Freitag, 23. August 2019

Voltaren und Centrum künftig aus einer Hand Glaxo und Pfizer schmieden milliardenschweren Marktführer

Glaxo-Produkt Voltaren: GSK legt seine Sparte mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten mit dem US-Konzern Pfizer zusammen
picture alliance / dpa
Glaxo-Produkt Voltaren: GSK legt seine Sparte mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten mit dem US-Konzern Pfizer zusammen

Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline Börsen-Chart zeigen spaltet sich auf und schmiedet mit dem US-Rivalen Pfizer Börsen-Chart zeigen ein milliardenschweres Bündnis bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Pfizer werde seine Sparte in das entsprechende Geschäft von Glaxo einbringen, teilten die beiden Firmen am Mittwoch mit. Beide Sparten zusammen kommen auf einen Umsatz von gut 9,8 Milliarden Pfund (10,9 Milliarden Euro). Die Behörden und die GSK-Aktionäre müssen dem Deal noch zustimmen.

Am Aktienmarkt kommt der Deal gut an: Die Aktie der Briten steigt im frühen Handel zeitweise um über 6 Prozent. Das ist der höchste Tagesgewinn seit über 10 Jahren. Analysten begrüßen das Einsparpotential und die Chance auf höhere Margen. Pfizer bringt Medikamente wie das Schmerzmittel Spalt, aber auch Verdauungsmittel und Vitaminpräparate wie Centrum mit in das Joint Venture. Bei Glaxo sind es Marken wie Sensodyne, Fenistil oder Voltaren.

GSK soll mit 68 Prozent die Mehrheit an dem neuen Unternehmen für nicht verschreibungspflichtige Mittel für Apotheke und Supermarkt halten. Der Abschluss der Transaktion wird in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres erwartet. Innerhalb von drei Jahren nach dem Abschluss sei ein Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens geplant. Innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss der Transaktion kann Glaxo alleine entscheiden, ob und wann das Gemeinschaftsunternehmen an die Börse gebracht wird. Danach hätte Pfizer ein Mitspracherecht.

Gemeinschaftsunternehmen wird wohl neue Nummer eins

Glaxo-Chefin Emma Walmsley, die 2017 das Ruder übernommen hatte, formt den Pharmakonzern damit deutlich um. Einige Investoren hatten bereits eine Aufspaltung gefordert, das hatte Walmsley bislang aber zurückgewiesen und betont, dass der Vorstand hinter der Struktur von Glaxo stehe.

Der mit Pfizer angekündigte Deal sei eine "einmalige Gelegenheit", erklärte sie nun. Mit der Zusammenlegung der beiden Geschäfte werde ein Marktführer bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten mit großem Abstand zur Konkurrenz geschaffen. Glaxo könne dadurch zudem Investitionen in seine Pharma-Forschung besser planen. Walmsley sagte, der Deal habe einen "unvermeidlichen Einfluss" auf Arbeitsplätze, sorge aber auch für Kosteneinsparungen in der Beschaffung und in der gesamten Lieferkette.

Das Einsparpotenzial wird von den Unternehmen auf eine halbe Milliarde Pfund ab dem Jahr 2022 prognostiziert. Die Analysten von Jefferies erwarten höhere Margen. Nach ihren Berechnungen wird das Gemeinschaftsunternehmen die weltweite Nummer 1 im Consumer-Healthcare-Markt mit einem Marktanteil von 7,2 Prozent. Zudem sei es wichtig für die Investoren, dass Glaxo die Dividendenerwartungen für das laufende Jahr und 2019 bestätigt hat.

Rezeptfreie Medikamente bringen nur wenig Rendite

Pfizer sucht schon länger nach einer Lösung für seine Consumer-Healthcare-Sparte und hätte bei einem Verkauf auf einen Preis von bis zu 20 Milliarden Dollar hoffen können. Im Oktober 2017 hieß es, man suche nach "strategische Alternativen". Im März dieses Jahres wurde Pfizer die Sparte nicht los, unter den potentiellen Käufern soll dem Vernehmen nach auch GlaxoSmithKline gewesen sein. Die Briten hatten erst im Frühjahr ihr Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten weiter ausgebaut und für 13 Milliarden Dollar die Beteiligung der Schweizer Novartis an dem Bereich von 36,5 Prozent gekauft.

Die Trennung von den rezeptfreien Medikamenten ist in der Pharmabranche derzeit groß in Mode. Die sogenannten OTC-Geschäfte ("Over the Counter") bringen typischerweise nur kleinere Margen. Zugleich verschlingt die Entwicklung neuer Pharma-Blockbuster viel Geld, weshalb Randgeschäftsverkäufe finanzielle Erleichterung bringen sollen. Der Leverkusener Bayer-Konzern Börsen-Chart zeigen leidet deshalb bereits seit längerem unter mauen Geschäften in dem Bereich. Die Darmstädter Merck KGaA Börsen-Chart zeigen hatte dieses Frühjahr den Schlussstrich gezogen und ihre rezeptfreien Gesundheitsprodukte für 3,4 Milliarden Euro an Procter & Gamble Börsen-Chart zeigenverkauft.

mg/dpa-afx, rtr

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