Montag, 20. Januar 2020

Prozess gegen Waffenschmiede Gericht möchte Heckler & Koch-Hauptaktionär sprechen - aber wo ist er?

Polizist mit Maschinenpistole MP5 von Heckler & Koch

Bei der Waffenschmiede Heckler & Koch geht es weiter merkwürdig zu. Aktuelle Wendung: In einem 2016 gestarteten Gerichtsverfahren gegen Heckler & Koch geht die Suche nach dem Mehrheitsaktionär der Waffenschmiede, Andreas Heeschen, weiter. Das Landgericht Rottweil sähe Heeschen gerne im Gerichtssaal - allein, es kann ihn offenbar nicht ausfindig machen.

Es solle "noch einmal der Versuch unternommen werden [...], den bisher nicht zu ladenden Zeugen zu vernehmen", teilte das Landgericht Rottweil am Mittwoch mit. Ein für diesen Freitag geplanter Verkündungstermin wurde abgesagt. Bei dieser Gelegenheit hätte das Gericht das Verfahren einstellen können. Doch die zuständige Kammer für Handelssachen bleibt hartnäckig. Wann es mit der mündlichen Verhandlung weitergeht, steht noch nicht fest (Aktenzeichen 5 O 59/16 KfH).

In dem Verfahren geht es um die Klage eines Ex-Geschäftsführers von Heckler & Koch namens Nicola Marinelli auf Auskunft. Der Manager hatte Ende 2015 seinen Job verloren. Nach seiner Lesart geschah dies, weil sich die Machtverhältnisse bei der Waffenschmiede geändert hatten - nicht mehr sein Förderer Heeschen, sondern ein französischer Investor habe seither das Sagen gehabt. In seinem Arbeitsvertrag hatte sich Marinelli zusichern lassen, dass ihm bei einem Kontrollwechsel eine hohe Abfindung zustand.

Um seine Forderung durchzusetzen, versucht der Ex-Chef seit Jahren, den Mehrheitseigentümer Heeschen als Zeugen laden zu lassen. Doch Briefe des Gerichts in die Schweiz und nach Großbritannien konnten nicht zugestellt werden.

Ringen um Aufsichtsratschef Kujat

Unlängst hatte Heeschen der Presse indes mitgeteilt, dass er sich keinesfalls dem Gericht entziehe und dass er in Großbritannien einen festen Wohnsitz habe, wo er "nachweislich erreichbar" sei. Heeschen betont, dass es "zu keinem Zeitpunkt einen Wechsel des Mehrheitsaktionärs der H&K AG" gegeben habe. Allerdings ist unstrittig, dass Heeschen seit langem die Mehrheit der Aktien hält. Marinelli mutmaßt aber, dass der französische Investor andere finanzielle Druckmittel gehabt habe.

Erst vor Kurzem war ein Machtkampf bei Heckler & Koch publik geworden, der den Aufsichtsratschef des Unternehmens, den früheren Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat, unter Druck bringt, und bei dem offenbar ebenfalls jener französische Investor eine Rolle spielt. Wie aus der Webseite des Bundesanzeigers hervorgeht, will ein Großaktionär der Waffenschmiede den 77-Jährigen aus dem Kontrollgremium abberufen lassen. Dies soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember geschehen.

Der entsprechende Antrag wurde gestellt von einer französischen Firma namens "Compagnie de Developpement de L'EUA S.A.", kurz CDE. Gründe für den Antrag nannte der Aktionär nicht.

Heckler & Koch ist in einer kritischen Phase. Nach tiefroten Zahlen im vergangenen Jahr steuert die Firma 2019 zwar wieder einen kleinen Gewinn an, bleibt aber hoch verschuldet.

Der Großaktionär CDE ist für die Öffentlichkeit bisher ein unbeschriebenes Blatt. Er hält mindestens 5 Prozent des Stammkapitals - wären es weniger, wäre ihr Antrag auf das Abberufungsvotum nicht angenommen worden. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus gut informierten Kreisen erfuhr, steht der französische Investor Nicolas Walewski hinter dem Unternehmen. Er ist schon seit geraumer Zeit bei H&K involviert, dies lange im Einklang mit dem Mehrheitsaktionär Andreas Heeschen. Offenbar kam es zum Bruch der beiden - warum, ist unklar.

cr/dpa-afx

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