Freitag, 26. April 2019

Hornkuh-Volksabstimmung Dürfen Bauern Kälbern weiterhin die Hörner wegbrennen? Die Schweiz stimmt ab

Kuh mit Horn und Glocke: Behält die Kuh ihre Hörner, brauchen Landwirte mehr Platz im Stall
picture alliance/dpa
Kuh mit Horn und Glocke: Behält die Kuh ihre Hörner, brauchen Landwirte mehr Platz im Stall

Brauchen Kühe ihre Hörner? Der Schweizer Bauer Armin Capaul sagt "ja" und hat mit mehr als 100.000 Unterschriften eine Volksabstimmung dazu erzwungen. Er kämpft dafür, dass Landwirte jungen Kälbern nicht mehr mit einem heißen Brennstab die Hornanlagen wegbrennen - wenn auch unter Narkose. Am Sonntag stimmen die Schweizer über seine Hornkuh-Initiative ab.

Capaul (67) ist Schweizer Bergbauer mit Hof im Kanton Bern. "Ich habe schon manches Kalb gehört, das vor Schmerz geschrien hat", sagt er. Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, seit Jahren Sprachrohr der Agrar-Lobby widerspricht: Er habe Enthornungen mit eigenen Augen gesehen und habe dabei "nie den Eindruck gehabt, dass die Kälber leiden."

"Das Horn gibt den Tieren Gelassenheit, innere Ruhe und Sicherheit", sagt Christian Müller vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Bäuerinnen- und Landfrauenverband fürchten dagegen um die Sicherheit der Bauernfamilien - und befürchten höhere Kosten für den Betrieb. Ausgewachsene Kühe mit spitzen Hörnern könnten eine Gefahr sein. Außerdem brauchen Hornkühe größere Ställe.

Bergbauer Armin Capaul (mit Kühen mit Hörnern): Capaul fordert Hilfe für Bauern, die den Kühen ihre von der Natur geschenkten Hörner lassen
DPA/ KEYSTONE
Bergbauer Armin Capaul (mit Kühen mit Hörnern): Capaul fordert Hilfe für Bauern, die den Kühen ihre von der Natur geschenkten Hörner lassen

In der Schweiz tragen nur noch zehn Prozent der rund 1,5 Millionen Rinder Hörner. Bei manchen Rassen sind sie ganz weggezüchtet. In Deutschland leben gut zwölf Millionen Rinder. Wie viele davon Hörner tragen wisse man nicht, sagt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband. "Rinder sind von Hause aus keine Kuscheltiere sondern große Nutztiere mit viel Kraft", sagt er. "Es besteht daher für den Tierhalter unabhängig von der Haltungsform durchaus ein erhöhtes Gefährdungspotential in der Arbeit mit behornten Tieren."

Capaul fordert kein Verbot, weil er dafür keine Chance an der Abstimmungsurne sah. Vielmehr verlangt er neue Subventionen für Bauern, die ihren Tieren - neben Kühen auch Ziegen - die von der Natur gegebenen Hörner lassen. Die Regierung glaubt, dass das zu teuer wird.

la/dpa

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