2016 ist das Jahr der Kabale und Liebe in deutschen Familienkonzernen Aldi, Weber, Oetker - Familienunternehmen im Clinch

Mal ist es ein Streit zwischen Brüdern, mal zwischen Vater und Sohn - die Macht in Deutschlands Familienunternehmen ist nicht nur bei Aldi umkämpft. Die folgenden Beispiele zeigen, dass der gleiche Nachname oft die einzige Gemeinsamkeit ist.
Von Laura Bethke
Machtkampf bei Aldi-Nord: Gründersohn Theo Albrecht liegt mit der Witwe seines verstorbenen Bruders Berthold, Babette Albrecht (rechts), im Clinch

Machtkampf bei Aldi-Nord: Gründersohn Theo Albrecht liegt mit der Witwe seines verstorbenen Bruders Berthold, Babette Albrecht (rechts), im Clinch

Foto: manager magazin; dpa

Im Machtkampf um den Einzelhandelskonzern Aldi-Nord hat Gründersohn Theo Albrecht junior nachgelegt. "Mein Bruder würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft", gab er dem "Handelsblatt" zu Protokoll. Sein erstes Interview, eine Abwendung von der traditionellen Verschwiegenheit der Familienfirma - und das nur, um gegen die Witwe seines Bruders Berthold und deren fünf Kindern auszuteilen.

"Die - teilweise peinlichen - Auftritte meiner Schwägerin in der Öffentlichkeit und auch die zahlreichen, von ihr geführten Prozesse sind eine Belastung für unser Unternehmen", urteilt Theo Junior über seine Schwägerin Babette. Er kämpfe für Bertholds Testament und gegen eine Satzungsänderung. Nach der "könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen".

Starke Worte. Zuvor hatte "Der Spiegel" bereits aus einem Schreiben Albrecht juniors an Babette zitiert, sie sei "eine Belastung für unser Unternehmen und für alles, wofür unser Unternehmen steht".

Nach Angaben des Spiegel heißt es in dem Schreiben weiter: "Wenn Du Deine ‚rein persönlichen Motive nicht den Interessen unseres Unternehmens unterzuordnen bereit bist, müssen wir uns trennen." In einem anderen Brief drohte Albrecht junior: "Ein von Aldi völlig losgelöstes Leben ist Dir und den Kindern nur möglich, wenn Ihr eure Verbindung zu Aldi durch Kündigung der Gesellschaftsverträge … beendet". manager magazin hatte bereits im Dezember 2014 vom Machtkampf im Aldi-Clan ausführlich berichtet.

Darboven: Vater Albert lässt sich Zeit, Sohn Arthur kocht

Arthur E. Darboven drängt seinen Vater Albert Darboven, ihm die Firmenleitung zu überlassen

Arthur E. Darboven drängt seinen Vater Albert Darboven, ihm die Firmenleitung zu überlassen

Foto: Getty Images; DPA

Noch nicht einmal darüber, wie sie zueinander stehen, sind sich Vater und Sohn Darboven einig. "Wir haben ein ordentliches Verhältnis", sagt der Vater. Der Sohn hingegen ist entrüstet, als der Senior bereits überschriebene Firmenanteile zurückfordert. "Ich wusste nicht, dass das Verhältnis derart kaputt war." Er war 2008 nach Meinungsverschiedenheiten aus der Kaffeedynastie J.J. Darboven ausgeschieden.

Tönnies: Bei Deutschlands größter Schlachterei kann nur ein Mediator helfen

In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital" fordert Arthur Darboven nun erneut seine Position ein : "Ich stehe für die Nachfolge zur Verfügung". Vater Albert denkt jedoch nicht daran, in absehbarer Zeit den Chefsessel abzugeben. Auch mit seinen 80 Jahren ist der Patriarch noch im Unternehmen präsent. Er hat als mögliche Nachfolge-Regelung bereits eine Stiftung ins Spiel gebracht, die die Mehrheit der Firma hält. Ganz zum Missfallen von Sohn Arthur: Er lehnt ein Stiftungsmodell ab.

Robert Tönnies klagt gegen seinen Onkel Clemens Tönnies - jetzt soll ein Mediator schlichten

Robert Tönnies klagt gegen seinen Onkel Clemens Tönnies - jetzt soll ein Mediator schlichten

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Friso Gentsch/ dpa

Bis vor das Landgericht Bielefeld hat es der Streit innerhalb der Familie Tönnies um den gleichnamigen Fleischbetrieb geschafft. Hier heißt es Onkel Clemens gegen Neffen Robert. Mehrere außergerichtliche Einigungsversuche waren kurz vor Vertragsunterzeichnung gescheitert - die Kluft zwischen den beiden Parteien ist tief.

Das Gericht hat bei Verhandlungen im März als ersten Schritt einen Mediator verordnet, um den Streit über die Ausrichtung des Unternehmens beizulegen. Die Vorstellungen der beiden Männer sind verschieden, beide sind jedoch 50-prozentige Gesellschafter. Der Streit war eskaliert, als Robert Tönnnies eine frühere Schenkung von Firmenanteilen an seinen Onkel zurückforderte. Clemens Tönnies stellte sich dagegen - Robert hätte sonst eine Mehrheit des Unternehmens. Jetzt muss das Gericht klären, ob Firmenanteile übertragen werden.

Dr. Oetker - Alfred versus August

August Oetker hat als Vorsitzender des Beirats klare Vorstellungen für die Zukunft des Familienunternehmens

August Oetker hat als Vorsitzender des Beirats klare Vorstellungen für die Zukunft des Familienunternehmens

Foto: DPA

Bei der Familiendynastie Oetker herrscht derzeit Waffenruhe - nach langen und zerrüttenden Konflikten . Mal wieder ging es um Macht, mal wieder stritten sich zwei Männer eines Familienunternehmens. Die Nachfolge des Noch-Konzernchefs Richard Oetker galt es zu klären.

Die Hauptakteure sind die Halbbrüder August Oetker (71), Vorsitzender des Beirats, und Alfred Oetker (48), beide Söhne des Patriarchen Rudolf-August Oetker (1916-2007). Alfred sah sich lange selbst als Nachfolger Richards, Beirats-Chef August wollte dies aber verhindern. Er will lieber einen familienfremden Manager im Kommandostand sehen.

Im Januar konnten sich die Parteien dann vorerst auf eine Lösung einigen. Obwohl mit 65 bereits im rentenfähigen Alter, bleibt Richard Oetker Konzernchef. Alfreds Streben nach mehr Macht wird besänftigt, denn er bekommt als stellvertretender Vorsitzender des Beirats eine tragende Rolle.

Gerry Weber - der Patriarch zieht weiterhin die Fäden

Vor rund einem Jahr übernahm Ralf Weber den Chefposten von seinem Vater Gerry Weber: Der neue CEO muss nicht nur gegen einen Gewinneinbruch des Modekonzerns kämpfen und sich um die Verjüngung der Marke kümmern, sondern sich auch gegen den im Hintergrund weiterhin aktiven Patriarchen behaupten.

Die Skepsis gegenüber seinem Sohn machte Gerhard Weber deutlich, indem er nach seinem Rückzug zunächst Finanzvorstand David Frink als Vorstandsvorsitzenden berief. Nun arbeitet Frink weiterhin als Finanzvorstand, während Ralf als CEO die Verantwortung für die Modernisierung der Marke übernommen hat. Seinen Einfluss weiß Vater Gerhard zu bewahren - er ist als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat eingerückt und hält zudem 30 Prozent der Firmenanteile.

Tchibo: Es geht um Milliarden

Mit Kaffee wurdendie Herz-Erben reich. Inzwischen verkauft Tchibo viel mehr als braune Bohnen

Mit Kaffee wurdendie Herz-Erben reich. Inzwischen verkauft Tchibo viel mehr als braune Bohnen

Foto: DPA

Der Fall Tchibo liegt zwar etwas länger zurück, ist aber ein Musterbeispiel dafür, wie es in einem Familienkonzern krachen kann. Tchibo wurde 1949 von Max Herz gegründet - er hat fünf Kinder, von denen drei, Joachim, Michael und Wolfgang Herz, gemeinsam die Kaffeekette Tchibo und den Konzern Beiersdorf besitzen.

Ein lange schwelender Konflikt zwischen Joachim und dem Rest der Familie eskalierte 2007 auf einer Hauptversammlung, als erstmals ein firmenfremder Aktionär auf der Hauptversammlung mit vier Aktien der Tchibo Holding AG erschien. Da Tchibo nicht börsennotiert ist, muss eines der Familienmitglieder, denen die gesamten Aktien gehören, den Verkauf zu verantworten haben.

Die langjährige Fehde zwischen Joachim auf der einen und seinen Brüdern Wolfgang und Michael auf der anderen Seite lässt keine Zweifel offen: Joachim hat die Aktien verkauft. Da die 2015 verstorbene Mutter der drei, der ebenfalls 15 Prozent des Unternehmens gehörten, auf der Seite von Wolfgang und Michael stand, blieb der große Putsch allerdings aus - Joachim hatte für einen Umschwung zu wenig Stimmrechte.

Den Grundstein für den Streit hatte Vater Max Herz selbst gelegt. Als er 1965 starb, hinterließ er seinen Kindern unklare Erbverhältnisse. Er wolle, dass "zwei seiner fähigsten Jungen" die Mehrheit halten. Mit grade einmal 25 Jahren übernahm sein ältester Sohn Günter die Führung - mit großem Erfolg. Tchibo und Günters Vermögen wuchsen - und die übrigen Brüder blieben im Schatten.

Darauf folgte der Putsch gegen Günter Herz: Ende 2000 stimmten Mutter Ingeburg, Michael und Joachim gegen eine Vertragsverlängerung des erfolgreichen Tchibo-Chefs - drei Jahre später verkauften sowohl Günter als auch seine Schwester Daniela Herz ihre Anteile komplett an ihre Geschwister Michael und Wolfgang. Joachim schlug die Option aus, 25 Prozent der Holding-Anteile zu übernehmen und verlor damit jeden Einfluss. Einen Machtverlust, den er später verzweifelt rückgängig zu machen versuchte. Nun haben Michael und Wolfgang Herz bei Tchibo das Sagen - und Günter Herz operiert äußerst erfolgreich außerhalb der Familie mit seiner Investmentgesellschaft Mayfair.

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manager-magazin.de / Wochit
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