Sonntag, 26. Januar 2020

Studie zur Geldanlage Forscher widerlegen Gordon Gekko - Gier ist gar nicht gut

Gieriger Zocker: Michael Douglas verkörperte als Gordon Gekko in Wall Street den Prototypen des skrupellosen Finanzhais auf der Jagd nach dem schnellen Geld - im wirklichen Leben ist Geduld aber wohl die Eigenschaft, die mehr Rendite bringt
picture alliance / United Archiv
Gieriger Zocker: Michael Douglas verkörperte als Gordon Gekko in Wall Street den Prototypen des skrupellosen Finanzhais auf der Jagd nach dem schnellen Geld - im wirklichen Leben ist Geduld aber wohl die Eigenschaft, die mehr Rendite bringt

Gier ist gut - so lautet eine zweifelhafte Erkenntnis aus dem Kanon der Geldanlage. Einer breiten Öffentlichkeit ist sie spätestens bekannt, seit Hollywood-Star Michael Douglas alias Hedgefonds-Hai Gordon Gekko im Streifen "Wall Street" 1987 seine berühmte Eloge auf die Habsucht hielt. Eines der Vorbilder für Douglas' Rolle des Finanzjongleurs in Hemd und Hosenträgern war die einstige Wall-Street-Größe Ivan Boesky, der in den 1980er Jahren vor Hochschulabsolventen einmal tatsächlich eine solche Gier-Ist-Gut-Rede gehalten hatte ("Greed is all right").

Doch nun kommt heraus: Die Behauptung, die so häufig zitiert wird wie nur wenige Filmaussprüche im Finanzwesen, trifft bei genauer Betrachtung gar nicht zu. Gier ist als Eigenschaft für Kapitalanleger offenbar keineswegs gut, sondern im Gegenteil sogar hinderlich.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Research-Abteilung des Investmentriesen State Street durchgeführt hat. 3000 Privatanleger hat das State Street Center for Applied Research unter die Lupe genommen, berichten US-Medien. Ergebnis: 60 Prozent von denen, die eine besondere "Liebe zum Geld" erkennen ließen, hatten schlechte Ergebnisse bei der Geldanlage erzielt.

"Je mehr die Leute Geld mögen, desto mehr Geld verlieren sie", sagt Suzanne Duncan, Research-Chefin bei State Street. Ein Grund: Die "Geld-Liebhaber" seien sehr stark auf die schnelle Befriedigung ihrer Wünsche fokussiert, so Duncan. "Sie wollen sofort Geld haben."

Eine Erkenntnis, die offenbar weltweit zu beobachten ist. Den Untersuchungsergebnissen zufolge leben die meisten geldgierigen Leute allerdings nicht etwa in den USA, dem Mutterland des Kapitalismus. Mit 93 Prozent hatte vielmehr Indien den höchsten Anteil solcher Leute unter den Befragten, gefolgt von China und Brasilien. Die Vereinigten Staaten dagegen kamen auf einen Wert von 65 Prozent.

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