Freitag, 13. Dezember 2019

Wohnungskonzern Showdown bei GSW Immobilien

GSW Immobilien: Das richtige Verständnis von Corporate Governance?

Immer mehr Investoren stellen sich gegen den Vorstandsvorsitzenden und den Aufsichtsratschef des Immobilienkonzerns GSW. Sie zweifeln nicht nur an deren Kompetenz, sondern werfen ihnen auch Kumpanei vor. Die Hauptversammlung dürfte dramatisch werden.

Berlin - So hatte sich Bernd Kottmann seinen neuen Job zweifellos nicht vorgestellt. Der Chef des Berliner Immobilienkonzerns GSW war erst wenige Tage im Amt, da forderte der niederländische Pensionsfonds Stichting PGGM Depositary auch schon, ihm das Vertrauen zu entziehen und im gleichen Zug den Aufsichtsratsvorsitzenden Eckhart John von Freyend auszutauschen.

Der Vorwurf des sonst als eher zurückhaltend bekannten Pensionsfonds: John von Freyend habe keine ausreichende Sorgfalt bei der Auswahl des neuen GSW-Chefs walten lassen. Oder anders gesagt: Er habe ohne ausreichende Suche nach alternativen Kandidaten einfach einen alten Bekannten aus seinen Zeiten beim inzwischen in bedrohlicher Schieflage befindlichen Immobilienkonzern IVG Börsen-Chart zeigen in das Amt gehievt. Die GSW Börsen-Chart zeigen weist das zurück.

Inzwischen wird immer deutlicher: PGGM steht mit seinem Versuch einer Revolte keineswegs alleine da. Auf der Hauptversammlung am 18. Juni, auf der die GSW-Spitze angesichts guter Zahlen eigentlich zufriedene Aktionäre erwarten durfte, zeichnet sich ein Showdown ab.

Nach Informationen des manager magazin wollen sich etliche institutionelle Investoren, darunter der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock, der Forderung der Niederländer anschließen, für die Ablösung John von Freyends zu stimmen und Kottmann das Vertrauen zu entziehen. Nach aktuellen Schätzungen müssen John von Freyend und Kottmann durchaus damit rechnen, dass sich das Abstimmungsergebnis bedrohlich jenen 50 Prozent nähern könnte, die für einen erfolgreichen Hauptversammlungsbeschluss erforderlich wären.

Ungewöhnlicher Vorgang in der deutschen Unternehmenslandschaft

In der deutschen Unternehmenslandschaft ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Vorgang. Er zeigt aber auch, wie ernst Investoren das Thema Corporate Governance, also die Regeln zur guten Unternehmensführung inzwischen nehmen.

Gründe, das Gebaren der GSW einer kritischen Betrachtung zu unterziehen, gibt es tatsächlich genug. Brancheninsider und Investoren beklagen, die GSW werde zunehmend zum Auffangbecken für ehemalige Manager und Aufsichtsräte des Konkurrenten IVG. Dessen jüngere Vergangenheit ist bekanntermaßen keine Erfolgsstory. Der Konzern arbeitet gerade unter Hochdruck an einem Restrukturierungskonzept, um eine drohende Insolvenz abzuwenden.

So sitzen neben dem langjährigen IVG-Chef John von Freyend auch noch der Ex-IVG-Beirat Jochen Scharpe als Stellvertreter und der Ex-IVG-Aufsichtsrat Claus Wisser als einfaches Mitglied in dem sechsköpfigen Gremium. Der Entscheidung pro Kottmann dürfte das aus Sicht der Kritiker nicht eben geschadet haben. Bei der GSW will man sich zum Auswahlprozess nicht äußern, da dieser der Vertraulichkeit des Aufsichtsrates unterliege.

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