Samstag, 24. August 2019

Entrepreneure des Jahres (5) - Gebhardt Intralogistics Group Generation Laptop

Geradlinig: Marco Gebhardt richtet den Blick stets nach oben. Hohe Ziele halt.
Janek Stroisch für manager magazin
Geradlinig: Marco Gebhardt richtet den Blick stets nach oben. Hohe Ziele halt.

Mit 26 Jahren übernahm Marco Gebhardt das väterliche Unternehmen und verwandelte den kleinen Maschinenbauer in einen ungewöhnlich innovativen Logistiker. Gebhardt ist Entrepreneur des Jahres 2018 in der Sparte "Digitale Transformation".

Seit 22 Jahren wird von der Beratungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) der Wettbewerb "Entrepreneur des Jahres"veranstaltet. manager magazin ist Partner des Wettbewerbs, bei dem wachstumsstarke und innovative Unternehmen in folgenden fünf Kategorien gekürt werden: Industrie, Konsumgüter/Handel, Dienstleistung, Digitale Transformation und Junge Unternehmen.

Die fünf Sieger werden von einer renommierten Jury (darunter Unternehmer Patrick Adenauer und Bertelsmann-Gesellschafterin Brigitte Mohn) ausgewählt. Außerdem bestimmt die Jury zwei Ehrenpreisträger. Zum einen wird ein erfolgreiches Familienunternehmen geehrt, zum anderen ein Unternehmen für außergewöhnliches soziales Engagement. Die Preise wurden bei einer Gala im Deutschen Historischen Museum in Berlin überreicht. Aus den fünf Kategoriesiegern wird ein Primus inter pares ausgewählt, der Deutschland bei der Wahl zum "World Entrepreneur of the Year" vertritt. Dieses Event, bei dem sich über 50 Landessieger präsentieren, findet im Frühjahr in Monte Carlo statt. Mehr Infos zum Wettbewerb finden Sie hier.

Schnelle Beförderung
Der Entrepreneur
Marco Gebhardt (34) studierte an der TU¿Kaiserslautern Wirtschaftsingenieurwesen. Daran schloss sich noch ein Jahr an der University of California in Berkeley an, ehe er im ­Januar 2011 Geschäftsführer im Unter­nehmen seines ­Vaters Fritz wurde. Dort kümmert er sich vor allem um Produktion und Ent­wicklung.
Das Unternehmen
Die Gebhardt Intralogistics fing in den 50er Jahren klein an – mit einer teilautomatisierten Maschine zum Befüllen von Kohlesäcken. Es folgte die Produktion von Förderanlagen für die innerbetriebliche Logistik. Heute ist das Unternehmen mit Sitz in Sinsheim ein Komplettanbieter von Logistikprojekten. Die Pro­­­dukt­palette reicht mittlerweile von der Förderrolle bis zum ­Hoch­regal­lager mit elektronischer Steuerung. Damit will die Gebhardt Intra­­logistics mit ihren rund 500¿Mit­arbeitern in diesem Jahr einen ­Umsatz von um die 100 Millionen Euro erzielen.

Graues Polohemd, auf das die roten Buchstaben Gebhardt gestickt sind, dazu Jeans, sportliche Schuhe. Auch so sehen heute Chefs mittelständischer Unternehmen aus. Marco Gebhardt (34) ist ein Prototyp dieser Generation.

"Ich hole mal kurz meinen Laptop", sagt er und verschwindet aus dem Konferenzraum seines Unternehmens. Kaum zurück, klappt er den Rechner auf und zeigt mit ein paar YouTube-Filmchen, was sein Unternehmen - die Gebhardt Intralogistics Group - so macht.

Menschen sieht man keine. Stattdessen Roboter, Förderbänder, Paletten, Hochregallager. Wenn Vormaterialien oder fertige Produkte in einem Unternehmen von A nach B transportiert werden müssen, ist Gebhardt nicht selten dabei. Fast alle Branchen werden inzwischen von dem Unternehmen aus dem nordbadischen Sinsheim bedient. Unter Logistikern gilt die Gebhardt Intralogistics als einer der Innovationsführer. Und das ist vor allem Marco Gebhardt zu verdanken.

Mit zwei Kindergartenfreunden studierte der junge Mann nicht weit von Sinsheim, an der TU Kaiserslautern machte er seinen Abschluss als Wirtschaftsingenieur. Schon während des Studiums arbeitete er im väterlichen Unternehmen mit. 2010 hängte er ein Zusatzstudium an der University of California in Berkeley an, auch um im nahe gelegenen Silicon Valley etwas Pioniergeist aufzuschnappen.

Vater Fritz (63) hatte erst 2004 die damals kleine und keineswegs gut dastehende Firma übernommen. Marco Gebhardt hatte gerade Abitur gemacht und wurde bald gefragt, ob er das Unternehmen später führen wolle. Der Sohn sagte Ja, und der Vater erklärte sich bereit, die Firma so lange zu leiten, bis Marco reif für die Führung war.

Fritz Gebhardt musste erst einmal sanieren, aber 2007 gelang ihm ein geschickter Schachzug. Als er hörte, dass in Pirmasens die Firma Sandt Logistik vor dem Konkurs stand, nutzte er die Chance. Ein Glücksgriff, denn Sandt hatte etwas, was Gebhardt nicht hatte: Kompetenz in Hochregallagern.

Ausgewählte Finalisten: Digitale Transformation
Nina Hugendubel
Buch und Internet – zwei Welten. Nina ­Hugendubel (48) versucht sie zu verbinden. Seit sie zusammen mit ihrem Bruder Maxi­milian 2005 die Buchhändlerkette über­­­­­­nommen hat, wird eine Multichannelstrategie forciert. Neben den 150 Filialen wurde das Online­geschäft ausgebaut und zusammen mit anderen Buchhändlern das E-Book-Lesegerät ­Tolino eingeführt – die deutsche Antwort auf den Kindle von Amazon.
Carsten Meyer-Heder
Der Fachinformatiker Carsten Meyer-Heder (57) startete als Einmannbetrieb. Heute hat seine Team Neusta GmbH (Umsatz: 170 Millionen Euro) rund 1000 Mitarbeiter, dazu kommen 500 Freiberufler. Das Bremer Unternehmen ist damit eine der ­größten deutschen Internetagenturen. Zu den Kunden zählen etwa Rewe und Tui. Aber vielleicht hat Gründer Meyer-Heder bald einen neu­en Job: Er ist CDU-Spit­zen­kandidat für die ­Bremer Bürgerschaft.
Dominik Benner
Eigentlich hatte er andere Karrierepläne, doch dann starb überraschend sein Vater, und Dominik Benner (36) war 2012 plötzlich Besitzer von ein paar Schuhläden. Das war ihm freilich eine Nummer zu klein. Er gründete Schuhe24, eine E-Commerce-Plattform für selbstständige Schuhhändler. Über 700 der Läden verkaufen inzwischen ihre Ware auch über Schuhe24. Die Zielgruppe: eher ältere Leute, die stehen nicht so auf Zalando.

So fand Marco Gebhardt ein einigermaßen komplettes, aber auch finanziell gesundes Unternehmen vor, als er am 2. Januar 2011 als Fulltime-Geschäftsführer anfing. Ganz neu war diese Position allerdings nicht für ihn, denn schon während seiner Studentenzeit übte er sich als Teilzeitgeschäftsführer.

Der Sohn hatte schnell gemerkt, dass "technologisch einiges aufzuholen war"; vor allem digital war das Unternehmen schwach gerüstet. Und das obwohl schon damals die Logistikbranche massiv umgewälzt wurde.

Gebhardt investierte vor allem in Software. Die Förderbänder, die Regallager mussten gesteuert werden. Nach und nach baute Gebhardt deshalb diese fehlende Kompetenz im Unternehmen auf.

Die Firma profitierte dabei von regionalen Vorteilen. In Walldorf sitzt der Softwarekonzern SAP (wo übrigens die Frau von Marco Gebhardt arbeitet), in Karlsruhe residiert das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), umgeben von einer exzellenten Forschungslandschaft. Diese Nähe nutzt Gebhardt.

Mit SAP kooperiert er zum Beispiel bei der Entwicklung einer Cloud- und einer Schulungsplattform. Und Karlsruher Studenten sind Stammgäste bei Gebhardt. Über 60Studenten und Auszubildende sind derzeit im Unternehmen - bei gerade mal 500 Beschäftigten.

Technologisch stehen wir den Großen in nichts nach. Wir sind deutlich flexibler."

Marco Gebhardt

Manche bleiben danach dem Unternehmen verbunden, entweder als Mitarbeiter oder als Partner. So gründete Gebhardt zusammen mit Doktoranden des KIT Start-ups zu logistischen Themen. Wie zum Beispiel die Flexlog GmbH oder die Next Intralogistics GmbH, von deren Expertise bei künstlicher Intelligenz auch das Unternehmen in Sinsheim profitiert.

Inzwischen kann Gebhardt vor allem deshalb seinen Kunden ein breites Spektrum an logistischen Lösungen und Produkten anbieten. "Technologisch stehen wir den Großen in nichts nach", sagt der Geschäftsführer selbstbewusst. Gegenüber Konkurrenten wie Kion oder Körber sieht er sich sogar im Vorteil: "Wir sind deutlich flexibler."

Wenn ein Kunde "nur" ein Regallager will, dann bekommt er es auch, und je nach Wunsch mit oder ohne Steuerung. Wenn einer ein komplettes Lagersystem ordert - wie es eben der Autozulieferer SEW-Eurodrive in Bruchsal für seine Fabrik der Zukunft getan hat -, dann wird auch das erledigt. Entsprechend variieren die einzelnen Auftragsvolumina zwischen 500 Euro und 25 Millionen Euro.

Gebhardt erwartet für dieses Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro, fast eine Verdoppelung innerhalb von drei Jahren.

Viele seiner Kunden kommen aus der Industrie, darunter sind etliche im Dax notiert. Gleichermaßen profitiert die Firma aber vom nicht enden wollenden E-Commerce-Boom, der den Bau etlicher Lagerhallen und Logistikzentren mit sich bringt.

Am Ende einer Führung durch die Montagehallen zeigt Marco Gebhardt auf ein großes metallenes Gebilde, das an einen Lastenaufzug erinnert. Eine Spezialanfertigung für einen großen amerikanischen Konzern, sagt er sichtlich stolz, obwohl er bis heute nicht weiß, wie dieser Riese auf das kleine Unternehmen in Sinsheim gekommen ist.

Den Namen des Auftraggebers will er nicht nennen. Aber es soll sich um einen großen E-Commerce-Händler mit Sitz in Seattle handeln.

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