Mittwoch, 21. August 2019

Motorrad-Hersteller in Not Harley-Davidson erleidet Gewinneinbruch, Trump droht mit Vergeltung

Alter weißer Mann mit Motorrad: Bei Harley-Davidson sterben die Stammkunden aus - doch Donald Trump hat mit der EU den wahren Schuldigen gefunden
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Alter weißer Mann mit Motorrad: Bei Harley-Davidson sterben die Stammkunden aus - doch Donald Trump hat mit der EU den wahren Schuldigen gefunden

Der Zollstreit mit der EU hat erneut die Bilanz des Motorradbauers Harley-Davidson belastet - das bringt US-Präsident Donald Trump in Rage. Im ersten Quartal sank der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um mehr als ein Viertel auf 127,9 Millionen Dollar (113,7 Mio Euro), wie Harley-Davidson am Dienstag mitteilte. Die Erlöse fielen um zwölf Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar.

Trump machte bei Twitter seinem Ärger darüber Luft, dass die US-Traditionsfirma in der EU unter erhöhten Zöllen litt, die im Zuge des Handelsstreits verhängt wurden. "So unfair gegenüber den USA", schrieb Trump und drohte mit Vergeltung.

Was Trump übersieht: Die Harley-Verkäufe in den USA sanken sogar noch stärker als im Ausland. Kernproblem von Harley-Davidson ist, dass der Hersteller unter einer alternden konservativen Kundschaft leidet, deren Zahl kontinuierlich abnimmt. Um den Trend zu stoppen und neue Kunden zu gewinnen, hat Harley-Davidson sogar eine Elektro-Harley entwickelt.

Bikers for Trump: Bei Harley-Davidson ist Trump besonders empfindlich

Bei Harley-Davidson ist Trump besonders empfindlich. Zunächst hatte er die Firma noch als Inbegriff von "Made in America" umgarnt. Nach seinem Amtsantritt lud Trump die Harley-Chefs ins Weiße Haus ein und jubelte ihnen zu: "Wir sind stolz auf euch!".

Die Charme-Offensive kam nicht von ungefähr: Zu Harleys US-Stammkundschaft zählen viele konservative, ältere weiße Männer - vereint etwa in der Initiative "Bikers for Trump", die schon seit Monaten Wahlkampf für 2020 macht.

Ausgerechnet Harley verlagert Produktion aus den USA

Umso erzürnter war der US-Präsident, als ausgerechnet die von ihm so umschmeichelte Motorrad-Ikone auf den von ihm angezettelten Handelsstreit mit einem Teilabzug der US-Produktion reagierte. Trump fühlte sich verraten, er drohte Harley-Davidson mit dem "Anfang vom Ende" und polterte vor seinen zahlreichen Twitter-Followern: "Sie werden besteuert wie nie zuvor!". Sein aktueller Tweet birgt aber vor allem Gefahren für die EU - Trump droht seit Monaten mit hohen Sonderzöllen auf Autos aus Europa und scheint dem nun Nachdruck zu verleihen.

Harley-Davidson ist indes bei weitem nicht der einzige US-Konzern, der unter Trumps "Amerika zuerst"-Wirtschaftspolitik und den Reaktionen der Handelspartner darauf leidet. Die Vergeltungszölle der EU ließen beispielsweise die Exporte der US-Whiskey-Hersteller einbrechen. Die großen US-Autobauer General Motors und Ford oder der Getränkeriese Coca-Cola ächzten angesichts erhöhter Zölle auf Aluminium und Stahl bereits unter gestiegenen Materialkosten.

Dabei hat Harley-Davidson eigentlich noch ganz andere, hausgemachte Probleme. Der 1903 gegründete Motorradhersteller, der mit seinem "Easy Rider"-Image einst als großes US-Symbol für Freiheitsliebe und Individualismus stand, gilt mittlerweile als angestaubt und dringend renovierungsbedürftig. Das Unternehmen versucht schon länger, mit moderneren Produkten jüngere Kunden anzusprechen - bislang mit wenig Erfolg. Zuletzt verkündete Harley-Davidson die Übernahme eines US-Herstellers für Kinder-Elektrozweiräder, um künftige Generationen schon frühzeitig fürs Motorradfahren zu gewinnen

la/dpa-afx

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