Montag, 18. November 2019

Wachstum in Zeiten des Protektionismus Die Globalisierung ist nicht zu Ende

Schuhproduktion bei Adidas: Speedfactory ab 2020 mit 3-D-Druck
Hannah Hlavacek/Adidas AG/dpa
Schuhproduktion bei Adidas: Speedfactory ab 2020 mit 3-D-Druck

2. Teil: Mehr Umsatz durch Sharing

2. Standortunabhängige Angebote schaffen

Die digitale Vernetzung von Menschen, mobilen Geräten und Maschinen schafft neue Marktsegmente, die unabhängig von nationalen Grenzen existieren. Einfach weil globale digitale Plattformen es möglich machen, den Bedarf in vielen Ländern zu bedienen, ohne dort direkt tätig zu sein. Touristen und Geschäftsreisende stellen solch ein globales grenzüberschreitendes Marktsegment dar. Ihre Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen ist unabhängig von ihrem jeweiligen Standort.

Der chinesische Onlinebezahldienst Alipay, der zur Alibaba Börsen-Chart zeigen-Gruppe gehört, profitiert beispielsweise von der Reiselust der Chinesen. Alipay bietet seinen Service in vielen Geschäften in mehr als 100 Ländern an. In Deutschland unter anderem an Flughäfen und neuerdings auch bei der Drogeriemarktkette Rossmann. Chinesische Touristen können dort über die App genauso bezahlen wie zu Hause auch.

3. Mehr Umsatz durch Sharing-Modelle

Trotz potenzieller Nachfrage lassen sich vor allem investitionsintensive Produkte wie Landmaschinen oder medizinische Geräte in vielen Ländern nicht verkaufen, weil die Anschaffung zu teuer ist. Dennoch gibt es in diesen Märkten gute Absatzchancen. So vermietet das indische Unternehmen Trringo Landmaschinen an Bauern, sie sich niemals eigene Traktoren und Erntegeräte kaufen könnten.

Ein Hersteller von Computertomografie-Scannern berichtet, dass sein Pay-for-Performance-Geschäftsmodell doppelt so schnell wächst wie der traditionelle Verkauf der Scanner an Kliniken. Mit Hilfe solcher Sharing- oder Leihgeschäftsmodelle können Unternehmen in Schwellenländern vor allem im ländlichen Raum und bei kapitalschwächeren Kundensegmenten bislang unerschlossenes Potenzial heben.

4. Nah am Konsumenten

In der neuen Globalisierung rücken die Produktionsanlagen näher an den Konsumenten. Industrie-4.0-Technologien wie 3-D-Druck oder Robotik machen die Fertigung sehr viel flexibler als konventionelle Verfahren. Sie sind vollautomatisiert und lassen sich problemlos vom jedem Ort der Welt aus steuern. Damit ist es möglich, direkt in regionalen Absatzmärkten zu produzieren, ohne dort weit greifende Investitionen tätigen zu müssen.

Adidas Börsen-Chart zeigen ist gerade dabei, eine sogenannte Speedfactory zu testen. Nach den Plänen des Konzerns sollen Sportschuhe ab 2020 nicht mehr wie bisher vor allem in China, Indonesien und Vietnam von Hand genäht werden, sondern via 3-D-Drucker direkt in den jeweiligen Absatzmärkten vollautomatisiert entstehen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Produktion ist näher am Kunden, Wege und Produktionszeiten verkürzen sich, zudem reduzieren sich Zölle und Transportkosten.

Philips Börsen-Chart zeigen bietet in Zusammenarbeit mit dem NGO Imaging the World kostengünstige und einfach zu bedienende Telemedizindienste an. Das Unternehmen liefert Ultraschallgeräte in abgelegene Krankhäuser und Kliniken. Die Untersuchungsergebnisse werden über die Cloud übertragen, die Diagnostik kann also unabhängig von der Klinik erfolgen. Die Kunst liegt darin, Modelle zu entwickeln, die global funktionieren und gleichzeitig lokalen Anforderungen entsprechen.

Die neue Form der Globalisierung bedeutet keinen radikalen Bruch. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die mal schneller, mal langsamer voranschreitet. Es wird Rückschritte und Blockaden geben, aber eben auch disruptive Veränderungen. Der aufkommende Protektionismus mag bedrohlich wirken.

Die Digitalisierung bietet uns aber gleichzeitig Chancen, wenn wir globale Chancen und lokale Ansprüche miteinander verbinden können. Die globale Zukunft liegt nicht in grenzüberschreitenden Güterströmen, sondern in der intelligenten Verbindung von Menschen, Geräten und Maschinen, die ein wirklich standortunabhängiges globales Geschäftsmodell erlaubt. Unternehmen, die sich diesem Wandel anpassen können, werden auch in dieser neuen Welt Wettbewerbsvorteile haben.

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