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Nach Air-Berlin-Pleite Germania beantragt Insolvenz - Flugbetrieb eingestellt

Nach Air Berlin droht die Pleite einer weiteren größeren Fluggesellschaft in Deutschland. Der Ferienflieger Germania hat in der Nacht Insolvenz angemeldet und den Betrieb eingestellt. Germania steht nicht allein, auch andere Billigflieger haben Probleme.
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Germania-Pleite: Diese Flughäfen sind betroffen

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Der Ferienflieger Germania hat Insolvenz beantragt. Bereits in der Nacht zum Dienstag wurde nach Angaben von Germania der Flugbetrieb eingestellt. "Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen", sagte Firmenchef Karsten Balke. Als Konsequenz daraus bleibe nur der Antrag auf Insolvenz.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien informiert worden. Balke bedankte sich bei ihnen. Bei den Fluggästen entschuldigte er sich. Diejenigen, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hätten, sollten sich an ihren Reiseveranstalter wenden. Passagiere, die direkt bei Germania gebucht hätten, hätten aufgrund der gültigen Gesetzeslage jedoch keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung.

Wegen der Einstellung des Flugbetriebs bei der Fluggesellschaft Germania sind am Dienstag acht Flüge aus Tegel und Schönefeld annulliert worden. Wie eine Sprecherin Berliner Flughafengesellschaft mitteilte, wurden außerdem insgesamt sieben Ankünfte der Airline in Berlin gestrichen. Ob es zu einem Andrang von wartenden Fluggästen kam, war zunächst nicht bekannt.

Germania hat den Angaben zufolge den Insolvenzantrag am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Dieser gelte für die Germania Fluggesellschaft mbH und ihre Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Die Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle seien nicht betroffen.

Mitte Januar hieß es noch, das Geld reicht

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Am 19. Januar teilte die Fluggesellschaft mit, man habe eine wichtige Zusage für mehr als die angestrebten 15 Millionen Euro erhalten. "Die entsprechenden Mittel sollen uns in der nächsten Woche zufließen", sagte Balke damals. Damit sei die mittel- und langfristige Perspektive der Germania als unabhängige mittelständische Fluggesellschaft gesichert, hieß es. Der Flugbetrieb ging planmäßig weiter. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt.

Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".


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Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus NRW gegeben, der hoffen ließ. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania kommentierte den Bericht nicht. In der Nacht folgte dann die Mitteilung vom Insolvenz-Antrag.

Das Problem der Billigflieger

Insbesondere unter den sogenannten Billigfliegern herrscht ein enormer Wettbewerb mit erheblichen Überkapazitäten auf vielen Strecken. Nicht selten kalkulieren die Gesellschaften bei vergleichsweise dünner Kapitaldecke äußerst knapp, um sich am Markt behaupten zu können.

Die Maschinen der Germania bleiben Großteils am Boden

Die Maschinen der Germania bleiben Großteils am Boden

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Über niedrigste Ticketpreise versuchen sie ihre Maschinen möglichst komplett zu füllen. Steigen dann unerwartet stark die Kerosinpreise oder legt ein Streik den Flugbetrieb lahm, bleiben dringend notwendige Einnahmen aus, was die Fluglinie schon in Turbulenzen bringen kann, wenn sie nicht über ausreichend Rücklagen verfügt.

Doch selbst größere Billigfluggesellschaften wie die Norwegian Air, die zu Hochzeiten rücksichtslos auf Wachstum setzte, flog zuletzt in eine tiefe Krise und hofft nun auf seine Rettung durch zwei norwegische Investoren. Norwegian beförderte im vergangenen Jahr 37 Millionen Passagiere und ist damit nach Ryanair und Easyjet der drittgrößte unabhängige europäische Billigflieger.

Alarmzeichen auch von Ryanair und Norwegian Air

Unmissverständliche Alarmzeichen sandte erst am Montag auch der größte Billigflieger Ryanair aus. Der irische Airline trudelte im vergangenen Quartal in die Miesen. Ryanair-Chef Michael OLeary warnte davor, die bereits gesenkten Jahresziele nicht erfüllen zu können. Er geht davon aus, dass auch 2019 mit überschüssigen Kapazitäten auf der Kurzstrecke zu rechnen sei.

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Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

rei mit Nachrichtenagenturen
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