Sonntag, 26. Januar 2020

Game Changer Award 2019 Die drei deutschen Revolutionsführer des Jahres 2019

Game Changer Award 2019: Die Sieger
Bain & Company

Wahre Game Changer sind Unternehmen, die mit ihren Ideen die Spielregeln ihrer Branchen verändern. manager magazin und die Beratung Bain zeichneten für das Jahr 2019 Sixt, Carl Zeiss und Celonis aus.

Auf einer feierlichen Gala in der Berliner Eventlocation "Ewerk" verliehen das manager magazin und die Unternehmensberatung Bain & Company an diesem Donnerstag den "Game Changer Award". Der Preis ehrt jedes Jahr Unternehmen, die mit ihrem disruptiven Ansatz die Spielregeln ihrer Branche verändert haben. Die Auszeichnung steht ganz im Zeichen der Digitalisierung. Auf Basis einer umfangreichen Analyse bewertet eine Jury aus Wirtschaftsgrößen Unternehmen, die den Wandel zum zentralen Bestandteil ihres eigenen Geschäftsmodells gemacht haben und die das digitale Zeitalter selbst gestalten, statt sich nur irgendwie anzupassen. Verliehen wird der Preis in den Kategorien Customer Experience, Product & Service Innovation sowie Operations of the Future.

In diesem Jahr wurden drei Unternehmen als "Game Changer" geehrt: Sixt, Carl Zeiss und Celonis. Der Autovermieter Sixt mischt das Geschäft der neuen Mobilität auf, weil er seine Kunden besser versteht als die Konkurrenz; Carl Zeiss hat 20 Jahre lang geforscht, um die Halbleiterindustrie auf ein neues Level zu heben; und die Münchener Gründer von Celonis verzichteten auf Ego-Marketing und bieten stattdessen eine Software an, die ganz einfach die Effizienzreserven in Unternehmen hebt.


Das sind die Sieger des Game Changer Award 2019:

Wie die Preisträger des Game Changer Awards ermittelt werden
Die Auszeichnung
Mit dem Game Changer Award küren manager magazin und die Strategieberatung Bain & Company jährlich mutige deutsche Unternehmen, die mit einem disruptiven Ansatz die Spielregeln ihrer Branche verändert haben. Der Preis wird in drei Kategorien verliehen: Customer Experience, Product & Service Innovation sowie Operations of the Future.
Die Auswahl
Unternehmen können sich nicht bewerben, sie werden ausgewählt. Die Nominierung erfolgt anhand von Kriterien wie Umsatzwachstum, Nachhaltigkeit und Innovationspotenzial, auf die mehr als 60.000 in Deutschland ansässige Unternehmen abgeklopft werden. Daraus entsteht eine Liste von 100 Firmen pro Kategorie, die einer gründlichen betriebswirtschaftlichen Analyse (Due Diligence) unterzogen und nach einem Punktesystem bewertet werden.
Die Auserwählten
Die fünf Punktbesten je Kategorie schaffen es auf die Shortlist und werden von einer Jury erfahrener Wirtschaftsexperten durchleuchtet: Wie erfolgversprechend ist das Geschäftsmodell? Wie disruptiv ist die Technologie? In einer abschließenden Diskussion der Jurymitglieder fällt die Entscheidung für die drei Game Changer des Jahres. Die feierliche Preisverleihung fand am 21. November 2019 in Berlin statt.
Die Jury
Sieben Wirtschaftsexperten entschieden über die diesjährigen Preisträger des Game Changer Awards von manager magazin und Bain & Company:
Andreas von Bechtolsheim (Arista), Delia Fischer (Westwing), Philipp Justus (Google), Joe Kaeser (Siemens), Harald Krüger (ehem. BMW), Martin Noé (mm-Chefredakteur) und Walter Sinn (Bain & Company).

Die drei Geehrten ergänzen damit die illustre Reihe der 15 früheren Preisträger, die mit ihren Ansätzen ebenfalls die bestehenden Geschäftsmodelle ihrer Branche veränderten. Mit seinen giftgrünen Bussen und Niedrigpreisen hat etwa FlixMobility (Preisträger 2016) das Reiseverhalten vieler Menschen und damit die Spielregeln der Reiseindustrie neu definiert. Ähnliches zu tun schickt sich gerade das Berliner Start-up Auto1 (2017) an, das Onlineplattformen für den Gebrauchtwagenhandel betreibt. Dem Chiphersteller Infineon (2016) gelang es, mit der intelligenten Vernetzung seiner Fabriken die Produktionsmethoden in der Halbleiterindustrie zu revolutionieren. Und das Druck- und Verlagshaus Axel Springer (2015) baute sich selbst zum digitalen Dienstleister um und legte damit eine Gewinn- und Aktienkursentwicklung hin, die in der Medienbranche ihresgleichen sucht.

Game Changer: Die bisherigen Preisträger

Nach fünf Jahren lassen sich Erfolgsmuster erkennen, wie sich Erfolg unter rasant veränderten Bedingungen erreichen lässt. "Die Fähigkeit, digital zu denken, ist ganz entscheidend", sagt Walter Sinn, Deutschland-Chef von Bain und seit fünf Jahren Mitglied der Game-Changer-Jury. "Darüber hinaus braucht es eine klare Kundenorientierung und den Zugang zu ausreichend Kapital." Wo diese Faktoren zusammenkommen, können Erfolgsgeschichten entstehen. Es lohnt darum ein konzentrierter Blick auf die Entwicklung der bisherigen Titelträger, der mehr offenbart als individuelle Exzellenz.

FlixMobility (Preisträger 2016): Kunden, Klicks und Kapital

Von 0 auf 95: Sechs Jahre nach seiner Gründung ist das Fernbusunternehmen FlixBus Marktführer in Europa - und beherrscht den deutschen Markt mit einem Anteil von rund 95 Prozent.

FlixMobility bringt es heute auf mehr als 1000 Mitarbeiter und rund 580 Millionen Euro Umsatz. Das entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 172 Prozent - pro Jahr. Der Firmenwert wird auf mehr als zwei Milliarden Euro taxiert.

Dass aus ihm einmal ein Busunternehmer werden würde, wäre Daniel Krauss (36) nicht im Traum eingefallen. Der ehemalige Microsoft-Manager ist ein Techie durch und durch. Gedruckte Visitenkarten hat er nicht, statt Post-its als Gedächtnisstützen zu schreiben, schickt er sich Erinnerungsmails.


Die Jury:

Die Jury: Diese sieben Wirtschaftsexperten entschieden über die diesjährigen Preisträger des Game Changer Awards von manager magazin und Bain & Company.

Diese sieben Wirtschaftsexperten entschieden über die diesjährigen Preisträger des Game Changer Awards von manager magazin und Bain & Company.


Gemeinsam mit seinen Mitgründern André Schwämmlein (38) und Jochen Engert (38) war er 2011 auf der Suche nach einer Geschäftsidee.

Etwas Neues, Wegweisendes sollte es sein, nicht nur einfach die nächste App. "Eines Tages erzählte André, dass in Deutschland das Verbot von Fernbussen fällt. Da haben wir gesagt: ,Gut, dann eben Busse.'" Sechs Jahre später sind die drei Gründer auf dem Sprung, zum Global Player unter den Mobilitätsanbietern zu werden. Der Marktanteil bei Fernbussen liegt in Deutschland bei etwa 95 Prozent, vor wenigen Wochen füllten Finanzinvestoren, darunter Permira, TCV und BlackRock, erneut mehr als eine halbe Milliarde Euro Wagniskapital in den Tank. Mit dem Geld soll die noch junge Zugsparte FlixTrain aus- und der Carsharingdienst FlixCar aufgebaut werden.

Zudem fließen Millionen in die internationale Expansion. Den USA-Markt hatte FlixBus bereits im vergangenen Jahr in Angriff genommen, nun sollen Südamerika und Asien folgen.

Mobilität als Naturgesetz

Das Herzstück des Unternehmens ist ein Algorithmus, der die Fahrpläne errechnet, die Streckenführung plant und die Preisgestaltung vorgibt - also gewissermaßen das Gehirn der grünen Flotte. Daniel Krauss hat ihn entwickelt.

Anfangs zählten sie die Fahrgäste, die in einen ICE ein- und ausstiegen, besorgten sich Daten von Mitfahrzentralen und tippten alles in eine Excel-Tabelle. "Damit haben wir unsere ersten Fahrpläne modelliert." Heute durchkämmen selbst entwickelte Crawler das Netz und analysieren Konkurrenzangebote; die Busse auf den täglich mehr als 300.000 Verbindungen melden in Echtzeit Auslastung und Umsteigeverhalten; GPS-Sensoren erfassen Geschwindigkeit und Verkehrsdichte, sodass Langzeitbaustellen und Stauschwerpunkte in die Fahrpläne einfließen können. "Wir haben jede jemals getätigte Suchanfrage in der Cloud gespeichert", sagt Krauss, "das sind mehrere Terabyte an Daten."

Inzwischen brauchen die 250 hauseigenen IT-Spezialisten nur die Größe von Städten, die wichtigsten Verkehrswege und die Zahl der Pendler zu kennen, um präzise Vorhersagen über die Reisetätigkeit der Menschen zu machen - das gilt selbst für Länder, in denen zuvor noch nie ein FlixBus gefahren ist. "Verkehr ist wie Gravitation", erklärt Krauss. "Es gibt eine Konstante, die überall auf der Welt gleich ist." Mithilfe von Big Data passt das Unternehmen Streckenplanung und Taktung an die Bedürfnisse der Kunden an und sorgt gleichzeitig für eine hohe Auslastung, was wichtig für die Profitabilität ist. "FlixBus hat es geschafft, eine überlegene Kundenorientierung mit einer spannenden Wachstumsgeschichte zu verbinden", lobt Bain-Experte Sinn.

Während junge Unternehmen wie FlixBus oder Auto1 ihre Angebote ganz auf die gewünschte Zielgruppe zuschneiden können, bedeutet die Anpassung an das digitale Zeitalter für Großkonzerne eine gewaltige Kraftanstrengung.

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