Dienstag, 2. Juni 2020

Aktivist sorgt sich um Mitarbeiter Hedgefonds-Milliardär Singer warnte schon früh vor Corona

Notorischer Pessimist: Hedgefonds-Milliardär liegt mit seinen Warnungen oft richtig - auch im Falle der Corona-Krise.

Weitblick ist im Geldanlagegeschäft stets von Vorteil, und Hedgefonds-Gründer Paul Singer hat ihn schon oft bewiesen. Ein internes Memo seines Unternehmens belegt nun: Auch die Corona-Krise sah Singer offenbar bereits lange vor anderen kommen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, bereitete Singer die Mitarbeiter seiner hauptsächlich in New York ansässigen Investmentfirma Elliott Management Corp. bereits auf die Ausnahmesituation vor, als der Rest der Millionenmetropole noch Konzerte, Sport-Arenen und Konferenzen besuchte.

Bereits am 1. Februar habe der Hedgefonds-Milliardär seinen Leuten mitgeteilt, dass sie sich auf eine wochenlange Quarantäne vorbereiten sollten, berichtet Bloomberg mit Verweis auf ein internes Memo Singers. Erst eineinhalb Monate später begann in New York der Lockdown und die Stadt avancierte zum Epizentrum des Corona-Ausbruchs in den USA.

"Wir raten allen Mitarbeitern in allen Niederlassungen, Vorkehrungen zu treffen, so dass sie ihr Heim notfalls für einen Monat nicht verlassen müssen", schrieb Singer Anfang Februar in seinem Memo. Die Mitarbeiter sollten sich vergewissern, dass sie Zugang zu ausreichenden Mengen an Lebensmitteln, Wasser und Medizin hätten, so das Schreiben weiter.

Die frühe Warnung des Hedgefonds-Lenkers passt ins Bild: Der 75-jährige Singer gilt als notorischer Pessimist, der grundsätzlich das Schlimmste erwartet. In seinen Ausblicken warnt der Investor nicht selten vor Ungemach verschiedenster Art, von herkömmlichen Markteinbrüchen bis hin zu Sonnenstürmen.

Singers Erfolg tat der Pessimismus bislang allerdings keinen Abbruch - im Gegenteil: Der Milliardär gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten seiner Zunft. Bloomberg zufolge gab es seit Gründung von Elliott Management im Jahr 1977 lediglich zwei Jahre, in denen das Unternehmen eine jährliche Performance von weniger als 13 Prozent hinlegte. Elliott Management, das zuletzt rund 470 Mitarbeiter in New York, London, Hongkong und Tokio beschäftigte, verwaltet demnach heute rund 40 Milliarden Dollar.

Dabei ist Singer bekannt für sein aktivistisches Vorgehen: In der Regel erwirbt er zunächst einen Anteil an einem Unternehmen, um dann mit konkreten Forderungen an dessen Management heranzutreten - gerne auch in der Öffentlichkeit. Erst vor wenigen Wochen übte er auf diese Weise Druck auf Jack Dorsey aus, den Chef des Kurznachrichtendienstes Twitter. Singer störte sich daran, dass Dorsey neben Twitter auch den Zahlungsdienstleister Square leitet, und forderte ein Ende dieser Doppelfunktion. Mit einem milliardenschweren Aktienrückkauf konnte Twitter-Chef Dorsey die Attacke abwehren - jedenfalls vorerst.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Krise hat sich Singer nach Informationen von manager magazin inzwischen allerdings eine Art Feuerpause auferlegt. Solange die Topmanager mit der Pandemie beschäftigt sind, will der Hedgefonds-Chef von neuen Attacken auf Vorstände und Aufsichtsräte absehen.

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Singers Weitblick hat indes auch dazu geführt, dass der Investor bislang geschäftlich ebenfalls vergleichsweise unbeschadet durch die Krise gekommen ist. Schon im vergangenen Juni hatte Singer prophezeit, dass der nächste Abschwung eine Marktkorrektur um 30 bis 40 Prozent mit sich bringen könnte - ohne allerdings einen Zeitrahmen angeben zu können. Als die Börsen in diesem März weltweit tatsächlich einbrachen, überstand Elliott dies dank erfolgreicher Absicherungsgeschäfte unter dem Strich weitgehend ohne Verluste, wie Bloomberg mit Verweis auf einen Insider berichtet.

Insgesamt verbuchten Hedgefonds im März demnach einen Einbruch von 7 Prozent, wonach die Jahresperformance der Branche im Schnitt auf minus 9 Prozent absackte.

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