Mittwoch, 24. Juli 2019

Sport-Business Fußball-Boom - wo sind die Wachstumstreiber der Zukunft?

Mia san reich: Meisterfeier des FCB
imago/DeFodi
Mia san reich: Meisterfeier des FCB

2. Teil: Der negative Einfluss von Erfolg und Wahrnehmungsverzerrungen

Sicherlich ist die Fußballzunft in besonderer Weise dem Brennglas der Öffentlichkeit ausgesetzt. Und dies sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Dieser Umstand allein macht es schwer, vorausschauend und langfristig zu agieren. Das hauptsächliche Problem von Zukunftsprognosen ist allerdings weniger der Branche geschuldet, als im Wesen des Menschen begründet. Der enorme Erfolg des deutschen Fußballs der letzten Dekade führt dazu, dass Entscheider weniger intensiv nach Veränderungen suchen und sich durch vergangene Erfolge in ihrem Handeln bestätigt fühlen.

Hinzu kommt, dass auch Entscheider der Fußballbranche Wahrnehmungsverzerrungen unterliegen, die es ihnen schwermachen, faktisch belegbare Zukunftsprognosen zu erstellen. Dies bestätigt Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Er hat nachgewiesen, dass Vorhersagen selbst von erfahrenen Entscheidern mit tiefem Fachwissen vorwiegend intuitiv erstellt werden und immer auch subjektiv geprägt sind. So werden Informationen selektiv wahrgenommen und primär zur Bestätigung der gebildeten Meinung verwendet. Oder es wird neuen Informationen oder Argumenten keine (oder zu wenig) Beachtung geschenkt. Kein Mensch kann sich von diesen Wahrnehmungsverzerrungen gänzlich freimachen, denn das menschliche Gehirn ist eher darauf ausgerichtet, subjektive Erwartungen zu bestätigen, als Unerwartetes zu erkennen. So ist es natürlich besonders schwierig, disruptive Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht erstaunlich, dass manch ein Clubvertreter in die beschriebene Erfolgs- bzw. Wahrnehmungsfalle tappt und die klare Sicht auf weiche Trends verloren geht. Von sich selbst und seinem näheren Umfeld auf Bedürfnisse der "Millennials" und "Generation Y", die nach 1980 oder gar nach 2000 geboren wurden, zu schließen, kann zu folgenschweren Fehleinschätzungen und strategischen Irrwegen führen. Die zukünftigen Fans und Kunden sind als "Digital Natives" bereits ganz anders sozialisiert als ihre Vorgängergenerationen. Von der nachkommenden "Generation Z" ganz zu schweigen. Ihr Mediennutzungsverhalten, ihre Art und Weise, mit neuen Technologien wie Mixed Reality Brillen, Drohnen etc. umzugehen, unterscheiden sich frappierend. Dies macht es für heutige Entscheider schwer, sich in die Köpfe zukünftiger Kundengenerationen hineinzuversetzen.

Kreative Zerstörung kann Erfolgs- und Wahrnehmungsfallen vermeiden

Einen interessanten Ansatzpunkt, diese Herausforderungen zu meistern und Erfolgs- sowie Wahrnehmungsfallen zu vermeiden, finden wir in der Makroökonomie. Beim Prinzip der "schöpferischen Zerstörung" geht es darum, erfolgreiche Strukturen und Prozesse frühzeitig zu hinterfragen, und nicht erst auf die Krise zu warten, um notwendige Veränderungen herbeizuführen.

Die größte Kunst besteht darin, sich möglicher Wahrnehmungsverzerrungen bewusst zu werden und gerade im Erfolg eine grundlegende Veränderungsbereitschaft zu bewahren. Die kreative Zerstörung bestehender (Denk-) Strukturen ist notwendig, um zukünftige Technologien und deren Folgen auf das Konsumentenverhalten richtig einzuschätzen und sich für die Zukunft zu wappnen. Mit ihrer Hilfe kann es Fußball-Clubs gelingen, den Anforderungen der nachkommenden Generationen gerecht zu werden und damit die Weichen für weiteres Wachstum zu stellen.

Sascha L. Schmidt ist Professor an der WHU - Otto Beisheim School of Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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