Kunstwerk-Kauf auf Kredit Pump and Dump am Kunstmarkt

Rekordpreis bei Christie´s: Das Bild "Liegender Akt" von Modigliani wechselte für sagenhafte 170 Millionen Dollar den Besitzer

Rekordpreis bei Christie´s: Das Bild "Liegender Akt" von Modigliani wechselte für sagenhafte 170 Millionen Dollar den Besitzer

Foto: AFP

Für wohlhabende Anleger mit Interesse an moderner Kunst gibt es jetzt ein neues Anlagevehikel. Eine renommierte Schweizer Bank hat sich mit einem ebenfalls renommierten amerikanischen Finanzinvestor zusammengetan, um Kunstkäufern Kredite zu gewähren, die ausschließlich mit den erworbenen Kunstwerken gesichert sind. Dabei gehen beide Partner selbstverständlich davon aus, dass der Wert der hereingenommenen Kunstwerke nur steigen kann.

Und genau diese Annahme könnte auch falsch sein. Es trifft sich gut, dass fast zur selben Zeit ein Bild des italienischen Künstlers Amedeo Modigliani in New York für mehr als 170 Millionen Dollar verkauft wurde und damit einen absoluten Höchstpreis in der Kunstgeschichte erzielt hat. 170 Millionen Dollar entsprechen ungefähr 170 Einfamilienhäusern im Vordertaunus oder im Landkreis Starnberg.

Wenn Preise historische Höchstkurse erreichen und anschließend noch auf Kredit weiter spekuliert werden soll, ist dies ein Alarmzeichnen. Manche erinnern sich vielleicht noch an den Herbst 1989, als ein japanischer Investor für ein Gemälde von Van Gogh für fast 100 Millionen Dollar den Zuschlag in einer Auktion erhielte. Kurz danach begannen die Aktienkurse in Japan zu fallen, der japanische Kunde bezahlte nicht und der Van Gogh verbrachte noch viele Jahre im Tresor des Auktionshauses.

Zur Person

Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

Auch damals, Ende der 80er Jahre, wurde viel Werbung dafür gemacht, dass Privatleute in moderne Kunst als Geldanlageform investieren sollten, teils sogar auch auf Kredit. Zu den großen Profiteuren damals und auch heute gehört der internationale Kunsthandel, der auf diese Weise immer höhere Preise durchsetzen kann und auch für zweit- und drittklassige Ware sehr hohe Preise bewilligt bekommt.

Dies ermöglicht das Räumen der Lager und das Propagieren neuer, bis dato wenig bekannter Künstler als kommende Superstars, deren Kunstwerke im Laufe der Zeit sehr wertvoll würden. Dieses Verfahren wiederholt sich mit schöner Regelmäßigkeit.

Am Aktienmarkt heißt dies "Pump and Dump", auf deutsch: Den Markt aufpumpen und anschließend alles auf den Markt werfen, was der noch aufnehmen kann, oder bis alle Lager geräumt sind.

Auch in China wurde die Blase aufgepumpt

Am innerchinesischen Aktienmarkt hat die Regierung im vergangenen Jahr Privatleuten die Möglichkeit eröffnet, auf Kredit Aktien zu kaufen. Dabei wurden Aktien bis zu 50 Prozent des Kurswertes beliehen. Wie nicht anders zu erwarten, entstand daraus eine große Spekulationswelle. Ähnlich wie bei uns 1998 und 1999 erzielten große und kleine, gute und schlechte Gesellschaften Rekordkurse. Am innerchinesischen Aktienmarkt gibt es nicht die bei uns bekannten Bewertungsgrundsätze von Kursgewinnverhältnis, Dividendenrenditen, und viele andere Bewertungsrelationen. Es wurde einfach ins Blaue hinein spekuliert.

Die Ankündigung neuer Verfahren oder Patente oder Erschließung neuer Märkte reichte schon, um einem bis dato unbekannten Unternehmen einen großen Kursschub zu geben. Dies endete, wie zu erwarten war, im Sommer dieses Jahres. Innerhalb weniger Tage fielen die Kurse am innerchinesischen Aktienmarkt um 30 Prozent, bis dann schließlich die Regierung sich zum Eingreifen genötigt sah und anfing, Kurse zu stützen.

Wenn am Kunstmarkt die Blase platzt, wird keine Notenbank stützen

Wenn am Kunstmarkt einmal wie jetzt eine kräftig aufgepumpte Blasen platzt, gibt es allerdings keine chinesische, amerikanische oder europäische Zentralbank, die dann die Kurse stützt.

Moderne Kunst eignet sich nicht als Spekulationsobjekt. Falls der Kunstmarkt zu bröckeln beginnt, was erfahrungsgemäß durch irgendein mit dem Markt selbst überhaupt nicht zusammenhängendes Ereignis geschieht, werden die Preise stark fallen. Auslöser für starke Rückgänge in diesen Märkten war zum Beispiel 1990 der Einmarsch von Sadam Hussein in Kuwait.

Es können sich auch Moden oder Stile ändern, oder wie auch schon mehrfach erlebt, ein richtig großer Kunstfälscherskandal den Käufern das Interesse nehmen. In diesem Fall werden die Werke erstklassiger Qualität, wie von Cezanne, Monet, Picasso und einigen anderen dann vielleicht nicht mehr wie heute 5 bis 10 Millionen Euro wert sein, sondern vielleicht nur noch 1 oder 3 Millionen Euro. Bilder oder andere Kunstwerke soll man sowieso nur aus Freude am Kunstwerk und nicht zur Geldanlage kaufen.

Die meisten Preise von bis vor wenigen Jahren Unbekannten, aber angeblich stark im Kommen befindlichen Künstlern werden dann atomisiert. Wer erinnert sich heute noch an Vasarely oder HAP Grieshaber aus den 1970er Jahren? Zur Geldanlage - und niemals auf Kredit - sind nur zeitlose Werte geeignet. Wer bereit ist, für 3 Neonröhren eines zeitgenössischen Künstlers denselben Betrag zu bewilligen wie für ein originales Gemälde aus der Rembrandtzeit, sollte die Neonröhren nur kaufen, wenn sie wirklich so gut gefallen, dass materielle Überlegungen keine Rolle spielen und ansonsten lieber günstig in der Rembrandtzeit zugreifen.

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