Mittwoch, 8. April 2020

Twitter-Mitgründer Dorsey soll gehen Hedgefonds-Aktivist Paul Singer knöpft sich Twitter vor

Gefürchteter Investor: Paul Singer nimmt sich den Kurznachrichtendienst Twitter vor.

Mit den aggressiven Methoden des aktivistischen US-Investors Paul Elliott Singer mussten schon viele Firmen Bekanntschaft machen - jetzt trifft es offenbar auch das soziale Netzwerk Twitter. Medienberichten zufolge hat Singers Investmentfirma Elliott Management für mehr als eine Milliarde Dollar einen Anteil von gut 4 Prozent an Twitter Börsen-Chart zeigen erworben. Elliott rangiere damit unter den zehn größten Investoren, schreibt beispielsweise die "Financial Times". Erste Änderungswünsche wurden dem US-Kurznachrichtendienst offenbar bereits übermittelt.

Elliott habe vier Personen für die Aufnahme in den Aufsichtsrat von Twitter nominiert, schreiben das "Wall Street Journal" sowie die "FT". Demnach könnten die Kandidaten im Mai in das Gremium aufgenommen werden, wenn die Jahreshauptversammlung der Twitter-Aktionäre stattfindet.

Damit hätte Elliott aber offenbar erst ein Zwischenziel erreicht. Das eigentliche Vorhaben des unbequemen Investors: Er will Twitter-Mitgründer und -CEO Jack Dorsey an der Spitze des Unternehmens austauschen.

Dorsey hatte Twitter 2006 gemeinsam mit einigen Mitstreitern gegründet und war zunächst bis 2008 auch Chef des Unternehmens. Dann gab er den Posten an Mitgründer Evan Williams ab und übernahm selbst den Vorsitz des Aufsichtsrats. In der Folge entwickelte Dorsey abseits seiner Twitter-Aktivitäten den Bezahldienst Square, den er 2009 der Öffentlichkeit vorstellte. Seit Oktober 2015 ist Dorsey inzwischen wieder CEO von Twitter und zugleich CEO von Square.

Diese Doppelrolle ist Elliott offenbar ein Dorn im Auge - ebenso wie zuvor auch schon anderen Investoren. Schon 2015, als Dorsey zurück an die Twitter-Spitze rückte, geschah dies, obwohl der Aufsichtsrat des Unternehmens beteuert hatte, niemanden einsetzen zu wollen, der den Posten lediglich in Teilzeit ausfüllen könne. Genau das ist bei Dorsey jedoch der Fall: Er pendelt regelmäßig zwischen den Zentralen beider Unternehmen, an denen er auch jeweils nicht unwesentlich beteiligt ist.

Allerdings befürchten Kritiker, dass Dorseys Interesse an Square größer sein könnte als jenes an Twitter. Denn auch sein finanzielles Engagement bei dem Bezahldienst wiegt offenbar schwerer als jenes bei dem Kurznachrichtendienst.

Laut "FT" hält Dorsey einen Anteil von 13 Prozent an Square, das an der Börse gegenwärtig mit 36 Milliarden Dollar bewertet wird. Den Anteil des Tech-Unternehmers an Twitter beziffert die Zeitung auf etwa 2 Prozent, bei einem Unternehmenswert von zurzeit etwa 26 Milliarden Dollar.

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Elliott indes geht bei Twitter bislang bemerkenswert diskret vor. Das "Wall Street Journal" schreibt, der Hedgefonds verzichte momentan noch bewusst auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Stattdessen hofft Paul Singer offenbar, die Twitter-Verantwortlichen im Hintergrund zum Einlenken bewegen zu können.

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