Dienstag, 18. Juni 2019

Hall of Fame der deutschen Wirtschaft Arbeiterführer und Unternehmer - im Ruhm vereint

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Unternehmer Susanne Klatten (Mitte) und Stefan Quandt (r.) mit mm-Chefredakteur Martin Noé.
Wolfgang von Brauchitsch für manager magazin
Ehre, wem Ehre gebührt: Die Unternehmer Susanne Klatten (Mitte) und Stefan Quandt (r.) mit mm-Chefredakteur Martin Noé.

Warum der Gewerkschafter Berthold Huber und die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft einziehen - und einander richtig sympathisch finden.

Arbeit und Kapital endlich versöhnt - das manager magazin machte gestern das vermeintlich Unmögliche wahr. In einer Feierstunde mit rund 140 hochkarätigen Gästen im Schlosshotel Kronberg wurden Ex-IG Metall-Chef Berthold Huber (69) und die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten (57) und Stefan Quandt (53) in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft aufgenommen. Beide Seiten gratulierten einander herzlich und betonten viele Gemeinsamkeiten. Mit den Methoden des Turbokapitalismus wollen weder der Gewerkschafter noch die Quandt-Erben etwas zu tun haben. Gemeinsames Credo: nur langfristiges Denken schafft wirklich Werte.

Berthold Huber sei "ein Krisenmanager, Denker, Visionär, aber auch ein Pragmatiker", sagte Birgit Steinborn, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Siemens, in ihrer Lobrede. Sie erinnerte an die Verdienste Hubers bei der Aufklärung der Compliance-

Affäre bei Siemens. Mit Mut und klugen Ideen habe er später dafür gesorgt, dass die Finanzkrise nicht zu Massenentlassungen in der deutschen Industrie geführt habe. Herausragend auch sein Engagement beim Friedensschluss zwischen VW und Porsche. Zeitweilig sprang Huber sogar als Aufsichtsratschef bei Volkswagen ein. Auch den Vorsitz der IG Metall habe er ohne Allüren interpretiert: "Du hast deine eigenen Interessen immer hinten angestellt."

Berthold Huber bei seiner Dankesrede zur Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft.
Wolfgang von Brauchitsch für manager magazin
Berthold Huber bei seiner Dankesrede zur Aufnahme in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft.

Susanne Klatten und Stefan Quandt verkörperten wahres Unternehmertum, lobte Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratschef von MunichRe und Deutsche Post DHL. Dazu gehöre, ein Unternehmen auf langfristigem Erfolg auszurichten und Verantwortung auch in der Gesellschaft zu übernehmen. Besonders bei BMW, aber auch bei Unternehmen wie Altana oder SGL Carbon hätten sie viel Weitsicht bewiesen und als verlässliche Ankeraktionäre eine stabile Entwicklung überhaupt erst möglich gemacht.

Die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft ist eine virtuelle Ruhmeshalle mit fast drei Jahrzehnten Tradition, mit der das manager magazin unter dem Motto"Gegen Mutlosigkeit und Mittelmaß" jährlich Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft ehrt.

Die Auswahl der Preisträger obliegt einer Fachjury, bestehend aus den Aufsichtsratsvorsitzenden von Bosch, Franz Fehrenbach, und BMW, Norbert Reithofer, sowie dem Chefkontrolleur von Lufthansa und Eon, Karl-Ludwig Kley, sowie Ex-McKinsey-Statthalter Herbert Henzler. Hinzu kommt das Votum der Chefredaktion des manager magazins.

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