Cash-Reserven der US-Unternehmen 62 Milliarden Dollar? Kleinigkeit!

Bayer bietet 62 Milliarden Dollar für Monsanto - und wird wegen der Höhe des Gebots abgestraft. Ein Vergleich mit den Cash-Beständen von US-Unternehmen zeigt jedoch, dass noch viel größere Deals möglich sind - und auch Bayer und BASF selbst zu Gejagten werden können.
Das Geld ist da: Allein die reichsten 5 US-Konzerne sitzen auf mehr als 500 Milliarden Dollar Cash, das meiste davon im Ausland

Das Geld ist da: Allein die reichsten 5 US-Konzerne sitzen auf mehr als 500 Milliarden Dollar Cash, das meiste davon im Ausland

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Cash-Könige: Diese Konzerne schwimmen im Geld

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Geld ist billig, und es ist bei vielen Konzernen im Überfluss vorhanden. Das 62-Milliarden-Dollar-Gebot für Monsanto könnte für Bayer ein teures, kaum kalkulierbares Abenteuer werden, lautet die vorherrschende Meinung an der Börse: Seit vor vier Wochen die ersten Gerüchte über ein mögliches Bayer-Engagement aufkamen, hat die Bayer-Aktie fast ein Viertel ihres Börsenwertes verloren. Nach der Übernahme des deutschen Pharmakonzerns Schering und des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten des US-Konkurrenten Merck könnte sich der Pharmariese aus Leverkusen an einer weiteren Übernahme verschlucken, so die Befürchtung.

Die Offerte des neuen Bayer-Chefs Werner Neumann, erst wenige Wochen im Amt, ist in der Tat gewagt. Bayer braucht eine Kapitalerhöhung, um den Deal zu stemmen. Es wäre der größte Zukauf eines deutschen Konzerns in der Unternehmensgeschichte, weit teurer als die unselige Übernahme (pardon: Fusion) von Chrysler durch Daimler.

Und doch: Eine 62-Milliarden-Dollar-Übernahme wäre zwar ein großer Deal, aber im weltweiten Fusions- und Übernahmefieber sind noch viel größere Deals möglich. Nicht nur durch chinesische Staatsfonds, die fast unbegrenzt tiefe Taschen haben und für die eine Übernahme von Aixtron oder Kuka nur ein kleines Appetithäppchen ist.

Auch in den USA sitzen Unternehmen auf extrem viel Cash und lauern auf Übernahmechancen: Die US-Techriesen Apple, Microsoft, Alphabet/Google und Cisco könnten eine 62-Milliarden-Dollar-Übernahme locker aus ihren Bargeldbeständen bezahlen, Apple  könnte sich Monsanto sogar dreimal kaufen.

1,7 Billionen Dollar Cash - 5 Champions mit 50 Milliarden Cash und mehr

Nach einer Analyse von Moody´s Investor Service haben sich die Bargeldbestände der US-Unternehmen seit dem Jahr 2007, dem M&A-Boomjahr vor Beginn der Finanzkrise, mehr als verdoppelt. Die Cash-Reserven der 1000 von Moody´s untersuchten US-Firmen (ausgenommen Finanzsektor) betragen inzwischen 1,7 Billionen Dollar: 72 Prozent dieser Summe ist im Ausland gebunkert und in den USA noch nicht versteuert.

Knapp ein Drittel dieser Summe wird allein von den fünf US-Unternehmen mit den höchsten Bargeldbeständen gehalten:

- Apple  hortet 216 Milliarden Dollar, davon 92 Prozent unversteuert im Ausland

- Microsoft  hat Cash-Reserven in Höhe von 103 Milliarden Dollar, davon 94 Prozent unversteuert im Ausland

- Alphabet  (vormals Google) hat 73 Milliarden Dollar in der Portokasse, davon "nur" 59 Prozent unversteuert im Ausland

- Der Netzwerkanbieter Cisco  hält rund 60 Milliarden Dollar Cashreserven, davon 94 Prozent im Ausland

- der SAP-Konkurrent Oracle  sitzt auf 52 Milliarden Dollar, davon 87 Prozent im Ausland.

Die Cash-Bestände dieser 5 Tech-Unternehmen sowie das rapide Wachstum des Geldberges in den vergangenen Jahren zeigen: Eine Übernahme in der Größenordnung von 62 Milliarden Dollar zu stemmen, ist nicht mehr das Problem.

Deutlich schwieriger ist es da schon, dieses Geld für Übernahmen einzusetzen und obendrein noch Steuern zu sparen. Bringen die Unternehmen ihre Auslands-Geldreserven heim in die USA, werden Steuern von bis zu 40 Prozent darauf fällig.

Übernahme als Steuersparmodell: Pfizers Probleme mit der geplanten "Inversion"

Pfizer/Allergan: Probleme mit der "Inversion"

Eine beliebte Methode, diese Besteuerung zu umgehen, war in den vergangenen Jahren die Übernahme eines ausländischen Unternehmens oder Unternehmensteils durch eine so genannte "Inversion": Auch der US-Pharmakonzern Pfizer wollte den Konkurrenten Allergan für 160 Milliarden Dollar übernehmen und gleichzeitig damit Steuern sparen, weil der fusionierte Riese Pfizer/Allergan seinen Sitz im Steuerparadies Irland gehabt hätte.

Es wäre die größte Übernahme in der Geschichte der Pharmaindustrie gewesen - fast dreimal so groß wie der geplante Deal zwischen Bayer und Monsanto.

Doch in den USA regt sich zunehmend Widerstand gegen das Steuer-Inversionsmodell, die Regeln für ein solches Vorgehen wurden von der Obama-Administration verschärft. Pfizer sagte die geplante Übernahme von Allergan schließlich ab.

Doch der geplante Pfizer/Allergan-Deal bedeutet nicht, dass die schwerreichen US-Riesen ihre Geldreserven in Zukunft ausschließlich für Aktienrückkäufe einsetzen werden. Zu stark ist in vielen Branchen der Kampf um weltweite Marktanteile, zu groß ist die Versuchung, mit Hilfe von Übernahmen zu wachsen. Auch die deutschen Konzerne waren in den vergangenen Jahren als Unternehmenskäufer aktiv - auch ohne Steuervorteile.

Apple hat seine Cash-Reserven seit 2010 übrigens mehr als versechsfacht. Die Konzernchefs hoffen weiterhin auf Steuererleichterungen, wenn sie ihr Geld nach Hause in die USA bringen - bis dahin dürften die Geldberge weiter wachsen. Und selbst wenn Konzerne wie Apple, Alphabet oder Microsoft fast 40 Prozent Steuern bei der Rückführung des Geldes zahlen sollten - für eine Übernahme im Wert von 62 Milliarden Dollar reichen die Bar-Reserven immer noch locker.

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Cash-Könige: Diese Konzerne schwimmen im Geld

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