Mittwoch, 26. Juni 2019

Diversity Das Frauen-Drama der KPN

Telekomkonzern KPN: "Die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen geht zu Lasten der qualifizierten Männer mit Migrationshintergrund"

2. Teil: Wir haben die Technologie, Mitarbeiter frei zu lassen

Aus meiner Sicht scheinen viele Unternehmen vergessen zu haben, dass es nicht darum gehen kann, "eine Frau" einzustellen oder "einen Ausländer" oder einen "Mann mit Migrationshintergrund". Vielmehr muss es darum gehen, die beste Person mit dem größten Potenzial für eine bestimmte Aufgabe zu finden.

Unternehmen, die in der Kategorie des am besten geeigneten Menschen denken, landen erst gar nicht in diesem seltsamen Nullsummenspiel, in dem jeder weitere Job, den eine Frau bekommt, als einer betrachtet wird, den eine andere Gruppe nun nicht mehr an Land ziehen kann. Unternehmen mit dieser Einstellung werden auch keine quereinsteigende Frau zum Vorstand befördern, wenn sie die dafür benötigten Voraussetzungen nicht mitbringt.

Auch scheint sich in vielen Konzernen immer noch das Vorurteil zu halten, dass man Mitarbeiter für ihre Anwesenheit bezahlt. Das führt zu diesen mörderischen 80-Stunden-im-Büro-Wochen, die für viele einfach nicht mehr akzeptabel sind, insbesondere nicht für Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern. Wir haben mittlerweile die Technologie dafür, unsere Mitarbeiter frei zu lassen, doch offenbar nicht das Vertrauen und die nötige innere Einstellung.

Uns sollte egal sein, wo, wann und wie unsere Mitarbeiter arbeiten

So lange sie ihre vorher vereinbarten Ziele erreichen, sollte es egal sein, wo, wann und wie unsere Mitarbeiter arbeiten. Das Sitzen in Bürosesseln zu vergüten statt gelöste Aufgaben, ist einfach keine gute Idee - und führt dazu, dass jede Menge begabte Leute aus dem Hamsterrad aussteigen wollen. Nicht nur El-Erian, sondern auch viele andere Mütter und Väter. Wenn wir nicht menschliche Arbeitszeitmodelle für Topmanager entwickeln, wird das auf die Dauer nichts mit diversen Führungsteams.

Damit wird es sowieso nichts, solange karrierewillige Frauen sich von der um sie herum herrschenden Unternehmenskultur gezwungen sehen, noch viel männlicher aufzutreten als ihre Kollegen, um ihre Befähigung zu beweisen. Wenn es nur die Frauen in Führungspositionen schaffen, die noch aggressiver, wettbewerbsorientierter und härter in die Eisen steigen als die Männer, wird die Idee von Diversity ohnehin zu einer Lachnummer.

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