Mittwoch, 26. Februar 2020

Vom Gejagten zum Jäger HP lehnt Xerox-Angebot ab und prüft Gegenangebot

Logos von HP und Xerox: Xerox bietet 22 Dollar je HP-Aktie - in den Augen von HP ist das zu wenig
AFP; picture alliance/XEROX/EPA/dpa
Logos von HP und Xerox: Xerox bietet 22 Dollar je HP-Aktie - in den Augen von HP ist das zu wenig

Der Computerkonzern HP hat das rund 33-Milliarden-Dollar schwere Übernahmeangebot des Druckerherstellers Xerox als deutlich zu niedrig abgewiesen und geht in die Gegenoffensive. HP erwäge, selber ein Übernahmeangebot für Xerox zu unterbreiten, teilte der Konzern mit. "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der umfassenden Unterstützung des Xerox-Managements und dem Zugriff auf sorgfältige Informationen zu Xerox die Vorzüge einer potenziellen Transaktion schnell beurteilen können", heißt es in einer HP-Erklärung.

Der Schritt setzt Xerox unter Druck, seine Bücher offen zu legen. Das Technologie-Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Damit bleibt unklar, ob Xerox als Käufer oder als potenzieller Übernahmekandidat mit HP verhandeln wird.

Bisher wollte Xerox das mehr als dreimal so große Unternehmen HP schlucken und bot 22 Dollar je Aktie - rund 33,5 Milliarden Dollar. HP lehnt die Offerte als "signifikant unterbewertet" ab. Sie sei nicht im Interesse der Aktionäre. Der HP-Verwaltungsrat verweist in der Mitteilung auf einen rückläufigen Umsatz von Xerox Börsen-Chart zeigen, der Fragen über die Richtung des Geschäfts aufwerfe. Es sei zudem wichtig, dass das Sparpotenzial im Zuge einer Fusion genau geprüft werden müsse. Die HP-Aktie ging am Freitag mit 20,18 Dollar aus dem Handel.

HP kämpft mit Umsatzrückgängen im Druckergeschäft

HP hatte zuletzt in seinem Druckergeschäft mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So fiel der Umsatz der Sparte im dritten Quartal um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Anfang Oktober hatte der Konzern Sparmaßnahmen inklusive eines Abbaus von 9000 Stellen angekündigt. Zudem wolle HP das Druckergeschäft wiederbeleben, und investiere in 3D-Druck, hieß es. Xerox war im vergangenen Jahr mit den Plänen für eine Übernahme von Fujifilm für 6,1 Milliarden Dollar am Widerstand seiner Investoren gescheitert.

Grundsätzlich könnte ein Zusammenschluss den Unternehmen, die mit dem Wandel der Branche ringen, frischen Schwung verleihen. In überlappenden Bereichen wären vermutlich deutliche Einsparungen möglich. So stellt Xerox Drucker und Kopierer her und macht den meisten Umsatz mit Vermietung und Wartung. HP verkauft kleinere Drucker und ist zugleich einer der größten PC-Hersteller weltweit.


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Zuletzt hatte auch der umtriebige, aktivistische Investor Carl Icahn mitgemischt. Er war bei HP mit eine Beteiligung eingestiegen. Icahn ist bekannt dafür, bei Übernahmen und Konzernaufspaltungen mitzumischen.

mg/rtr, dpa-afx

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