Donnerstag, 22. August 2019

Frachtraten der Container-Reederei steigen - Milliardär Kühne zufrieden Ende der Schifffahrtkrise? Hapag-Lloyd auf Rekordhoch

Hapag-Lloyd: 50 Millionen Euro Überschuss im zweiten Quartal - das Containergeschäft nimmt wieder Fahrt auf

Die Container-Reederei Hapag-Lloyd hat sich im zweiten Quartal dank höherer Frachtmengen und gestiegener Preise in die Gewinnzone zurückgekämpft. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 50 Millionen Euro nach einem Verlust von 67 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie die Reederei am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Auf das Halbjahr bis Ende Juni gerechnet, erzielte der Konzern einen Gewinn von 146 Millionen Euro nach einem Minus von 101 Millionen im Vorjahreszeitraum.

An der Börse reagierten Anleger begeistert: Die Aktie von Hapag-Lloyd sprang am Mittwochvormittag um über zehn Prozent auf ein Rekordhoch von über 42 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Aktie damit annähernd verdoppelt.

"Dank höherer Transportmengen in unseren wichtigsten Fahrtgebieten, einer guten Kostenkontrolle und leicht verbesserter Frachtraten, können wir auf ein gutes erstes Halbjahr zurückblicken", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen.

Im zweiten Jahresviertel bis Ende Juni steigerte Hapag-Lloyd die Erlöse um 13 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro, obwohl die Transportmenge nur um 1,7 Prozent auf 3 Millionen Standardcontainer zulegte. Der operative Gewinn (Ebit) stieg auf 176 Millionen Euro - gut viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Wegen der Erstanwendung neuer Rechnungslegungsstandards seien die Ergebnisse des zweiten Quartals sowie des ersten Halbjahrs aber nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten vergleichbar, betonte das Unternehmen.

Hauptaktionäre Kühne und CSAV haben Grund zur Freude

Analyst Joel Spungin von der Privatbank Berenberg sieht die Erwartungen im zweiten Quartal klar übertroffen. Die Kosten entwickelten sich stabil, der Mittelzufluss sei gut und die Schulden kämen zurück, schrieb der Analyst in einer ersten Reaktion. Auch Analyst Patrick Creuset von der US-Investmentbank Goldman Sachs bewertete die Zahlen zum ersten Halbjahr positiv. Die Aktie der Reederei sei allerdings höher bewertet als Vergleichswerte.

Hapag-Lloyd ist im Juni erst aus dem Kleinwerteindex SDax gefallen. Grund dafür war die Aufstockung der Beteiligung zweier Ankeraktionäre. Dadurch reduzierte sich der Anteil der Aktien in Streubesitz auf weniger als 10 Prozent, weshalb das Unternehmen aus dem Index ausschied.

Hauptaktionäre sind mit 27,30 Prozent die CSAV Germany Container Holding und mit 25,50 Prozent die Kühne Holding AG. Insgesamt beläuft sich der derzeitige Marktwert des Unternehmens auf rund 7,4 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr behält der Vorstand seine Prognose wie erwartet bei. "Nach einem soliden ersten Halbjahr 2019 ist unser Ausblick unverändert, auch wenn wir mit mehr Handelsbeschränkungen umgehen müssen und steigende geopolitische Risiken sehen, die natürlich das Wachstum beeinflussen können", sagte Habben Jansen. Für das Gesamtjahr rechnet er dennoch mit steigenden Transportmengen. Der operative Gewinn soll dank Kostensenkungen und eines erwarteten Anstiegs der Transportpreise rund 500 bis 900 Millionen Euro erreichen. Nach den ersten sechs Monaten stand hier ein Ebit von 389 Millionen Euro zu Buche.

ka/dpa-afx

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