Montag, 22. Juli 2019

Rechnen sich die Millionen für Mats Hummels und Co.? Der Transferwahnsinn erreicht die Bundesliga

Kai Pfaffenbach /REUTERS

Wer sich die Entwicklung der Transfersummen im Fußball anschaut, zweifelt leicht an der Funktionsfähigkeit dieses seltsamen Marktes. Vor zehn Jahren gaben alle Klubs der englischen Premier League zusammen 549 Millionen Euro für Spielertransfers aus, in der Saison 2017/18 stieg die Summe auf 2,17 Milliarden Euro, begünstigt durch die lukrativen Fernsehgelder auf der Insel. In der abgelaufenen Saison 2018/19 waren es "nur noch" 1,66 Milliarden Euro - immer noch ein Wert, der noch vor fünf Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

Henning Zülch
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    Michael Bader
    Henning Zülch ist Professor für Accounting and Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management. Er ist Verfasser von zahlreichen Beiträgen zu Themen der Internationalen Rechnungslegung und Finanzkommunikation. Zudem ist er wissenschaftlicher Direktor des jährlich vom manager magazin ausgerichteten Wettbewerbs Investors' Darling. Überdies beschäftigt er sich mit der Übertragbarkeit betriebswirtschaftlicher Grundprinzipien auf die erfolgreiche Führung von Sportvereinen.

Die Bundesliga hat sich diesem Wahnsinn bislang entzogen: Vor zehn Jahren gaben die Vereine 246 Millionen Euro für neue Spieler aus, in der abgelaufenen Saison knapp 559 Millionen - lächerlich im Vergleich zur englischen Liga. Seit Jahren heißt es, die Entwicklung in Richtung Fabelpreise werde vor der Bundesliga nicht Halt machen, wenn sie weiterhin zu den vier Topligen Europas gehören wolle. In diesem Jahr, das lassen die aktuellen Sommertransfers vermuten, ist es soweit.

Die teuersten Transfers der neuen Bundesligasaison

Der FC Bayern hat seine Einkaufstour bereits früh gestartet und sich Spieler wie Benjamin Pavard (35 Millionen Euro), Lucas Hernandez (80 Millionen) und Jan-Fiete Arp (3 Millionen) gesichert. Diese (derzeit) 118 Millionen Euro Transferausgaben werden sogar noch übertroffen von Vizemeister Borussia Dortmund Börsen-Chart zeigen, der nach derzeitigem Stand bereits 127,5 Millionen für insgesamt fünf Neuzugänge ausgegeben hat: Mats Hummels (30,5 Millionen), Thorgan Hazard (25,5), Nico Schulz (25,5), Julian Brandt (25,5) und Paco Alcacer (21). Beachtlich sind auch die Ausgaben von Bayer Leverkusen: Für Kerem Demirbay legt der Werksklub die Summe von 35 Millionen Euro auf den Tisch. Die Bundesliga nimmt im Transferrennen Fahrt auf. Und das Transferfenster ist noch lange nicht geschlossen.

Die Folgen für die deutschen Klubs

Gegenwärtig existiert offenbar kein Korrektiv, das die rasante Entwicklung der Transfersummen auf dem Weltmarkt begrenzen könnte. Also müssen auch die deutschen Klubs sie akzeptieren und entsprechend agieren. Konkret heißt das: Sie müssen in ihrer Transferpolitik ein Szenariomanagement betreiben, sich also auf unterschiedliche Umfeldbedingungen und Entwicklungsrisiken einstellen. Die Jugendarbeit - und damit die Stärkung der eigenen Exzellenz - muss weiter forciert und optimiert werden. Zudem ist zu prüfen, ob die Durchlässigkeit von der erfolgreichen Jugend- zur Profimannschaft wirklich gegeben ist. Das Scouting muss an den gestiegenen Wettbewerbsdruck angepasst werden, etwa durch den Einsatz moderner Methoden der Datenanalyse.

Das Umdenken in den Vereinen hat bereits begonnen, einige der Optimierungsschritte sind zum Teil bereits erfolgt. Doch die meisten Klubs stehen erst am Anfang. Sie müssen sich schnell an die neue Zeit anpassen, wollen sie nicht abgehängt werden. Für 100 Millionen Euro konnten vor wenigen Jahren zahlreiche Topspieler verpflichtet werden, heute vielleicht nur noch einer. Und wenn man nur einen Schuss hat, dann muss dieser Schuss sitzen. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung auch oder gerade für gut aufgestellte Akteure wie Bayern und Dortmund.

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