Dienstag, 22. Oktober 2019

1 . FC KAISERSLAUTERN "Damit kannst du an der Aldi-Kasse nicht zahlen"

Fussball: 1. FC Kaiserslautern
DPA

4. Teil: 500.000 Euro für den Wechsel von ablösefreien Spielern

SPONSORs : Herr Strutz schlug vor, dass Erstligisten Ausgleichszahlungen in Höhe von 500.000 Euro für den Wechsel von ablösefreien Spielern leisten könnten. Andererseits würde die Deutsche Fußball Liga für sich in Anspruch nehmen, mit der Verteilung der TV-Gelder schon jetzt für genügend Solidarität innerhalb der Bundesliga und2. Bundesliga zu sorgen. Reicht Ihnen das nicht aus?

Kuntz: Die Bundesliga soll ganz bestimmt keine Löcher stopfen, die die Zweitligisten durch schlechtes Haushalten gerissen haben. Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden. Der Inner Circle in der Bundesliga funktioniert schon so gut, dass die Clubchefs untereinander genau wissen, an welchen Standorten gut und wo schlecht gewirtschaftet wird. Grundsätzlich aber müssten alle Vereine der Meinung sein, dass Traditionsclubs sehr wichtig für die weitere Attraktivität der Bundesliga sind.

SPONSORs : Zurück zu RB Leipzig: Hat es Sie gestört, dass die FCK-Fans die Reise zum Auswärtsspiel beim Aufsteiger Anfang November boykottierten?

Kuntz: Ich persönlich hätte auch gut damit leben können, wenn unsere Fans nach Leipzig gefahren wären, um zu zeigen, wie stark und loyal die Anhänger eines Traditionsclubs sind. Aber es kam für unsere Fans erschwerend hinzu, dass das Spiel an einem Montagabend war. Insofern habe ich für beide Meinungen Verständnis. Die Problematik für den Vorstand ist ja ohnehin, dass wir es nicht immer allen recht machen können. Es gibt nämlich auch unter den FCKFans verschiedene Meinungen, wie man mit dem Thema RB Leipzig umgehen soll.

SPONSORs : Im Vergleich zum Gebaren um RB Leipzig gibt es durch den öffentlichen Schlagabtausch mit dem Bund der Steuerzahler (BdS) ein viel größeres Streitthema für den FCK. Der BdS hatte dem FCK unter anderem unterstellt, er habe seit Jahren illegale staatliche Beihilfen kassiert. Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Kuntz: Ich bin sehr überrascht, was für ein ungeprüftes Forum der Bund der Steuerzahler bei der Veröffentlichung von Zahlen bekommt. Der 1. FC Kaiserslautern wird dargestellt als ein Verein, der einfach einen Haufen Geld vom Land Rheinland-Pfalz kassiert hat, und den Nachweis musste der BdS noch nie bringen. Zudem ist mir völlig unklar, warum der Bund der Steuerzahler Kaiserslautern als einzigen Austragungsort der WM 2006 derart an den Pranger stellt. Andere Austragungsorte wurden nachweislich mit noch viel mehr Geld unterstützt.

SPONSORs : Die Kritik des BdS bezog sich zudem auf die Verringerung der Stadionmiete der Stadt Kaiserslautern für Ihren Verein in der 2. Bundesliga. Zu Unrecht?

Kuntz: Vor der WM 2006 hatten wir ein bundesligataugliches Stadion mit 40.000 Plätzen und unser Zuschauerschnitt lag nie höher als 39.000. Dann haben Landesregierung und Stadt entschieden, dass man gerne WMStandort wäre. Und so wurde dem Verein das Stadion abgekauft und zum WM-Stadion inklusive Infrastrukturmaßnahmen ausgebaut. Nach der WM wurde dann gesagt: So, da steht es nun, hier habt ihr euer Stadion. Doch seither zahlten wir eine Pacht von 3,2 Millionen Euro pro Jahr für ein größeres Stadion, das mehr kostet, obwohl wir es gar nicht brauchen. Wobei wir das Pachtmodell, das bis nach Brüssel ging, nun endlich ändern konnten, sodass wir in der 2. Bundesliga nur noch 2,4 Millionen Euro pro Jahr fürs Stadion zahlen.

SPONSORs : Als letzten entscheidenden Punkt prangerte der BdS den Rückkauf des NLZ Fröhnerhof durch den FCK an. 2003 hatte Ihr Club das Gelände für 6,1 Millionen Euro an die städtische Stadiongesellschaft verkauft. Nun wollen Sie das Gelände für 2,6 Millionen Euro zurückkaufen.

Kuntz: Ein unabhängiges Gutachten hat die Marktkonformität des Kaufpreises bestätigt. Das hat die EU auch so gesehen.

SPONSORs : Sie haben im Dezember eine einstweilige Verfügung und eine Unterlassungsklage gegen den BdS erwirkt. Wie wird das Thema nun ausgehen?

Kuntz: Wir hoffen, dass die Diskreditierungen des BdS gegen den 1. FC Kaiserslautern aufhören und er die Größe besitzt, dem Club nicht weiter zu schaden.

SPONSORs : Herr Kuntz, vielen Dank für das Gespräch.

SPONSORs
Heft März 2019

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