Handball-WM 2019 Was verdient ein Handball-Profi?

Handball-Nationalspieler Hendrik Pekeler im Freundschaftsspiel gegen Island im Januar 2018

Handball-Nationalspieler Hendrik Pekeler im Freundschaftsspiel gegen Island im Januar 2018

Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Es ist eine Rekordsumme, die der Deutsche Handballbund (DHB) an seine Spieler ausschütten will: 450.000 Euro winken den Spielern um Uwe Gensheimer, sollten sie bei der am Donnerstag startenden Heim-WM den Titel holen. 350.000 Euro winken dem Team immerhin, wenn die Deutschen im Finale den Kürzeren ziehen würden.

Auf den ersten Blick mag das hoch wirken, deshalb ein Vergleich: Für einen Weltmeistertitel hätte der Deutsche Fußballbund im vergangenen Jahr ebenfalls 350.000 Euro gezahlt - allerdings pro Spieler. Damit waren die Deutschen nicht einmal übertrieben spendabel: Spanien hätte seinen (immerhin erst im Achtelfinale ausgeschiedenen) Fußballern sogar 800.000 Euro Prämie spendiert.

Schon der Blick auf die Prämien zeigt: Verglichen mit dem großen Volkssport Fußball ist der Handball finanziell einige Nummern kleiner unterwegs. Was verdienen die Stars? Welche Summen stehen den Bundesligaclubs zur Verfügung? Und wie kommt es, dass sich einige Handball-Promis mit Immobilien verzockt haben? Eine Übersicht:

Nationalmannschaft: Der Kapitän überflügelt seinen Trainer

PSG-Star Uwe Gensheimer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft

PSG-Star Uwe Gensheimer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Anders als im Fußball werden im Handball nur äußerst selten Millionen-Gehälter gezahlt. Spitzenverdiener innerhalb der deutschen Nationalmannschaft ist laut Medienberichten Linksaußen Uwe Gensheimer (32), der seit 2016 für den französischen Serienmeister Paris Saint-Germain aufläuft. Die Dienste von Deutschlands Kapitän lassen sich die mit viel Geld aus Katar gepäppelten Franzosen etwa 500.000 Euro im Jahr kosten ; seine Vereinskollegen Mikkel Hansen (Dänemark, 31) und Nikola Karabatic (Frankreich, 34) sollen zu den wenigen Millionenverdienern ihres Sports gehören.

In der Nationalmannschaft ist Gensheimer seinen Kollegen derweil enteilt - und auch seinem Trainer. Christian Prokop (40) verdient als Übungsleiter geschätzte 220.000 Euro im Jahr, schreibt die "Welt" . Oberhalb dieser Marke liegen laut Medienangaben Rückraumspieler Steffen Weinhold (32) und Torwart Silvio Heinevetter (34), denen der THW Kiel bzw. die Füchse Berlin jährlich gut 330.000 Euro überweisen sollen. Am unteren Ende des Gehaltsrankings, das etwa "Ran" veröffentlicht hat: Paul Drux (23) mit einem Jahresverdienst von gut 100.000 Euro.

Club-Etats: Ein Thomas Müller = zwei Spitzenteams

Deutschlands Handballmeister SG Flensburg-Handewitt

Deutschlands Handballmeister SG Flensburg-Handewitt

Foto: Axel Heimken/ dpa

Als die SG Flensburg-Handewitt im Juni 2018 zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den deutschen Meistertitel feierte, musste sich der TV Hüttenberg am anderen Ende der Tabelle in die zweite Liga verabschieden. Die Hessen waren erst zur Saison 17/18 in die Bundesliga zurückgekehrt - mit einem Gesamtetat von 1,3 Millionen Euro.

Wie dem TV geht es vielen Aufsteigern: In 51 Jahren Bundesliga seien 22 Teams schon im ersten Jahr in der Liga wieder abgestiegen, schrieb die "Sportschau"  schon im März vergangenen Jahres, als sich die Misere der Aufsteiger Hüttenberg, Ludwigshafen und Lübbecke abzeichnete. Elf Clubs seien nach dem zweiten Jahr wieder abgestiegen. Dauerhaft hätten sich in der jüngeren Vergangenheit nur Großstadtvereine wie die Füchse aus Berlin und die TSV Hannover Burgdorf im Oberhaus etablieren können.

"Bei den Topklubs spielen Weltklasse-Handballer, wir haben drei Profis im Kader, der Rest sind Studenten und Auszubildende", zitiert die Sportschau Hüttenberg-Geschäftsführer Lothar Weber. Schon mit einem Etat von 3 Millionen Euro sei es sehr schwer, die Klasse zu halten - Hüttenberg selbst habe 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Deutschlands Ex-Serienmeister THW Kiel kratzt derweil in der laufenden Saison an der 10-Millionen-Marke, Lokalrivale Flensburg kann pro Saison mit etwa 7 Millionen Euro haushalten.

Auch hier fällt der Vergleich zum Fußball ernüchternd aus: Kiel und Flensburg könnten sich damit zusammen die Dienste von Nationalspieler Thomas Müller leisten, der beim FC Bayern München 15 Millionen Euro  pro Jahr verdienen soll.

Handballer und die "naive Gier"

Kiels Vereinsikone Filip Jicha, zuletzt in Diensten des FC Barcelona (Archivaufnahme 2015)

Kiels Vereinsikone Filip Jicha, zuletzt in Diensten des FC Barcelona (Archivaufnahme 2015)

Foto: Jens Wolf/ picture alliance / dpa

Es war ein Interview, wie es in solcher Offenheit im Profisport wohl nur selten geführt wird: Er habe eigentlich beim THW Kiel seine Karriere beenden wollen, sagte Vereinsikone Filip Jicha im Jahr 2015 den "Kieler Nachrichten ": "Aber jetzt kann ich den THW nur bitten, mich sofort zu verkaufen, um mir so zu helfen."

Der Grund? Jicha sei "in eine tiefe Falle getappt", sagte der Tscheche, der mehr als ein Dutzend Titel mit dem THW gewonnen hatte. Während seiner Zeit beim TBV Lemgo habe er sich auf einen Finanzberater verlassen und "wie viele andere Bundesliga-Profis viel Geld in Immobilien investiert. Ich war jung, naiv und sprach kaum Deutsch." Für diesen Fehler müsse er nach wie vor gerade stehen: Pro Monat gingen etwa 40 Prozent seines Gehalts dafür drauf. Die Lösung: ein Wechsel zum FC Barcelona, wo Jicha bis 2019 mit einem besser dotierten Vertrag spielen wollte, seine Karriere verletzungsbedingt aber schon 2017 beendete.

Beobachtern sei schon vor Jichas Bekenntnis klar gewesen, "dass in den Immobiliengeschäften vieler Handball[er] eine Zeitbombe tickt", schreibt "Die Zeit " über die "naive Gier der Handballprofis": Spätestens seit dem Boom nach der gewonnenen WM 2007 habe der Handball wegen stark gestiegener Gehälter immer mehr Vermögensberater angezogen. Einer dieser Berater hatte mindestens zwei Dutzend Profis Immobiliendeals ans Herz gelegt, an denen sich die Spieler anschließend mehr oder minder stark verhoben - teilweise, ohne die entsprechenden Objekte überhaupt besichtigt zu haben.