Dienstag, 2. Juni 2020

Glosse Was die Lufthansa wirklich mit dem Staatsgeld plant

Geparkte Lufthansa-Jets in Frankfurt: Riesige Hangars müssen her, beispielsweise in den Weiten Mecklenburg-Vorpommerns.
Boris Roessler/dpa
Geparkte Lufthansa-Jets in Frankfurt: Riesige Hangars müssen her, beispielsweise in den Weiten Mecklenburg-Vorpommerns.

Seit dieser Woche ist es offiziell: Die Lufthansa verhandelt über Staatshilfe. Insgesamt neun Milliarden Euro will der Bund in die Fluglinie stecken, teils als Beteiligung, teils in Form von Krediten. Am Ende soll dem deutschen Staat ein Viertel des Unternehmens gehören, eine Vertretung im Aufsichtsrat vermutlich inklusive.

Doch was wird Deutschland dann machen mit seinem Einfluss bei Europas führender Airline (die, nebenbei bemerkt, laut Aktienmarkt zurzeit insgesamt weniger als vier Milliarden Euro wert ist)? Wo genau will der Staat hier im Wortsinn helfen?

Die Antwort fällt nicht leicht, denn die Zahl der Problemfelder und Notstände bei der Lufthansa Börsen-Chart zeigen ist groß. Doch manager magazin gibt gerne Orientierung. Hier ist - selbstverständlich exklusiv - eine Liste derjenigen Baustellen bei der Lufthansa, die zuallererst und mit höchster Priorität angegangen werden sollten:

1. Digitalisierung: Sowohl die Flugkapitäne als auch das Kabinenpersonal der Lufthansa gehen ihren Jobs immer noch auf geradezu schmerzhaft altmodische Weise nach - nämlich vor Ort, im Flugzeug.

Dabei könnten die Piloten problemlos noch auf ihren Gartenliegen in der Sonne verweilen, wenn die Corona-Krise längst Vergangenheit ist. Homeoffice für Flugzeug-Lenker heißt das - amerikanische Drohnenpiloten machen es schließlich längst vor.

"Meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Kapitän", tönt es dann künftig in den Maschinen der Lufthansa. "Ich begrüße Sie auf Ihrem Flug von Düsseldorf nach New York. Das Wetter während der Reise ist voraussichtlich sonnig und windstill - jedenfalls hier bei mir auf der Terrasse in Hamburg-Klein Flottbek."

2. Infrastruktur: Die meisten Lufthansa-Flugzeuge stehen zurzeit am Boden herum, wobei aus Platzmangel zum Teil Start- und Landebahnen zu Parkplätzen umgenutzt wurden. Während der Krise mag das als Notbehelf reichen. Allerdings ist jetzt schon klar, dass ein Großteil der Maschinen auch nach der Corona-Zeit nicht mehr gebraucht wird. Für diese Flieger müssen dauerhafte Unterbringungsmöglichkeiten her. Denkbar sind riesige Hangars, etwa in den Weiten Mecklenburg-Vorpommerns, in denen die Lufthansa Dutzende Verkehrsflugzeuge für viele Jahr einmotten kann.

3. Infektionssicherheit: Kein Wunder, dass Fluggesellschaften wie die Lufthansa zu den Unternehmen zählen, die durch die Corona-Krise am härtesten getroffen wurden - sie waren einfach nicht richtig darauf vorbereitet. Hätten die Airlines doch bloß schon früher begonnen, den mittleren Sitzplatz in ihren Maschinen freizulassen!

Wobei: Diese Idee zur Senkung der Infektionsgefahr, die derzeit in Luftfahrtkreisen diskutiert wird, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary bereits zu Recht als "idiotisch" gekennzeichnet. Denn sie geht nicht weit genug. Lufthansa-CEO Carsten Spohr denkt konsequenter: Er will in Zukunft auf Passagierflügen ausschließlich den mittleren Platz besetzen, und zwar lediglich in jeder zweiten Sitzreihe. Die andere Hälfte der Sitzreihen will Spohr aus den Flugzeugen entfernen und durch Spender für Desinfektionsmittel sowie Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit ersetzen. Das bedeutet zwar gewisse Verschiebungen in der Kosten-Nutzenrechnung des Unternehmens, wie Spohr aufgrund von Modellkalkulationen seiner Controller erfahren hat. Der Airline-Chef weiß bei seinem Vorhaben aber das Finanzministerium und - vielleicht wichtiger noch - das Robert Koch-Institut an seiner Seite.

4. Bezahlung: Das Lufthansa-Personal hat in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, aber niemand nahm die Appelle ernst: Die Mitarbeiter des Kranich-Konzerns sind chronisch unterbezahlt. Auch zwischenzeitig erstreikte Gehaltserhöhungen konnten daran nichts ändern. In den Gesprächen zwischen dem Lufthansa-Management und den Vertretern der Bundesregierung dürfte es daher vor allem um eins gegangen sein: Wie können wir möglichst viel Steuergeld in auskömmliche Gehälter für Flugkapitäne und Bordpersonal verwandeln? Die Summe von neun Milliarden Euro lässt erahnen: Es wurde eine zufriedenstellende Lösung gefunden.

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