Sonntag, 15. Dezember 2019

US-Motorradikone im Niedergang Fünf Fakten zur Misere von Harley-Davidson

2. Teil: Der neue Zoll kostet ein Fünftel des Gewinns

Fans auf den Hamburger "Harley Days" am vergangenen Wochenende

Den Plan, die Produktion von Motorrädern für den europäischen Markt aus den USA zu verlagern, verkündet das Unternehmen per Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC. Weil die EU seit dieser Woche einen Strafzoll von 25 Prozent auf ohnehin mit 6 Prozent verzollte US-Motorräder aufschlägt, ließe sich Europa nicht mehr wirtschaftlich mit US-Produktion beliefern.

Der Vergeltungszoll ist schon die zweite Folge von Trumps Handelspolitik, die Harley-Davidson direkt trifft: Im März hatte das Unternehmen gewarnt, die Importzölle auf Stahl und Aluminium würden die Fertigung in den USA verteuern.

Den Verkaufspreis will Harley-Davidson nicht anheben - dann wäre der Zugang zum "entscheidenden Markt" nach eigener Einschätzung dahin. Stattdessen trägt das Unternehmen die Differenz zunächst selbst. Innerhalb von 9 bis 18 Monaten soll die Produktion für den europäischen Markt ins Ausland verlagert werden.

Ihre jährlichen Kosten des EU-Zolls schätzt die Firma auf 90 bis 100 Millionen Dollar. Nach den Zahlen von 2017 wäre damit annähernd ein Fünftel des Jahresgewinns weg, denn seit dem Milliardenplus von 2013 hat sich das Ergebnis stetig verringert. Da Europa (einschließlich Nahost und Afrika) nur für ein Sechstel des Motorradabsatzes der Firma gut ist, könnte das bedeuten, dass die Firma hier mit Verlust kalkuliert, um den Markt nicht ganz aufzugeben.

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