Taumelnde Korea-Reedereien - Hanjin-Aktie springt Maersk angeblich an Hanjin und Hyundai interessiert

Maersk-Container-Riese im Hafen von Singapur: Die Dänen könnten sich durch einen Einstieg bei Hanjin und Hyundai insbesondere auf der trans-pazifischen Route verstärken, sagen Experten

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Neue Spekulationen um die Zukunft der weltweiten Handelsschifffahrt: Nach Angaben der Investmentbank Jefferies International könnte die dänische Reederei A.P. Moeller-Maersk, weltweit die Nummer eins der Branche, die taumelnden koreanischen Gesellschaften Hanjin Shipping sowie Hyundai Merchant Marine übernehmen.

Die beiden koreanischen Firmen seien auf der Suche nach einem starken Partner, sagte laut Nachrichtenagentur Bloomberg David Kerstens, Transport-Analyst bei Jefferies in London. Maersk sei womöglich der einzige Rivale mit der erforderlichen Finanzkraft für eine solche Transaktion.

Die Aktien von Hanjin Shipping stiegen nach Bekanntwerden der Spekulation um zeitweise mehr als 20 Prozent. Die siebtgrößte Reederei der Welt hatte vorigen Monat Insolvenz angemeldet. Auch Hyundai Merchant Marine befindet sich in Schieflage und versucht gerade, seine Schulden neu zu strukturieren. Die Aktien des Unternehmens lagen zuletzt leicht im Minus, nachdem sie zu Handelsbeginn am Dienstag ebenfalls zugelegt hatten. Aktien von Maersk notierten in Kopenhagen zuletzt 0,7 Prozent im Minus. "Als Marktführer wird Maersk definitiv an der Konsolidierung der Branche mitwirken", sagte Kersten. "Das müssen sie."

Starke Position für Maersk

Zudem würde ein solcher Deal offenbar in die Pläne des Unternehmens passen: Um dem Markt weitere Überkapazitäten zu ersparen, hatten die Dänen erst in diesem Monat ihre Strategie geändert. Anstatt neue Schiffe zu bauen, will das Unternehmen nun durch Akquisitionen wachsen. Zudem will sich Maersk aufspalten und das Ölgeschäft als eigene Einheit neben der Schifffahrt- und Logistiksparte führen.

Allerdings seien die Möglichkeiten für Übernahmen an der Spitze des weltweiten Reedereigeschäfts begrenzt, so Jefferies-Experte Kersten. Denn die meisten großen Reedereien befänden sich bereits in Allianzen oder würden durch Familien oder Staaten kontrolliert.

Bei den Reedereien Koreas dagegen lockt die Notsituation, die Maersk zu einer starken Verhandlungsposition verhelfen könnte. Hanjin beispielsweise hat bereits begonnen, Schiffe zu verkaufen.

Hanjins Assets sind attraktiver als das Unternehmen insgesamt

Hintergrund: Nachdem weltweit zu stark in die Handelsschifffahrt investiert und zu viele vor allem große Containerschiffe gebaut worden waren, leidet die Branche seit Jahren unter Überkapazitäten, die eine weitere Konsolidierung dringend erforderlich erscheinen lassen. Die Frachtraten, zu denen die Reedereien ihre Transportkapazitäten vermieten, befinden sich seit geraumer Zeit auf so niedrigem Niveau, dass viele Gesellschaften bereits in Existenznot gekommen oder Pleite gegangen sind.

"Es gab schon eine Menge Konsolidierung in diesem Jahr und viele Container-Linien an der Weltspitze sind dadurch gewachsen", sagt Experte Kersten. "Maersk sieht sich deshalb deutlich stärkerem Wettbewerb ausgesetzt."

Noch ist Maersk mit einem Marktanteil von gut 15 Prozent die Nummer eins in der globalen Containerschifffahrt. Das Unternehmen befindet sich in einer Allianz mit der schweizerischen MSC, die mit einem Marktanteil von gut 13 Prozent weltweit auf Platz 2 liegt. Laut Bloomberg verhandelt Hyundai Merchant gegenwärtig darüber, diesem Bündnis beizutreten.

Am Weltmarkt verfügt Hyundai zurzeit über einen Marktanteil von etwa 2 Prozent, womit die Koreaner nicht einmal zu den zehn größten Reedereien gehören. Hanjin Shipping dagegen, Südkoreas größte Reederei, belegt weltweit mit einem Marktanteil von knapp 3 Prozent den siebten Platz.

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Wie Jefferies-Analyst Kersten glaubt, wäre Maersk allerdings weniger an einer Übernahme der bankrotten Gesellschaft Hanjin Shipping interessiert, als vielmehr an einem Kauf der Schiffe von Hanjin. So sieht es auch Kerstens Kollege Rahul Kapoor von Drewry Financial Research. Nach Angaben des Schiffsinformationsdienstes Vesselsvalue haben allein die Containerfrachter von Hanjin, die den größten Teil der hauseigenen Flotte ausmachen, einen Wert von etwa 1,4 Milliarden Dollar. Insgesamt bezifferte Hanjin Shipping seine Schulden zuletzt auf 5,5 Milliarden Dollar.

Von den drei Unternehmen wollte sich laut Bloomberg niemand zu den Überlegungen äußern.

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