Aufbau von 5G-Netz Huawei-Bann würde Telekom Milliarden kosten, United Internet will es ohne etablierte Ausrüster schaffen

Beim Verzicht auf Huawei als Netzwerkausrüster steht für die Telekom viel Geld auf dem Spiel, hat Vorstand Tim Höttges snachrechnen lassen

Beim Verzicht auf Huawei als Netzwerkausrüster steht für die Telekom viel Geld auf dem Spiel, hat Vorstand Tim Höttges snachrechnen lassen

Foto: INA FASSBENDER/ AFP

Die Deutsche Telekom rechnet mit Kosten von mindestens drei Milliarden Euro, sollte die Bundesregierung den Einsatz chinesischer Mobilfunktechnologie verbannen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein Dokument, das ein Treffen zwischen Spitzenmanagern von Telekom und Huawei vorbereiten sollte.

Dieses Dokument spiele den Fall durch, dass die Telekom auf chinesische Ausrüster im neuen 5G-Netz verzichten und schon verbaute Komponenten austauschen müsse. Dieses Szenario werde "Armageddon" genannt. Der Prozess würde bis zu fünf Jahre dauern. Auch mit dem Risiko einer Unterbrechung von Lieferketten durch US-Sanktionen gegen Huawei beschäftige sich das Papier.

Die Telekom wollte sich dem Bericht zufolge dazu nicht äußern, ein Sprecher erklärte lediglich: "Ein Ausschluss von Huawei bei 5G würde auch einen Rückbau bei 4G bedingen. Deutschland würde damit massiv beim 5G-Ausbau zurückgeworfen." Huawei lehnte dem Bericht zufolge eine Stellungnahme zu den internen Dokumenten ab. Aus dem Bundestag komme demnach Kritik: "Die Telekom muss sich erklären", sagte Falko Mohrs, 5G-Berichterstatter der SPD dem Blatt. Von Armageddon zu sprechen, habe "nichts mit sauberer Planung zu tun", es sei "Stimmungsmache".

Berlin streitet, USA weichen Vorschriften im Umgang mit Huawei auf

Die Große Koalition streitet seit eineinhalb Jahren über die Beteiligung von Huawei am 5G-Ausbau. Die SPD will Anbieter aus Ländern ohne rechtsstaatliche Kontrollen sicherheitshalber ausschließen. Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) sträuben sich dagegen. Sie fürchten Ärger mit China und Nachteile für die deutsche Wirtschaft.

Die USA indes weichen ihre harte Position zum Umgang mit Huawei auf und passen die Vorschriften dazu an, wie Handelsminister Wilbur Ross Anfang der Woche Berichte bestätigt hatte. Reuters hatte zuvor berichtet, die Vorschriften würden angepasst, damit US-Firmen mit den Asiaten bei der Ausarbeitung von Standards für 5G-Netzwerke kooperieren dürften. Das Handelsministerium und andere Behörden hätten das veränderte Regelwerk bereits unterzeichnet.

United Internet will 5G-Netz ohne etablierte Ausrüster bauen

Ralph Dommermuth: Der Chef von United Internet will auf etablierte Ausrüster beim Aufbau eines 5-G-Neztes verzichten

Ralph Dommermuth: Der Chef von United Internet will auf etablierte Ausrüster beim Aufbau eines 5-G-Neztes verzichten

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Laut einem Bericht des IT-Portals Golem  will der Telekom-Wettbewerber United Internet mit seiner Tochter 1&1 Drillisch beim Aufbau seines 5-G-Netzes als neuer vierter Mobilfunkbetreiber in Deutschland auf etablierte Ausrüster verzichten.

"Wir werden ein Open-RAN-5G-Netz errichten", hat Vorstandschef Ralph Dommermuth dem Bericht zufolge am Dienstag auf dem zweiten Mobilfunkgipfel in Berlin angekündigt. Vorbild sei Rakuten in Japan. Dommermuth sagte Golem.de, man sei mit drei Partnern als Ausrüster in fortgeschrittenen Verhandlungen. Namen nannte er nicht. Huawei gilt als weltgrößter Netzwerkausrüster.

Ziel von 1&1 sei es, ein leistungsfähiges 5G-Netz zu bauen, das sich von den bisherigen Netzen unterscheidet, erklärte Dommermuth. Man baue die Netze "heute mehr in der Cloud, man virtualisiert die Netze, man will sie über Software steuern und herstellerunabhängige Strukturen fördern. Wir bauen ein Open-RAN-Netzwerk, vollkommen virtualisiert." Dies gebe es erst einmal weltweit, in Japan, wo Rakuten so ein Netz zusammen mit Cisco und NEC errichtet habe. Donnermuth zufolge sei es gerade in Betrieb genommen worden und funktioniere in vier Städten. "Wir wollen es gerne in Europa, zum ersten Mal hier in Deutschland bauen", zitiert Golem den Manager.

rei mit Reuters
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