Sonntag, 31. Mai 2020

Spielerkader verlieren durch Spielpause stark an Wert Finanzrisiken für Fußballclubs - auch deutsche Topteams in Gefahr

FC Bayern: Der Wert des Spielerkaders würde bei einer Spielpause bis Ende Juni nach CIES-Schätzungen von 809 Millionen Euro auf 542 Millionen Euro sinken

Weil eine längere Spielpause die Werte der Spielerkader drückt, verlieren die wichtigsten Assets vieler Klubs massiv an Wert. Auch deutsche Topclubs sind betroffen.

Die Coronakrise bedeutet für zahlreiche Top-Klubs im Profifußball erhebliche bilanzielle Risiken. Grund sind drohende Abwertungen der Marktwerte ihres meist wertvollsten Assets: ihrer Spielerkader. Ruht der Spielbetrieb in den nationalen Ligen sowie in Champions League und Europa League bis Ende Juni, könnten die Kader bis zu 35 Prozent ihres Wertes einbüßen. Das ergibt eine Studie des CIES Football Observatory, einer renommierten Adresse für Bewertungen von Fußballklubs und Fußballspielern in der Schweiz.

Der Kader des FC Bayern München rund um Nationalspieler wie Manuel Neuer, Serge Gnabry oder Josua Kimmich würde nach CIES-Schätzungen bis Ende Juni ein Drittel seines Wertes verlieren und von 809 Millionen Euro auf 542 Millionen Euro sinken.

Dramatisch träfe es auch Starclubs wie Real Madrid mit einem Minus von 32 Prozent (von 1,1 Milliarden Euro auf 750 Millionen), Paris St. Germain mit dem deutschen Coach Thomas Tuchel (minus 31 Prozent von 961 auf 659 Millionen Euro), den FC Barcelona (minus 31 Prozent von 1,17 Milliarden auf 804 Millionen Euro) oder Manchester City, den Klub von Superstartrainer Pep Guardiola (minus 30 Prozent von 1,3 Milliarden Euro auf 949 Millionen Euro.

FC Bayern, Real Madrid und FC Barcelona würden schwer getroffen

Vergleichsweise glimpflich kommt der aktuelle Champions-League-Sieger FC Liverpool unter dem deutschen Manager Jürgen Klopp weg: Bei einer Spielpause bis Ende Juni würde der Wert seines Kaders um die Stürmer Mo Salah und Sadio Mané "nur" um 353 Millionen Euro oder 25 Prozent schrumpfen - von 1,4 Milliarden auf 1,05 Milliarden Euro.

Die Spielerkader finden sich zwar nicht mit diesen Werten in den Bilanzen der Klubs wieder. Denn betriebswirtschaftlich bewertet werden Profispieler wie andere "Sachgüter" in der Regel mit ihrem Anschaffungspreis.

Spieler aus der eigenen Jugend wie etwa Nationalspieler Kai Haverts bei Bayer Leverkusen - derzeit einem der am höchsten gehandelten Talente in Europa - sind in der Klubbilanz mit Null bewertet. Sie kommen bilanziell einer stillen Reserve gleich, die im Fall eines Verkaufs gehoben wird. Verpflichtet aber Juventus Turin Superstar Cristiano Ronaldo für 100 Millionen Euro, steht der Star auch mit diesem Wert in der Bilanz.

Gefahr für die Clubs durch fallende Marktpreise

Die wirtschaftliche Gefahr für die Clubs liegt in fallenden Marktpreisen. Dass es nach der Coronakrise eine Dämpfung am milliardenschweren Transfermarkt geben wird, halten viele Experten bereits als ausgemacht. Klubs könnten am Transfermarkt nicht mehr so viel Geld erlösen wie zuvor -und entsprechend weniger in ihre Teams investieren. Fallen die Werte der Spieler dauerhaft, dürften die Klubs von ihren Wirtschaftsprüfern zudem zur Wertkorrekturen gedrängt werden. Das wiederum könnte Auswirkungen auf ihre Kreditwüdigkeit haben.

Auch Dortmund und RB Leipzig müssten erhebliche Einbußen hinnehmen

Das CIES-Team um Raffaele Poli, Loïc Ravenel und Roger Besson berechnet die Werte einzelner Spieler nach Faktoren wie Alter, Zahl der Einsätze und gespielten Minuten, Vertragsdauer, Karierreverlauf, Position und Transfererlösen.

Unter den Bundesligaclubs müssten nach CIES-Schätzungen auch Borussia Dortmund und RB Leipzig erhebliche Einbußen hinnehmen: Der BVB-Kader verlöre auf dem Papier 215 Millionen Euro an Wert (minus 28,7 Prozent), der von Leipzig 183 Millionen Euro (minus 29,2 Prozent). Der Wert des Kaders von Eintracht Frankfurt sänke von 283 auf 213 Millionen Euro, der des VfL Wolfsburg von 332 auf 255 Millionen Euro.

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