Mittwoch, 19. Februar 2020

Preisverfall statt Elektroauto-Boom - Glencore reagiert im Kongo Weltgrößte Kobaltmine macht dicht

Tagebau Mutanda in der Demokratischen Republik Kongo
Bloomberg via Getty Images
Tagebau Mutanda in der Demokratischen Republik Kongo

Das Schürfen von Kobalt wird zum Problemgeschäft für den Rohstoffkonzern Glencore. Nachdem der Konzerngewinn im ersten Halbjahr um 92 Prozent einbrach, werde man das Bergwerk Mutanda in der Demokratischen Republik Kongo zum Jahresende vorübergehend stilllegen, teilte Glencore-Chef Ivan Glasenberg am Mittwoch am Firmensitz im Schweizer Ort Baar mit - "vor allem als Antwort auf niedrige Kobaltpreise".

Mutanda, in erster Linie ein Kupferbergwerk, fördert Kobalt als Nebenprodukt. Laut Schätzung der Macquarie Bank sorgt das Werk bislang für rund ein Fünftel des weltweiten Angebots an dem Metall, das unter anderem als Kathodenmaterial für Lithium-Ionen-Akkus gebraucht wird. Die Mehrheit der Kobaltproduktion findet im Kongo statt.

Glencore mit seinem Mehrheitsanteil an Mutanda und dem nahegelegenen Bergwerk Katanga hatte sich als großer Gewinner eines bevorstehenden Elektroautobooms positioniert, der die Nachfrage nach dem äußerst seltenen Kobalt anheizen sollte. In den vergangenen Jahren traten auch deutsche Konzerne als verzweifelte Bittsteller auf, um Lieferanten zu finden.

Doch in diesem Jahr haben sich die Machtverhältnisse am Rohstoffmarkt umgekehrt. Im Jahresvergleich hat sich der Preis für eine Tonne Kobalt auf 28.000 Dollar mehr als gedrittelt. Das "Wall Street Journal" erklärt das mit sinkender Nachfrage der Elektroindustrie, die beispielsweise weniger Laptops und Tablets fertigt, die ebenfalls Lithium-Ionen-Akkus benötigen - während zugleich das Rohstoffangebot stieg.

Der aktuelle Handelskrieg trägt seinen Teil zur Metallschwemme bei - doch keinen Rohstoff in Glencores Portfolio traf es annähernd so hart wie Kobalt. Für das Geschäft mit Kupfer außerhalb Afrikas und für Kohle berichtete Glasenberg von weiterhin sehr hohen Gewinnmargen. Der Kupfer- und Kobaltbetrieb im Kongo hingegen sei "wirtschaftlich nicht mehr vertretbar".

Die Betriebspause auf unbestimmte Zeit solle genutzt werden, um alternative Produktionsmethoden in Mutanda zu erproben und den Betrieb später wieder aufnehmen zu können. Langfristig sei man zuversichtlich, dass sich der Markt zu Glencores Gunsten drehen werde und man eine "Schlüsselrolle für globales Wachstum und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft" spielen könne.

In einem Brief an die Beschäftigten, aus dem die "Financial Times" zitiert, nennt Glencore als Grund für die Schließung neben dem gesunkenen Kobaltpreis auch höhere Kosten für Hilfsstoffe wie Schwefelsäure und Steuern infolge des neuen kongolesischen Bergbaugesetzes, mit dem der Staat - eines der ärmsten Länder der Erde - Anteil am Rohstoffboom nehmen will.

Wegen seiner Kongo-Aktivitäten muss sich Glencore auch noch Korruptionsermittlungen in den USA stellen. Außerdem pflegt der Konzern ein schwieriges Verhältnis zu den zahlreichen wilden Schürfern, darunter auch Kindern, im Land. Im Juni kamen mehr als 40 Bergleute beim Einsturz selbstgebauter Tunnel in Katanga ums Leben. Laut Glencore waren sie illegal auf das Werksgelände eingedrungen.

Der Konzern hat sich verpflichtet, für Arbeitssicherheit zu sorgen und Kinderarbeit zurückzudrängen. Das wirksamste Mittel dazu, heißt es auf der Konzernwebsite, seien die legalen und geregelten Arbeitsplätze in den Glencore-Werken. Zumindest in Mutanda ist diese Chance vorerst weg.

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