Mittwoch, 19. Juni 2019

Diversity Das Frauen-Drama der KPN

Telekomkonzern KPN: "Die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen geht zu Lasten der qualifizierten Männer mit Migrationshintergrund"

3. Teil: "Wir mussten aus einem begrenzten Reservoir an Frauen schöpfen"

Bleibt die Frage, ob Quoten den Unternehmen dabei helfen, die Besten zu finden und ihnen dann genug Spielraum zu geben, dass sie authentisch bleiben können und ihren Job als Freude empfinden und nicht als familienzerfressende Pflicht.

Die Erfahrungen unserer Nachbarn lassen daran zweifeln. Die Niederländer wollen Unternehmen dazu verpflichten, Vorstände und Aufsichtsräte zu mindestens 30 Prozent mit Frauen zu besetzen. Bis Ende 2015 sollen die Unternehmen freiwillig mehr Chefinnen in Spitzenpositionen installieren, und erst wenn sich auf diesem Weg der Frauenanteil nicht erhöht, soll danach eine gesetzliche Quote kommen - soweit die politische Seite.

Die Unternehmen zogen mit. Zumindest KPN Börsen-Chart zeigen beschloss schon 2009 eine interne Quotenregelung und hat mit einem Frauenanteil von knapp 30 Prozent im Aufsichtsrat den vom Parlament für 2016 ins Auge gefassten Anteil auch erreicht. Doch zu welchem Preis? "Wir mussten in den vergangenen Jahren aus einem begrenzten Reservoir an Frauen schöpfen, da alle große Unternehmen in demselben Teich fischen", sagte Rynders.

Eingestellt habe man zuvorderst "weiße, zwischen 40 und 50 Jahre alte Frauen mit höherer Ausbildung und dem gleichen gesellschaftlichen Hintergrund". Es hat sich bei einigen Frauen auch herausgestellt, dass sie in ihrem Verhalten stark den Männern gleichen, "einschließlich ihrer Schwächen".

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert das so: "Dass das mal jemand offiziell sagt! In der Geschlechterdiskussion steht im Subtext meist, dass es mit Frauen in der Wirtschaft irgendwie menschlicher zugehe. Doch welche Überraschung: Frauen sind gar nicht besser als Männer."

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