Montag, 21. Oktober 2019

Teurer IT-Umbau sowie Pensionslasten Der Kosten-Wahnsinn bei der Hamburger Sparkasse

Haspa: Hohe Kosten belasten
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Haspa: Hohe Kosten belasten

"Haspa macht sich fit für die Zukunft" - so hat die Hamburger Sparkasse ihre Pressemitteilung zu den 2018er-Zahlen betitelt. Was man dazu wissen muss: Die größte deutsche Sparkasse macht sich seit anderthalb Dekaden andauernd fit für die Zukunft.

2005 lagerte sie zu diesem Zweck ihre hauseigene IT an die damalige "Finanz IT" aus (Ziel: "jährliche Einsparungen von 50 Mio. Euro"); 2010 wechselte sie plötzlich zu SAP (Ziel: "eine moderne und auf langfristigen Einsatz ausgerichtete IT-Plattform"); und nun geht es zurück in die Sparkassen-Familie, genauer: zur "Finanz Informatik" (Ziel, so hat Vorstandschef Harald Vogelsang das tatsächlich ausgedrückt: "Economies of Scale").

Und was hat die Selbstertüchtigung gebracht? Die Cost-Income-Ratio, die in den Nullerjahren mal bei 60 Prozent lag (und auf 55 Prozent runter sollte), hat sich inzwischen bei 77-83 Prozent verfestigt; selbst sein vor fünf Jahren für 2018 formuliertes Ziel ("auf nahe 70 Prozent kommen") hat Vogelsang deutlich verfehlt (es sind stattdessen 78,9 Prozent im Jahr 2018). Wie weit die Haspa von anderen Sparkassen (aggregierter Wert nach Angaben des DSGV) entfernt ist, zeigt ein Vergleich seit 2013: Bei anderen Sparkassen liegt die Cost-Income-Ratio seit 2012 deutlich unter 70 Prozent, zuletzt bei rund 68 Prozent.

Nun muss man der Fairness halber hinzufügen, dass die hohe Cost-Income-Ratio der Haspa nicht nur aus dem Verwaltungsaufwand herrührt (also Sachkosten plus Personalkosten), sondern auch mit einer weiteren GuV-Position zusammenhängt, nämlich mit den "sonstigen betrieblichen Aufwendungen". Diese liegen bei den Hanseaten schon seit Jahren zwischen etwa 100 und 150 Millionen Euro pro Jahr.

Ein Sprecher begründet dies unter anderem mit - durch den Niedrigszins verursachte - Pensionslasten, die bei der Haspa direkt auf die GuV durchschlügen, während andere Sparkassen hierfür stille Lasten bilden würden.

Dieser Befund ändert allerdings nichts daran, dass auch der reine Verwaltungsaufwand bei der Haspa - anders als bei vielen anderen Sparkassen - seit Jahren und zum Teil sogar massiv steigt: Waren es im Jahr 2013 noch knapp 640 Millionen Euro, stiegen die Kosten in den Jahren 2017 und 2018 weiter an und lagen bei jeweils rund 740 Millionen Euro.

Was erschwerend hinzukommt: Die rund 150 Millionen Euro, die die Haspa für ihre neuerliche IT-Migration eingeplant hat, werden laut Angaben von gestern auf 2018, 2019 und 2020 verteilt. So schnell werden die Kosten also nicht sinken.

Der Text erschien in einer leicht anderen Version zuerst bei finanz-szene.de.

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