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Bayer-Monsanto degradiert BASF: Die neuen Großen Vier der Agrochemie

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Die wichtigsten Fakten zu Glyphosat Warum Glyphosat so wichtig für Bayer ist

In all die Aufregung über Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), der im Alleingang die Verlängerung der EU-Zulassung für das Pflanzengift Glyphosat ermöglicht hat, mischt sich noch eine ganz andere Stimme: Der Bayer-Konzern  erklärt sein Bedauern, dass es nur für fünf weitere Jahre gereicht hat. Wünschenswert wären 15 Jahre gewesen, "um den Landwirten in Europa weiterhin Zugang zu diesem wichtigen Herbizid zu ermöglichen".

Was verdient Bayer an Glyphosat?

Bisher nicht viel, aber der Konzern wartet seit einem Jahr darauf, den US-Wettbewerber Monsanto  übernehmen zu dürfen und mit diesem 66-Milliarden-Dollar-Deal an die Spitze der Agrochemie vorzustoßen. Zu Jahresbeginn 2018 soll es soweit sein, nachdem Bayer  einen Großteil seines eigenen Saatgutgeschäfts an BASF  verkauft und so Sorgen vor einem Monopol entgegentritt.

Monsanto hat die Wirkung von Glyphosat gegen Unkraut entdeckt und das Produkt seit 1974 unter dem Markennamen Roundup vermarktet. Inzwischen ist Glyphosat patentfrei und wird von vielen Firmen, vor allem aus China, angeboten.

Und was verdient Monsanto an Glyphosat?

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 meldete Monsanto für die Sparte "Agricultural Productivity", die neben Roundup auch andere Herbi- und Fungizide verkauft, einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 892 Millionen Dollar. Dem Bericht zufolge standen die Glyphosatpreise in den vergangenen Jahren unter Druck.

Deutlich wichtiger und profitabler ist die Saatgutsparte - aber die lebt indirekt auch vom Glyphosat, weil sie genetisch veränderte, glyphosatresistente Pflanzen (vor allem Mais und Soja) verkauft. "Roundup Ready" heißt das Erfolgsrezept von Monsanto, das inzwischen um weitere - patentgeschützte - Formeln ergänzt wurde. Die aktuelle Modellpalette heißt "Roundup Ready 2 Xtend" und widersteht neben Glyphosat auch Dicamba, einem anderen Herbizid.

Wo Glyphosat unter Druck gerät

Wie zukunftssicher ist dieses Geschäft?

Der Großteil des Glyphosat-Absatzes geht in die intensive Landwirtschaft Nord- und Südamerikas. Ein Zulassungsstopp in der EU hätte den drittgrößten Markt betroffen, indirekt aber möglicherweise auch Sojabauern in Argentinien und Brasilien von Glyphosat abbringen können, weil sie vom Export nach Europa abhängen. Monsanto selbst verkauft weit überwiegend in den USA, hätte also eher die Symbolwirkung einer negativen EU-Entscheidung befürchten müssen.

Neben den schädlichen Wirkungen auf die Artenvielfalt werden auch mögliche Gesundheitsfolgen - vor allem das höchst umstrittene Krebsrisiko - gegen Glyphosat angeführt. Die unklare Studienlage hat einige Staaten zu einem vorsorglichen Verbot veranlasst, den Anfang machte 2015 das kleine El Salvador.

Innerhalb der EU peilen einige skeptisch eingestellte Staaten eigenständige Auflagen an - die sind von der unionsweiten Zulassung unberührt. Frankreich hat ein Verkaufsverbot für Glyphosat an Gärtner bereits beschlossen, auch die Niederlande und Schweden gehören zu diesem Lager.

Selbst innerhalb der USA droht Ärger. So hat die kalifornische Gesundheitsbehörde Glyphosat auf eine Liste möglicher Krebserreger gesetzt. So steigen die Erfolgschancen von Sammelklagen.

Unabhängig von staatlichen Auflagen kommt der Einsatz von Glyphosat an Grenzen: Immer mehr Unkräuter entwickeln Resistenzen. Doch genau das garantiert das Potenzial für weitere Geschäfte. Denn so entsteht eine Nachfrage nach neuen Herbiziden - und neuem Saatgut, das wiederum diesen Herbiziden widersteht.

Und das sind die Alternativen

Gibt es Alternativen?

Darauf zielte die französische Initiative, die Glyphosat-Zulassung der EU nur um drei statt fünf Jahre zu verlängern, um Zeit für die Suche nach Alternativen zu gewinnen und zugleich Druck auf die Industrie für mehr Forschung zu machen.

Noch vor einem Jahrzehnt wurde nicht halb so viel Glyphosat versprüht wie derzeit (rund eine Million Tonnen pro Jahr weltweit). Offensichtlich ging es also auch einmal ohne. Allerdings gelten die meisten anderen verfügbaren Unkrautvernichtungsmittel als noch giftiger für Mensch und Umwelt und zugleich als weniger wirksam. Einige der Herbizide, die durch Glyphosat vom Markt verdrängt wurden, sind in der EU nicht mehr zugelassen.

Statt auf Chemie können die Landwirte natürlich auch auf mechanischen Einsatz gegen Unkraut setzen, etwa häufigeres Pflügen, Hacken, Abfackeln oder nachträgliche Trennung der Ernte von Unkraut. Allerdings sind all diese Methoden nicht nur arbeitsintensiver und teurer, sie bergen auch eigene Risiken wie die Erosion der Böden in Hanglagen oder die Freisetzung von klimaschädlichen Gasen. Alles auf biologische Landwirtschaft umzustellen, würde die Nahrung wohl massiv verteuern.

Dank digitaler Überwachung lassen sich Herbizide zielgerichteter, also in geringerer Menge einsetzen. Doch auch das kostet Geld - und wäre keine Antwort auf ein komplettes Verbot.

Neue Herbizide werden ständig in den Labors der Chemiekonzerne entwickelt. Bayer selbst hat eine Alternative namens Glufosinat-Ammonium unter dem Markennamen "Liberty" zur Marktreife entwickelt und sieht große Chancen auf nordamerikanischen Maisfeldern - bisher aber nur da.

Glyphosat ist aus Sicht der Agrochemie weiterhin das "Jahrhundertmittel".

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