Mittwoch, 11. Dezember 2019

US-Motorradikone im Niedergang Fünf Fakten zur Misere von Harley-Davidson

3. Teil: Kansas City macht sowieso dicht

Motorenwerk in Wisconsin

Harley-Davidson steht ohnehin in der Kritik, weil in Kansas City eines der zwei amerikanischen Endmontagewerke vor dem Aus steht. Gewerkschafter klagen darüber, dass die Arbeiter die Verlagerung ihrer Jobs nach Thailand vorbereiten. Die Werksschließung wurde allerdings schon im Januar beschlossen - kurz bevor Motorräder auf die EU-Liste für mögliche Vergeltungszölle kamen.

Harley-Chef Levatich erklärt den Schritt mit "Überkapazitäten": Schon in der vorigen großen Krise 2008 habe Harley-Davidson ein Werk geschlossen, mit Investitionen andernorts seine Kapazität aber auf dem 2006 aufgestellten Rekordwert von 370.000 Motorrädern jährlich gehalten. Doch damals erreichte der Absatz seinen Gipfel, in den vergangenen Jahren ging es beinahe stetig abwärts. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit 231.000 bis 236.000 verkauften Motorrädern weltweit - weniger als noch vor zehn Jahren allein in den USA.

In Europa selbst ist übrigens nichts von Werksplänen bekannt. Harley-Davidson ist mit Endmontagen in Brasilien, Indien und Australien vertreten. Im Aufbau ist die Produktion in Thailand. Aus all diesen Ländern werden Motorräder bei der Einfuhr in die EU weiterhin mit 6 Prozent verzollt, für Indien gilt ein vergünstigter Satz von 2,5 Prozent. Kaum noch Gehör findet Levatich mit der Aussage, das US-Hauptwerk in York, Pennsylvania, werde gleichzeitig ausgebaut. Vielleicht reicht es noch für eine Erfolgsmeldung von Trump, wenn sich die beiden zum Krisengespräch treffen.

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