Mittwoch, 18. September 2019

1 . FC KAISERSLAUTERN "Damit kannst du an der Aldi-Kasse nicht zahlen"

Fussball: 1. FC Kaiserslautern
DPA

Stefan Kuntz hat sich nach seiner Profikarriere als Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern etabliert. Im SPONSORs-Interview gesteht er Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit ein, beziffert den Wert von Autogramm-Karten und ärgert sich über den Streit mit dem Steuerzahlerbund.

Stefan Kuntz ist seit Anfang der Achtzigerjahre im Profi-Fußball zu Hause. 449 Spiele hat der gebürtige Saarländer zwischen 1983 und 1999 in der Bundesliga für den VfL Bochum, Bayer Uerdingen, den 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld absolviert, im Ausland spielte er bei Besiktas Istanbul. Nach Abschluss seiner aktiven Laufbahn arbeitete er zunächst als Trainer, wechselte aber nach den Stationen Borussia Neunkirchen, Karlsruher SC, SV Waldhof Mannheim und LR Ahlen in die Vereinsführung. Einem Engagement bei der TuS Koblenz folgten zwei Jahre als Vorstand Sport beim Bundesligisten VfL Bochum. Seit dem 8. April 2011 ist er Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern.

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Heft März 2019

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SPONSORs : Herr Kuntz, der 1. FC Kaiserslautern erzielte im Geschäftsjahr der Spielzeit 2013/14 zwar Umsätze in Höhe von 38,81 Millionen Euro, aber nur einen Jahresüberschuss von 165.000 Euro. Das eröffnet Ihnen finanziell nicht unbedingt neue Handlungsspielräume, oder?

Kuntz: Zunächst ist ein positives Ergebnis in der 2. Bundesliga für den FCK ein Meilenstein. Und unser Ziel sind weitere positive Ergebnisse, um auf der einen Seite Planungssicherheit zu bekommen und auf der anderen Seite Investitionen zu ermöglichen.

SPONSORs : Der FCK konnte seine Sponsoringerlöse um knapp 2,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr steigern. In der Saison 2014/15 wird dieser Posten wohl eher wieder zurückgehen: Ihr neuer Trikotsponsor Paysafecard.com zahlt nach SPONSORs Informationen 1,6 Millionen Euro pro Saison, Allgäuer Latschenkiefer zuvor angeblich rund 2,5 Millionen Euro. Sind Sie mit Paysafecard.com wieder in der Realität angekommen oder war die Summe davor einfach traumhaft hoch?

Kuntz: Nein, die von Ihnen genannte Summe ist schlichtweg falsch.

SPONSORs : Nur "falsch" sagen ist ja einfach, Herr Kuntz. Wie lautet denn die richtige Summe?

Kuntz: Die nenne ich Ihnen ganz sicher nicht. Aber 2,5 Millionen Euro für ein Trikotsponsorship in der 2. Bundesliga? Bei so einem Preis hätte ich mich durch die Stadt tragen lassen.

SPONSORs : Also sind die beiden von Sportfive vermarkteten Hauptsponsorenpakete von Allgäuer Latschenkiefer und Paysafecard.com deutlich weniger wert?

Kuntz: Ich habe nicht "deutlich" gesagt. Ich darf Ihnen bloß keine Zahlen nennen. Und eins muss man in diesem Zusammenhang fairerweise sagen: Sportfive konnte auch nur dem Produkt entsprechend vermarkten.

Der 1. FC Kaiserslautern muss sich rückblickend auch ein bisschen an die eigene Nase packen, er hat sich in den vergangenen Jahren nicht unbedingt immer als Topmodel verkauft. Wir haben in unserem zweiten Jahr in der 2. Bundesliga in der Öffentlichkeit zu spät angefangen, uns beispielsweise gegen Gerüchte und falsche Behauptungen zu wehren. Da waren wir nicht offensiv genug.

SPONSORs : Was meinen Sie konkret?

Kuntz: Wenn jemand in der Öffentlichkeit Dinge behauptet, die nachweislich falsch sind, aber dem Ansehen des Vereins massiv Schaden zufügen, dann werden wir uns künftig dagegen wehren. So wie wir es beim Bund der Steuerzahler gemacht haben, wo wir mit einer einstweiligen Verfügung gegen Passagen aus dem Schwarzbuch ja auch Recht bekommen haben.

SPONSORs : Die zum Teil negative Wahrnehmung des FCK in der Öffentlichkeit könnte auch die Suche nach einem neuen Trikotpartner verzögert haben. Erst drei Tage vor dem Saisonstart hat der 1. FC Kaiserslautern als letzter Zweitligist mit Paysafecard.com einen Hauptsponsor präsentiert.

Kuntz: Dafür gab es mehrere Gründe. Ich glaube, dass sich unter anderem der Markt verändert hat. Auf die Trikots anderer Vereine kommen Unternehmen mittlerweile für erheblich weniger Geld als bei uns. Wenn es um Medienkontakte geht, wollen die Unternehmen zudem immer häufiger weniger Geld ausgeben. Oftmals besteht gar nicht das Interesse an einer Marketing- Partnerschaft, die über die reine TV-Präsenz hinausgeht. Hier müssen wir weiter an sehr individuell zugeschnittenen Paketen arbeiten.

SPONSORs : Sie haben von mehreren Gründen gesprochen.

Kuntz: Ein zusätzliches Problem bei der Vermarktung war der Konkurrenzkampf im Markt. Es gab beispielsweise mit dem 1. FC Nürnberg und dem FC St. Pauli namhafte Zweitligisten, die vor der aktuellen Spielzeit ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Haupt- und Trikotsponsor waren. Der 1. FC Nürnberg hat ja auch erst einen Tag vor uns einen neuen Haupt- und Trikotsponsor gefunden.

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