumps Tweets lächerlich"

Ren (74), Gründer des mittlerweile 100-Milliarden-Dollar-Imperiums, hatte bis zur Festnahme seiner ältesten Tochter und Huawei-Finanzchefin, die in Kanada gegen ihre Auslieferung kämpft, die Öffentlichkeit und auch jede direkte Konfrontation mit Donald Trump gemieden. Jetzt kämpft er um sein Lebenswerk und greift in dem Interview  - einen Moment die übliche Zurückhaltung verlierend - den US-Präsidenten frontal an.

Er halte es für einen "großen Witz", wenn Huawei womöglich Teil eines Handelsabkommens zwischen den USA und China sein soll, wie Trump vergangenen Woche Spekulationen befeuerte. "Ich werde ihn ignorieren, mit wem soll er dann verhandeln?", witzelt Ren um dann nachzusetzen:

"Ich finde Trumps Tweets lächerlich"

"Ich sehe seine Tweets und finde sie lächerlich, weil sie sich widersprechen", sagt Ren weiter. Er könne nicht nachvollziehen, wie Trump zu dem Ruf eines erfolgreichen Deal-Makers habe kommen können. Vor Monaten hatte Ren Trump noch als "großartigen US-Präsidenten" bezeichnet.

Umgekehrt weist der Firmen-Patriarch Spekulationen zurück, China werde sich revanchieren und umgekehrt womöglich einige der größten US-amerikanischen Unternehmen wie zum Beispiel Apple von seinen eigenen Märkte verbannen. "Das wird erstens nicht passieren. Und wenn doch, dann bin ich der Erste, der protestiert ", sagt Ren im Interview  weiter. "Apple ist mein Lehrer, er hat die Nase vorn. Warum sollte ich als Schüler gegen meinen Lehrer angehen? Niemals."

Auf seinen "Lehrer" Apple lässt der Huawei-Gründer nichts kommen

Goldman Sachs schätzt, dass Apple, das fast alle seine Smartphones in China fertigen lässt, bis zu einem Drittel seines Gewinns verlieren könnte, sperrte Peking den chinesischen Markt für Apple-Produkte.

Ren, der über viele Jahre öffentliche Auftritte mied, habe das letzte Mal im Januar 2015 mit ausländischen Medien gesprochen. Bloomberg wertet daher die Rückkehr des Firmen-Gründers auf der medialen Bühne auch als Beleg für die Tiefe der Angriffe auf Huawei und damit auf Chinas wachsende technologische Macht und Überlegenheit in einigen Bereichen.

Der Milliardär gilt als Ikone in der chinesischen Geschäftswelt und als zentrale Stimme in dem chinesisch-US-amerikanischen Konflikt. Er habe das Chaos der chinesischen Kulturrevolution überstanden, auch dank seines gefragten Fachwissens. Ren sei weiterhin fest davon überzeugt, dass Huawei und seine Technologie überleben werde. Dafür werde der Firmenpatriarch alles tun, verspricht der 74-Jährige.