Donnerstag, 17. Oktober 2019

Gehalt im Frauenfußball deutlich niedriger, aber ... US-Fußballerinnen füllen die Stadionkassen besser als die Männer

US-Spielerinnen Kelley O'Hara (l) und Megan Rapinoe beim Viertelfinal-Sieg gegen Frankreich

Die US-Nationalmannschaft hat die wohl wichtigste Erfolgsmarke im Frauenfußball erreicht - und zwar schon bevor sie die Gastgeberinnen aus Frankreich schlug und ins Halbfinale gegen England an diesem Dienstagabend zog.

Denn laut einem Bericht des "Wall Street Journal" haben die Frauen um Kapitänin Megan Rapinoe die männlichen Kollegen als kommerzielle Kraft überholt. Zumindest gilt das für die einzige direkt vergleichbare Größe: den Umsatz aus den Spielen, der zumeist aus Ticketverkäufen besteht.

In den Jahren 2016 bis 2018 brachten die Spiele der Frauen - ohne WM in dieser Zeit - demnach 50,8 Millionen Dollar für den Fußballverband US Soccer. Für die Spiele der Männer im gleichen Zeitraum (mit der WM 2018 in Russland, für die sich die Amerikaner jedoch nicht qualifizierten) gab es nur 49,9 Millionen Dollar.

Den größeren Teil des Umsatzes im Sport-Business machen die Vermarktung der Fernsehrechte und Sponsoring-Verträge aus - die lassen sich nicht so leicht einer Team-Leistung zurechnen, weil sie meist als Paket für Männer und Frauen verkauft werden.

Doch auch hier wird die Argumentation von US Soccer brüchig, die niedrigeren Gehälter der Spielerinnen seien durch geringere Einnahmen begründet. Laut Fifa-Prognose soll das laufende Turnier mehr als eine Milliarde Zuschauer weltweit erreichen. Gerade die Favoritinnen aus den USA tragen in der WM die internationale Aufmerksamkeit.

Nach dem Endspiel werden sich die Verbandsfunktionäre damit auseinandersetzen müssen: Die Spielerinnen haben kollektiv gegen den Pay Gap geklagt und verlangen gleiche Bezahlung wie in Norwegen - nach der WM wird eine außergerichtliche Einigung angestrebt.

Der "Guardian" hat aufgrund der bislang geltenden Vereinbarung vorgerechnet, dass US-Spielerinnen bislang maximal 90.000 Dollar WM-Prämie zusätzlich zu ihrem Grundgehalt von maximal 167.500 Dollar kassieren konnten. Mit Turniersieg und anschließender Siegestournee ließe sich der Bonus auf höchstens 260.869 Dollar steigern.

Für die männlichen Spieler hingegen sähen die Verträge bei gleicher Leistung bis zur KO-Runde fast 680.000 Dollar vor, im Fall des Titelgewinns sogar mehr als 1,1 Millionen Dollar. Ein Trost für die Spielerinnen: Die gleiche Leistung der US-Männerfußballer gibt es nur in der Theorie.

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